Schorndorf

Der Kirchendachstuhl ist aus dem Gleichgewicht

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Hilfskonstruktionen stützen im Moment den Dachstuhl über dem Chor. © Benjamin Büttner / ZVW
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Bei der Besichtigung des Stadtkirchen-Dachstuhls: Tina Schuler (Architekturbüro Treide), Juliane Baur (Dekanin im Kirchenbezirk Schorndorf) sowie Günther Lang (Naturschutzbund Schorndorf).
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Skulpturen
Mit diesen beiden Skulpturen unterstützt Künstler Karl Ulrich Nuss die Kirchensanierung. © Benjamin Büttner

Schorndorf. Der Dachstuhl über dem Chor der Stadtkirche mag von außen stabil wirken. Doch schon seit längerer Zeit ist die Statik der hölzernen Konstruktion aus dem Gleichgewicht geraten. Nun soll der Dachstuhl grundlegend saniert werden. Dafür muss die Kirchengemeinde viel Geld sammeln.

Leicht schief stehen die Holzbalken in der Mittelstütze des Dachstuhls über dem Chor. Auch das Laienauge erkennt: So sollte das eigentlich nicht sein. Mehr als 300 Jahre haben diese Balken bereits das Dach getragen, seit der Innensanierung der Stadtkirche vor vier Jahren werden sie von Hilfskonstruktionen stabilisiert. Damals wurde folgendes Problem entdeckt: Das Holz saß auf der Mitte des Chor-Gewölbes auf und gab den Druck des Dachs damit nach unten weiter. Die Konstruktion war aus dem Gleichgewicht geraten.

Video: Der Dachstuhl der Stadtkirche Schorndorf muss saniert werden, Tina Schuler vom Architekturbüro Treide erklärt wo.

„Das statische Gefüge ist nicht mehr intakt“, sagt Architektin Tina Schuler

Der Dachstuhl - betroffen ist nur der Teil über dem Chor und nicht das Schiff - ist immer noch schief. Er neigt sich Richtung Turm. Die Kräfte können nicht richtig auf die Außenwände abgeleitet werden. „Das statische Gefüge ist nicht mehr intakt“, sagt Tina Schuler vom Schorndorfer Architekturbüro Treide. Mit Fichtenholzkanthölzern wurde der Druck zwar vom Gewölbe genommen. Der Dachstuhl berührt den Chor nicht mehr. Das Ungleichgewicht hingegen besteht nach wie vor.

Die Hilfskonstruktion war ja auch nur eine Notlösung. Eine von vielen, die über die Jahre am Dachstuhl der Kirche vorgenommen wurden. Denn die Ursache ist laut Architekt Bernd Treide, Experte für Kirchenbau, ein Konstruktionsfehler. Und der gehe bereits auf die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Stadtbrand zurück. Als die Kirche 1664 wieder errichtet wurde, habe man im Dachstuhl auf durchgehende Balken verzichtet. Arbeitstechnisch wäre das aufgrund ihrer Länge zu aufwendig gewesen. Die Deckenbalken wurden deshalb in der Mitte gebockt, zwei Holzbalken also gegeneinander gedrückt. Ein Druck, der seitdem immer wieder durch provisorische Lösungen ausgeglichen werden musste.

Nach der letzten Notkonstruktion habe das Denkmalamt dann die Auflage an die Kirchengemeinde erteilt, mittelfristig nach einer dauerhaften Lösung zu suchen. Die soll nun so schnell wie möglich angegangen werden. Denn „irgendwann könnte der Dachstuhl sonst zusammenbrechen“, sagt Dekanin Juliane Baur. Zumal es auch Wasserschäden am Dachstuhl gebe, die man im Zuge der Sanierung beheben wolle.

Knapp die Hälfte der Kosten muss die Kirchengemeinde selbst tragen

Zuvor muss die Kirchengemeinde allerdings erst noch eine Menge Geld sammeln. 426 000 Euro: So viel soll die Sanierung laut Architekturbüro Treide kosten. Knapp die Hälfte davon muss die Gemeinde selbst übernehmen, der Rest wird über kirchliche Zuschüsse finanziert. Die 200 000 Euro Eigenanteil sollen in den nächsten Monaten mit kreativen Spendenkampagnen (siehe Infobox: Nuss-Skulpturen) gesammelt werden. Erst wenn 40 Prozent der Summe zusammengekommen sind, kann die Maßnahme gestartet werden. „Deshalb müssen wir jetzt richtig loslegen“, sagt Baur motiviert.

Mit der Baumaßnahme soll, wenn in der Kürze der Zeit genügend Geld zusammenkommt, noch im kommenden Jahr begonnen werden. Drei bis sechs Monate sind für die Sanierung vorgesehen. Dann werden die schadhaften unter den mehr als 300 Jahre alten Fichtenhölzer ausgetauscht. Dazu müssen Teile des Dachs abgedeckt und das Gebäude eingerüstet werden. Mithilfe eines Schwerlastkrans soll dann auch ein neuer, durchgehender Mittelbalken eingebaut und somit wieder Stabilität in die Konstruktion gebracht werden.

Auch an die Untermieter wird gedacht

Dann wird die spätgotische Kirche wohl auch spezielle Dachplatten bekommen, die den Durchflug von Fledermäusen ermöglichen. Dass 20 Dohlen im Turm nisten, war bereits bekannt. Dass aber auch die lichtscheuen Säugetiere hier im Sommer die Wochenstube ihrer Jungen einrichten, das war bislang nicht belegt.

Günther Lang vom Naturschutzbund hat bei der Besichtigung am Donnerstag auf dem Dachboden nun eindeutige Spuren entdeckt und damit die Existenz der Tiere bestätigt. Passende Hängeplätze, so Lang, gebe es in den Dachschrägen ja bereits genug. Doch bislang sei das Dach dicht. Künftig sollte es deshalb den Säugetieren erleichtert werden, in dem Gebäude zu nisten. Das letzte Wort hat zwar

Nuss-Skulpturen

Bereits die Innensanierung hat Karl Ulrich Nuss mit dem Verkauf von Skulpturen unterstützt. Auch hat der Weinstädter Künstler zwei Skulpturen eigens für die Kirche hergestellt, die er an sie zu den Herstellungskosten verkauft hat. „Ein kleiner, aber ein toller Baustein, um die Sanierung der Kirche zu unterstützen“, sagt Dekanin Juliane Baur. „Wirklich großzügig“ sei das von Nuss.

15 Stück hat der Künstler von jeder Figur gegossen. Zu einem vergünstigten Preis (750 Euro für die kleine, 950 für die größere) können sie über die Stadtkirche erworben werden.

Ende Oktober sind sie im Martin-Luther-Haus zu begutachten. Wer Interesse hat, melde sich bitte per Email bei familie.scherz@t-online.de.