Schorndorf

Der erste hauptamtliche Gesamtkommandant

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Der neue und erste hauptamtliche Gesamtkommandant der Schorndorfer Feuerwehr, Jürgen Bruckner, tritt sein Amt am 1. April 2020 an. © Laura Edenberger

Schorndorf. So kann’s gehen: Da wird mit professioneller Unterstützung bundesweit nach dem ersten hauptamtlichen Gesamtkommandanten in der langen Schorndorfer Feuerwehrgeschichte gesucht, und wer ist’s geworden? Jürgen Bruckner, seit 39 Jahren aktives Mitglied bei der Schorndorfer Wehr, tritt sein neues Amt am 1. April an.

„Wir sind einen langen Weg gegangen von einem ehrenamtlichen zu einem hauptamtlichen Kommandanten, aber der Aufwand hat sich gelohnt“, sagte im Rahmen eines Pressegesprächs, in dem Bruckner vorgestellt wird und sich selber vorstellt, der Erste Bürgermeister Edgar Hemmerich, in dessen Dezernat Bruckner die Leitung der neu eingerichteten Stabsstelle Brand- und Katastrophenschutz übernehmen wird – mit Dienstsitz allerdings möglichst im Feuerwehrgerätehaus. Der 56-jährige Jürgen Bruckner, der sich als 17-Jähriger mit dem Feuerwehr-Virus infiziert hat und ihn seither nicht mehr losgeworden ist, sei einer, der sich in der Stadt auskenne und der von seinen verschiedenen beruflichen Stationen eine große Bandbreite an Kenntnissen und Erfahrungen mitbringe, sagte Hemmerich. Und Oberbürgermeister Matthias Klopfer ergänzte, dass sich in den technischen Ämtern der Stadtverwaltung, in denen es um Planen und Bauen gehe, viele freuten, dass das Thema vorbeugender Brandschutz mit dem neuen, vom Gemeinderat mit großer Mehrheit gewählten Kommandanten einen ganz anderen Stellenwert bekomme.

Aus den Abteilungswehren gab es auch kritische Stimmen

Außer dass er als engagierter Ehrenamtlicher und ehemaliger Kommandant der Abteilung Stadt die Schorndorfer Wehr in- und auswendig kennt, hat Jürgen Bruckner seine weiteren Erfahrungen in der Daimler-Berufsfeuerwehr, später dann im gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst im Regierungspräsidium und zuletzt im Landratsamt gesammelt, wo er sich 2008 schwerpunktmäßig um vorbeugenden Brandschutz kümmert. Wobei ihm die zehn Jahre als Schorndorfer Abteilungskommandant bei seiner Bewerbung nicht gleich zum Vorteil gereicht haben, weil es unter den Abteilungskommandanten in den Stadtteilen wohl schon den einen oder anderen gegeben hat, der es kritisch gesehen hat, dass ein Schorndorfer Feuerwehrurgestein jetzt Gesamtkommandant werden soll. Womit aber weder der Oberbürgermeister noch Bruckner selber ein Problem hat. Damals habe er als Abteilungskommandant das getan, was von ihm erwartet worden sei, und in Zukunft werde er seiner Führungsaufgabe für die gesamte Wehr gerecht werden, sagt Matthias Klopfer. Und Jürgen Bruckner meint, sowohl die Stadt als auch die Feuerehrkameraden in den verschiedenen Abteilungen könnten sich darauf verlassen, dass er immer alle und das große Ganze im Blick haben werde.

