Schorndorf

Corona bringt hohen Schaden fürs Schorndorfer Oskar-Frech-Seebad

Oskar-Frech-seebad
Betriebsleiter Jörg Bay im Oskar-Frech-Seebad. © Gabriel Habermann

Die ersten Schwimmbäder in der Region sind wegen der Corona-Krise bereits in finanzielle Not geraten. Die Eintrittsgelder fehlen, während die Kosten trotzdem immens sind. Schafft es das Oskar-Frech-Seebad durch die Pandemie? Betriebsleiter Jörg Bay zeigt, in welchem Zustand sich das Bad momentan befindet.

Im Oskar-Frech-Seebad sieht alles so aus, als könnte im nächsten Augenblick der Betrieb starten. Es ist angenehm warm, Wasser steht im sauberen Becken, und sogar das helle Licht spiegelt sich auf der Wasseroberfläche. Nur eines fehlt hier für einen typischen Schwimmbadbetrieb: die Gäste.

Seit November ist das Bad komplett dicht, über Monate konnte nun kein Betrieb stattfinden. Und auch vorher war er nur sehr eingeschränkt möglich. Doch auch wenn nun schon lange Ruhe im Bad ist: Das Wasser kann Jörg Bay nicht aus dem Becken rauslassen. Die Fugen hier seien auf die Feuchtigkeit ausgelegt. Im ersten Lockdown hätten sie einen Teil des Wassers abfließen lassen, um Energiekosten zu sparen. Doch dies habe sich als keine gute Idee erwiesen. Schon nach kurzer Zeit hätten sich die ersten Fugen gelöst. Dann hätten sie wieder Ausbesserungen vornehmen müssen. Deshalb muss das Wasser jetzt doch im Becken bleiben. Ein Bad ist eben nicht auf einen solchen Stillstand ausgelegt.

Neben Jörg Bay sind auch noch die Auszubildenden da

Doch genau genommen steht auch hier nicht alles still. Im Ziegeleisee ziehen die Enten ihre Bahnen, und einzelne Mitarbeiter arbeiten derzeit daran, den Außenbereich in Form zu halten. Während des Gesprächs mit Bay bearbeitet gerade ein Auszubildender mit einem Hochdruckreiniger den Boden. Er ist einer von vier Lehrlingen, die derzeit noch hier arbeiten. Sie können nicht über Monate in Kurzarbeit geschickt werden, das gefährde schließlich die komplette Ausbildung. Immerhin könne er sich derzeit viel Zeit für sie nehmen, so Bay. Die künftigen Fachangestellten für Bäderbetriebe müssen unter anderem lernen, wie man im Notfall eine Person rettet. Fast alle anderen der 30 Personen aus dem Team sind in 100-prozentiger Kurzarbeit, erzählt Jörg Bay.

Neben einem Teil der Gehälter kann das Bad derzeit aber auch Energiekosten einsparen. Die „Umwälzung ist reduziert“, erklärt Jörg Bay. Die Pumpe im Keller des Bades läuft weniger stark als während eines normalen Betriebs. Das Wasser wird schließlich nicht so stark verschmutzt, wenn keine Gäste kommen.

Vom Bereich im Inneren des Bads geht es mit dem Badleiter ins Freie an den Ziegeleisee. Er zeigt auf das Schilf, das ganz kurz geschoren ausschaut. Ganz frisch sei es gemäht worden. Innerhalb von zehn Tagen könne er hier loslegen, sagt Bay. „Wir wollen bereit sein und starten, sobald das möglich ist“, sagt er. Doch was machen die Mitarbeiter außer diesen Vorbereitungen, während eigentlich kein Betrieb möglich ist? „Es ist ein bisschen wie daheim, wir haben unter anderem den Keller aufgeräumt und Arbeiten durchgeführt, zu denen wir sonst nicht kommen“, sagt er.

Es sei komisch, sonst sei er ehrlicherweise auch manchmal gestresst von dem Trubel hier, Telefone klingeln, Türen gehen auf und zu, und man habe kaum einen ruhigen Moment. Doch derzeit vermisse er den Andrang hier. Hier im Schwimmbadgebäude hat er auch sein Büro. So still wie derzeit sei es dort noch nie gewesen. „Das Gelände kennt eigentlich keine Ruhe“, sagt Bay. Statt Plappern und Platschen hört man, zumindest im Freien, nur die Vögel zwitschern.

