Schorndorf

Das macht der Landwirt im Winter: Schrauben und Schreiben

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Damit die Landwirte im Sommer wieder heuen können, müssen jetzt im Winter die Maschinen wieder fit gemacht werden. © Habermann / ZVW

Schorndorf. Wussten Sie, liebe Leserinnen und Leser, eigentlich, dass es mehr als ein Dutzend aktive Landwirte rund um Schorndorf gibt? In der neuen Serie „Mit unseren Landwirten durchs Jahr“ stellen wir sie vor. Sie halten Milchvieh, erzeugen Futter und Gemüse, züchten Schafe oder haben Pensionspferde – mal arbeiten sie auf konventionelle Art, mal auf die biodynamische.

So unterschiedlich die Arbeitsansätze, so unterschiedlich die landwirtschaftlichen Betriebe und die Menschen dahinter. Was aber immer gleich bleibt? Die Abhängigkeit vom Wetter. Dass es im Januar meist ungemütlich kalt ist, ist für die Landwirte allerdings kein Grund, sich vor den Kamin zu kuscheln und die Füße hochzulegen. „Zu tun gibt’s immer was“, berichtet Uschi Pscheidl, die vor unserem Telefongespräch gerade aus dem Stall gekommen ist. Die älteste Kuh im Stall bekommt gerade ihr 15. Kalb. Eine wahre Rekordkuh. Fünf Kälbchen sind die Regel. Schon früh am Morgen hat Uschi Pscheidl die Tiere gefüttert, eingestreut und ihnen Wasser gegeben. Zusätzlich sind alle auf dem Hof im Winter damit beschäftigt, zu reparieren, was geht. Im Sommer gibt es dafür nun wirklich keine Zeit mehr.

Auch Hermann Beutel aus Schornbach ist aktuell mit Instandsetzungsarbeiten beschäftigt: „Alles muss wieder auf Vordermann gebracht werden“, berichtet er. Die Dachrinnen und Wasserleitungen, auch die Maschinen – allerhand Baustellen hat er zu beackern. „Wir können schließlich nicht alles in die Werkstatt bringen.“ Das würde viel zu teuer kommen. Also nehmen die meisten Landwirte im Winter selbst den Schraubschlüssel in die Hand. Schließlich sind sie firm in Sachen Reparaturen, nimmt doch das Fach Maschinenkunde einen nicht zu kleinen Teil in der Ausbildung zum Landwirt ein.

Zudem fällt im Büro reichlich Arbeit an. „Bei 120 Verpachtungen ändert sich ständig etwas“, erklärt Beutel. Klar, dass sich der Papierkram über den Sommer zu mahnenden Stapeln angehäuft hat, die nun alle abgearbeitet werden wollen.

„Und dann haben wir noch rund 400 Obstbäume“, berichtet Beutel. Die müssen ihren Winterschnitt verpasst bekommen, das Reisig muss weggefahren werden. Auch Thomas Sieber aus Unterberken, der rund 120 Milchkühe sowie rund 1500 Hühner beherbergt, geht es ähnlich. Er hat etliche Landmaschinen, schließlich stellt er das Futter für Milchvieh und Hühner selbst her. Lediglich das Eiweiß muss er hinzukaufen.

In aller Früh geht’s los: Tiere füttern, einstreuen, melken

Aber nicht nur die typischen Winterarbeiten müssen die Landwirte aktuell verrichten. Dazu kommt der Alltag. Und der ist zwischen Milchkuh und Hühnerstall alles andere als romantisch. Schon in aller Früh klingelt der Wecker. Schließlich warten die Kühe darauf, gemolken zu werden. Ziemlich dringend.

Der Stall muss gemistet, das Vieh gefüttert werden. Aber ein wenig geruhsamer ist’s im Winter trotz allem, findet Landwirt Clemens Luber vom Engelberg bei Winterbach.

„Im Sommer hab ich viel später Feierabend“, berichtet er. Oft muss er, wenn er gegen 19 Uhr im Stall fertig ist, noch mal raus: Heu machen, Weidezäune stecken, was auch immer.

Im Sommer ist die Arbeit meist auch dringender zu erledigen, duldet keinen Aufschub. „Wenn das Wetter kommt, müssen wir heuen.“ Die Winterarbeiten – Büro, Anträge, Bodenproben, Holzmachen, Bäumeschneiden – lassen sich besser einteilen.

Bei Lubers gibt’s aber noch ein zusätzliches Standbein, das jahraus, jahrein für Arbeit sorgt: Hier wird pädagogisch gearbeitet. Schulklassen helfen beim morgendlichen Versorgen der Kühe mit und erleben auch sonst einen ganz normalen Hofvormittag.