Schorndorf

CDU-Stadträtin, Galeristin, Krankenschwester: Julia Schillings Einsatz im Kreisimpfzentrum in Waiblingen

Julia Schilling impfen
Seit Mitte Februar ist Julia Schilling, Stadträtin, Galeristin und gelernte Krankenschwester, im Kreisimpfzentrum Waiblingen im Einsatz. © Benjamin Büttner

Angst vor dem Coronavirus hat Julia Schilling nicht – „aber Respekt“. Und darum stand’s für die CDU-Stadträtin nicht nur außer Frage, sich selbst impfen zu lassen, sondern sich als gelernte Krankenschwester auch im Kreisimpfzentrum in der Waiblinger Rundsporthalle zu bewerben. Im Januar wurden dort die ersten über 80-Jährigen geimpft, seit Mitte Februar ist Julia Schilling Teil des Teams – und gibt an guten Tagen bis zu 350 Menschen den ersehnten Piks.

Überreden würde die 43-Jährigen niemand zur Impfung. Doch aus den vielen Jahren, die sie als Krankenschwester in den Rems-Murr-Kliniken Schorndorf und in einer Ludwigsburger Privatklinik gearbeitet hat, weiß sie, was es bedeutet, wenn Patienten beatmet werden müssen, „und was das seelisch mit Ärzten und Krankenschwestern macht“. Müsste das medizinische Personal auch in Deutschland nach dem Triage-System entscheiden, wer eine lebensrettende Behandlung erhält und wer nicht – „das wäre verheerend“.

Krankenschwester-Beruf für die Kunst aufgegeben

Sie selbst hatte den Beruf als Krankenschwester eigentlich im Sommer 2020 schon aufgegeben, um in ihrer „Schilling Temporary Pop-Up Gallery“ in der Neuen Straße zeitgenössische Kunst zu verkaufen. Wo jahrelang die Deutsche Bank eine Filiale unterhielt und danach die Fenster mit Gartenschau-Werbung zugeklebt waren, stellt Julia Schilling Werke aus der Galerie ihrer verstorbenen Mutter aus. Eigentlich wollte sie nur bis Jahresende in der Kunstbranche bleiben. Doch jetzt macht sie mit ihrer Galerie weiter, „so lange das Haus am Marktplatz steht“. Dort hatte sie - trotz Corona-Pandemie - einen guten Start und bis Mitte Dezember auch einige Werke verkauft. Mit dem Lockdown ist die Galerie in den Hintergrund getreten – und gleichzeitig auch weitergelaufen: Anrufe gingen ein, Werke wurden ausgeliefert. Doch alles ohne Online-Handel: Kunst zu verschicken und dann gezwungen sein, die verkauften Werke innerhalb von zwei Wochen zurückzunehmen, das wollte Julia Schilling nicht. Sie ist vom innenstadtnahen Standort überzeugt und will vor Ort sein.

Und bisher ist sie durch den dritten Lockdown auch finanziell ganz gut durchgekommen – auch weil sie sich durch den Einsatz im Impfzentrum ein Zubrot verdienen konnte. Für 24 Wochenstunden ist die Mutter von drei Söhnen angestellt und vorwiegend an Sonn- und Feiertagen im Einsatz. Dabei genießt sie auch die Kontakte und die neuen Erfahrungen, die sie im Impfzentrum machen kann – selbst wenn die Zehn-Stunden-Schicht mit FFP2-Maske anstrengend ist. Abwechslungsreich ist ihr Einsatz aber auf jeden Fall.

Einsatz im Impfzentrum, im Truck und im mobilen Team

Sie war schon im Impftruck in Schorndorf im Dienst und Teil des mobilen Teams in Pflege- und Behinderteneinrichtungen. Im Waiblinger Impfzentrum ist sie entweder in einer Impfkabine eingeteilt, beim Check-out oder im Labor beim Spritzenaufziehen. Vor allem bei diesem Einsatz, sagt Julia Schilling, ist Achtsamkeit und Gewissenhaftigkeit gefragt: Mit dem Impfstoff von Biontech, aber auch von Astrazeneca, muss man vorsichtig umgehen, beide dürfen nicht geschüttelt werden. Und wer besonders geschickt ist, bekommt sogar sieben Impfdosen aus einem Fläschchen heraus.

Von den Geimpften, die oft verunsichert die vielen Stationen im Kreisimpfzentrum durchlaufen, bekommt Julia Schilling „zu 99 Prozent Positives zurück“. Viele, erzählt die 43-Jährige, hätten durch Fernsehberichte, in denen oft Spritzen mit extrem langen Nadeln zu sehen waren, Angst vor dem Piks und stellen dann mit Erleichterung fest: „Das war doch gar nicht so schlimm.“ Und Dankbarkeit erlebt die Schorndorferin auch: für den schnellen, reibungslosen Ablauf im Impfzentrum, für die Freundlichkeit und die ansprechende räumliche Gestaltung in der Rundsporthalle. Jetzt müssten dort nur noch mehr Menschen geimpft werden können. 1500 könnten’s am Tag sein, mehr als 800, erklärt Martina Keck als Pressesprecherin des Landratsamts, sind’s im Moment nicht, weil der Impfstoff fehlt.

Und obwohl Julia Schilling mit dem Impfeinsatz wieder festgestellt hat, wie gern sie in ihrem Beruf als Krankenschwester arbeitet, freut sie sich auch auf die Wiedereröffnung der Galerie. Und da die Sieben-Tage-Inzidenz deutlich unter 150 gesunken ist, steht einer Wiedereröffnung mit Click & Meet ab Freitag auch nichts im Wege.

Info

„Schilling Temporary Pop-Up Gallery“ ist in der Neuen Straße 3 zu finden. Kontakt: Julia Schilling, 01 76/80 26 40 63, und Pit Schmidt, 01 63/6 18 61 80.

Angst vor dem Coronavirus hat Julia Schilling nicht – „aber Respekt“. Und darum stand’s für die CDU-Stadträtin nicht nur außer Frage, sich selbst impfen zu lassen, sondern sich als gelernte Krankenschwester auch im Kreisimpfzentrum in der Waiblinger Rundsporthalle zu bewerben. Im Januar wurden dort die ersten über 80-Jährigen geimpft, seit Mitte Februar ist Julia Schilling Teil des Teams – und gibt an guten Tagen bis zu 350 Menschen den ersehnten Piks.

Überreden würde die 43-Jährigen

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