Doch wie schlimm steht es um die Zahlen des Schwimmbads? „Wenn wir keinen Betrieb haben, dann fehlen uns 200 000 Euro an Einnahmen jeden Monat“, erklärt Badleiter Jörg Bay. Zwar könne man etwa bei den Energiekosten etwas einsparen, doch das reiche nicht, um die hohe Summe zu kompensieren. Der Badbetrieb ist nicht auf Gewinn ausgelegt, er macht ohnehin Verluste. Geplant war ein Minus von zwei Millionen Euro. Doch im vergangenen Jahr hat das Bad 700 000 Euro zusätzlichen Verlust gemacht. Womöglich droht nun ein ähnlicher Verlust auch im Jahr 2021 noch einmal.

Die Mutter wird die Tochter wohl retten müssen

Das Oskar-Frech-Seebad ist Teil der „Stadtwerke Schorndorf Bäderbetriebe“, die wiederum eine Tochter der Stadt Schorndorf sind. Dieses Konstrukt ist kein Zufall. Die Idee: Die Gewinne der Stadtwerke können mit den Verlusten des Schwimmbads verrechnet werden. Das habe steuerliche Vorteile, erklärt Jörg Bay. Das Problem mit dem jetzt nochmals gestiegenen Verlust sei allerdings, dass er nicht mehr kompensiert werden kann. Das Konstrukt gerät ins Wanken. „Die Mutter wird also wohl die Tochter retten müssen“, erklärt Bay. Die Stadt Schorndorf wird also wohl für sie einspringen müssen.

Bürgermeister Thorsten Englert, zuständig für die Finanzen bei der Stadt, spricht von einer „großen Herausforderung“. Auch er erklärt, dass die Stadt wohl oder übel einspringen müssen wird. Angesprochen auf das Jahr 2021, sagt Englert aber: „Wir müssen auf Sicht fahren.“ Er hofft, dass die Gemeinden und Städte vom Land oder Bund eine Entschädigung bekommen werden. „Sonst müssen es die Kommunen alleine ausbaden“, sagt Englert. Er verweist darauf, dass das Schorndorfer Schwimmbad nur ein Bereich von vielen ist, in dem die Stadt wegen der Pandemie schlechter dasteht.

Ist die Existenz des Oskar-Frech-Seebads bedroht?

Doch bei all den Zahlen und Konstrukten stellt sich für die Bevölkerung wohl vor allem eine Frage: Gefährdet die Krise die Existenz des Bades? „Nein“, anwortet Thosten Englert. Da müsse man sich keine Sorgen machen. Und die Eintrittspreise? Nachdem im Gemeinderat vor einigen Monaten erst eine Erhöhung beschlossen wurde, stehe dies nicht zur Debatte. Zuletzt hat ein Erwachsener für eine Badezeit von 2,5 Stunden einen Eintritt von fünf Euro bezahlt.

Doch bis an der Kasse im Schwimmbad mal wieder jemand einen Eintritt bezahlt, wird es wohl noch etwas dauern. Die Infektionszahlen lassen derzeit nicht allzu optimistische Prognosen in Hinblick auf eine baldige Freibadöffnung zu. Von der Terrasse aus nimmt Bad-Chef Jörg Bay den Weg zurück über den Steg am See. Als er an ihm vorbeiläuft, zeigt er auf die Enten hier und sagt: „Die fangen bald an zu brüten, dann gibt es hier wenigstens bald wieder ein bisschen Leben.“

Die ersten Schwimmbäder in der Region sind wegen der Corona-Krise bereits in finanzielle Not geraten. Die Eintrittsgelder fehlen, während die Kosten trotzdem immens sind. Schafft es das Oskar-Frech-Seebad durch die Pandemie? Betriebsleiter Jörg Bay zeigt, in welchem Zustand sich das Bad momentan befindet.

Im Oskar-Frech-Seebad sieht alles so aus, als könnte im nächsten Augenblick der Betrieb starten. Es ist angenehm warm, Wasser steht im sauberen Becken, und sogar das helle Licht

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