Jürgen Bruckner ist einer, der mit Führungsaufgaben vertraut ist, der aber auch das Handwerk beherrscht. Was nicht heißt, dass er, der aktuell noch Leiter der Führungsgruppe bei der Abteilung Stadt ist, sich auch weiterhin bei Brandeinsätzen ganz vorne zeigen und womöglich noch „den anderen das Geschäft wegnehmen“ will. „Da muss ich mich ein bisschen zusammenreißen“, sagt er schmunzelnd und verweist auf die gut geschulten Abteilungskommandanten, die bei Einsätzen auch die Gelegenheit haben müssten, zu zeigen, was sie können. Da müsse nicht jedes Mal der Gesamtkommandant das Zepter an sich reißen. Was für die Kommandanten gelte, gelte aber auch für die Feuerwehrleute in den Stadtteilen. Bruckner ist daran gelegen, das Ungleichgewicht, dass von rund 230 Einsätzen im Jahr 150 bis 170 auf die Abteilung Stadt entfallen, dadurch etwas zu verschieben, dass Teilortwehren über ihre eigenständigen Einsätze hinaus schneller nachalarmiert und öfters ins Einsatzgeschehen eingebunden werden. „Die trainieren auch ständig und brauchen auch ihre Einsatzzeiten“, zieht der 56-jährige Bruckner den Vergleich zum Fußball.

Was Investitionen angeht, so gibt es klare Prioritäten

Das Ehrenamt hochzuhalten und gemeinsam mit der Stadt gute Rahmenbedingungen sowohl in baulicher und technischer als auch in struktureller Hinsicht für die Ausübung dieses Ehreamtes zu schaffen, hat sich Bruckner als Gesamtkommandant vorgenommen. Außerdem sehe er sich als Dienstleister, der die Abteilungswehren und die Funktionsträger so weit als möglich von administrativen Aufgaben entlasten wolle, damit sie sich auf ihre Kernaufgaben konzentrieren könnten. Wobei aus Sicht von Oberbürgermeister Matthias Klopfer für die dezentrale Struktur mit insgesamt acht Abteilungen weiterhin gilt, dass es Veränderungen, wie sie zum Beispiel im Wieslauftal angedacht seien, nur in enger Abstimmung mit der Feuerwehr geben könne. Zumal es zunächst andere Investitionsschwerpunkte gebe: Vorrang habe ein neues Gerätehaus in Oberberken und klar sei auch, dass das Schorndorfer Feuerwehrgebäude grundlegend saniert werden müsse, nachdem sich der derzeitige Standort auch für die Zukunft als der einzig richtige herausgestellt habe.


Frauenquote und Tagesverfügbarkeit

Dass Schorndorf als zweitgrößte Feuerwehr im Kreis die höchste Frauenquote hat, ist aus Sicht von Jürgen Bruckner „kein Grund zum Ausruhen“, zumal die Quote nur so um die zehn Prozent liegt – bei einem gleichzeitigen 25-prozentigen Anteil von Mädchen in der Jugendfeuerwehr.

Da gelte es, „Potenzial für die aktive Wehr aufzuspüren und die richtige Ansprache zu finden“, meint der künftige Gesamtkommandant, der sich einen höheren Frauenanteil nicht nur mit Blick auf die Tagesbereitschaft wünscht, sondern auch, „weil sie der Feuerwehr guttun“. „Wenn eine Frau im Team ist, reißen sich die Männer noch mal ganz anders zusammen“, glaubt Jürgen Bruckner.

Auch bei der Tagesverfügbarkeit, die auch in den Stadtteilen sehr unterschiedlich ausgeprägt ist, will er sich nicht damit zufriedengeben, dass das kein spezifisches Schorndorfer Problem ist. Eine Möglichkeit, die Tagesbereitschaft zu verbessern, könnte zum Beispiel sein, auswärtige Feuerwehrleute, die in Schorndorf arbeiten, für Tageseinsätze zu gewinnen. In Haubersbronn und Miedelsbach gebe es da schon gute Ansätze, sagt Bruckner, der auch von Feuerwehrleuten aus den Stadtteilen weiß, die in Schorndorf arbeiten und in Notfällen mit der Abteilung Stadt ausrücken. Eine andere Möglichkeit könnte sein, bei der Stadt beschäftigte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Feuerwehr zu gewinnen und sie für Tageseinsätze auszubilden. So wie beispielsweise schon die Firma Frech in Weiler als Partnerbetrieb der örtlichen Feuerwehr dazu beiträgt, dass bei einem Einsatz ausreichend Kräfte zur Verfügung stehen.