Schorndorf

Brandstiftung in Gärtnerei: Polizei hat Verdächtigen im Visier

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Katrin Strotbek und Martin Gropper in den vom Feuer zerstörten Gewächshäusern ihrer Gärtnerei. © Schneider / ZVW

Remshalden. Sieben Wochen nach dem Brand in den Gewächshäusern der Gärtnerei Gropper in Geradstetten konzentriert sich die Polizei auf einen Verdächtigen. Der Verpächter der Gewächshäuser bestätigt gegenüber unserer Zeitung, dass gegen ihn wegen Brandstiftung ermittelt wird. Der Fall der Gärtnerei Gropper war inzwischen sogar Thema in der TV-Sendung „Explosiv“ bei RTL.

Bei dem Brand Mitte März wurde ein großer Teil der Gewächshäuser der Gärtnerei Gropper zerstört. Gärtnerei-Inhaber Martin Gropper äußerte direkt nach dem Brand offen seinen Verdacht, dass es sich um Brandstiftung handelt. Tatsächlich bestätigten die Spezialisten der Kriminalpolizei diesen Verdacht wenig später.

Ermittlungen gegen namentlich bekannten Beschuldigten

Ob es sich um vorsätzliche oder fahrlässige Brandstiftung handelt, lässt die Polizei bislang offen. Polizeisprecher Holger Bienert sagt jedoch gegenüber unserer Zeitung: „Wir ermitteln gegen einen namentlich bekannten Beschuldigten.“ Es habe am vergangenen Freitag auch eine Hausdurchsuchung stattgefunden. Die Dinge, die dabei gefunden worden seien, werte man derzeit aus.

Die Ermittlungen, erklärt Bienert, seien im Fall von Bränden meist langwierig, was in der Natur der Sache liege, da bei einem Feuer viel zerstört werde und die Spurensuche schwierig sei. „Mit einer Anschuldigung ist es nicht getan, man muss einen Sachbeweis führen“, betont der Polizeisprecher.

„Sie müssen sich das vorstellen wie im Horrorfilm“

Martin Gropper und seine Lebensgefährtin Katrin Strotbek haben von Anfang an keinen Zweifel daran gelassen, wem sie den Brand zutrauen: Dem Mann, von dem sie die Gewächshäuser gepachtet haben und der in einem Haus direkt an der Gärtnerei wohnt. Mit ihm haben sie seit Jahren Streit, von ihm sehen sie sich systematisch terrorisiert. Groppers Anwalt Hendrik Leibfritz sagt: So einen Fall mit derart umfangreichen Rechtsstreitigkeiten habe er in seinen 14 Berufsjahren sonst nicht erlebt. Er spricht von mehr als 100 Strafanzeigen. Katrin Strotbek sagt: „Sie müssen sich das vorstellen wie im Horrorfilm – nur dass es keinen Knopf gibt zum Ausschalten.“

Gegen Verdächtigen laufen derzeit schon zwei Verfahren

Seit 2011 kommt es rund um und in der Gärtnerei regelmäßig zu Sachbeschädigungen. Vieles davon ist durch Überwachungskameras festgehalten. Martin Gropper zeigt ein Video, in dem der Verpächter das Gesicht in die Kamera hält, bevor er sie wegdreht. Auf späteren Videos ist dann nur noch eine vermummte Person zu sehen. Immer wieder verursache der Verpächter Unterbrechungen der Stromzufuhr, erzählt Martin Gropper. Zweimal wurde er wegen Körperverletzung gegen Gropper verurteilt, dazu kommen zwei weitere einschlägige Vorstrafen. Derzeit laufen wieder zwei Verfahren wegen Körperverletzung, in einem wird der Verpächter beschuldigt, mit einem Schraubenzieher auf Martin Gropper losgegangen zu sein und ihn am Hals verletzt zu haben. Dieser berichtet, er habe geschrien: „Ich bringe euch um.“

Im Mai steht eine Haftstrafe an

Eigentlich müsste der Mann bereits im Gefängnis sein: Bereits im August 2016 wurde er am Amtsgericht Schorndorf wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung und in Anbetracht seiner Vorstrafen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Er war mit einer Eisenstange auf die Security-Mitarbeiter losgegangen, die Martin Gropper nach den wiederholten Sachbeschädigungen engagiert hatte. Die Haftstrafe muss er laut Polizei nun noch im Mai antreten. Die Sache hat sich unter anderem verzögert, weil der Verpächter– erfolglos – in Berufung gegangen war. In einem TV-Bericht in der RTL-Sendung „Explosiv“ behauptet er nun, er sei zur besagten Uhrzeit der Eisenstangen-Attacke „komischerweise“ gar nicht da gewesen. Während der Gerichtsverhandlung erzählte er allerdings andere Versionen der Geschichte.

Verpächter weist Verdächtigungen zurück

Die Ermittlungen in Sachen Brandstiftung gegen ihn bestätigt der Gewächshaus-Verpächter im Gespräch mit unserer Zeitung. Er weist die Verdächtigungen aber zurück und erzählt, er habe die Feuerwehr um kurz vor 4 Uhr morgens gerufen, nachdem er Klirren gehört und den Feuerschein gesehen habe. Er stehe für gewöhnlich um 4.30 Uhr auf, sei aber vorher schon wach gelegen. Mehr will er zu der Sache nicht sagen, erwähnt aber noch, er sei früher selbst bei der Feuerwehr gewesen.

"Jetzt haben wir es so lange ausgehalten"

Martin Gropper vermutet ein ganz bestimmtes Motiv hinter der Brandstiftung. Sein Verpächter wurde rechtskräftig von einem Gericht dazu verpflichtet, Gropper einen Vorschuss über 51 000 Euro zu zahlen um die teilweise maroden Glasplatten der Gewächshausdächer erneuern zu lassen. Nach dem Urteil, erzählt Gropper, habe er gesagt: Bevor er das zahle, mache er lieber alles kaputt.

Der Verpächter hat den Gärtnereibetrieb in Geradstetten nach eigenen Angaben 2009 von seinem Vater übernommen und noch im gleichen Jahr an Martin Gropper verpachtet, mit der Vertragslaufzeit von 20 Jahren.

Warum haben es Martin Gropper und Katrin Strotbek bei all den Vorfällen überhaupt so lange in Geradstetten ausgehalten? Sie hätten sehr viel Geld und persönlichen Einsatz in die Gärtnerei gesteckt, sagen sie. Zuviel, sagen sie, um einfach so weiterziehen zu können. Nun sagt Martin Gropper: „Jetzt haben wir es so lange ausgehalten. Es muss doch jetzt endlich einer schaffen, dass es für diesen Typ in unserem Rechtsstaat eine Lösung gibt.“


 

Hilfe und Zuspruch

Seit dem Brand bekommen Martin Gropper und Katrin Strotbek viel Zuspruch. „Das war unheimlich herzergreifend“, sagte Gropper schon kurz danach über die vielen Hilfsangebote und die allgemeine Anteilnahme.

Hilfe kam nun auch von unerwarteter Stelle: Der Fernsehsender RTL, der in der Sendung „Explosiv“ einen längeren Beitrag über den Fall gemacht hat, zahlt einen Sicherheitsdienst, der auf die Gärtnerei aufpasst, bis der Verpächter seine Haft angetreten hat, zu der er wegen Körperverletzung verurteilt wurde.