Schorndorf

Der Kreisel-Maulwurf lebt

1/2
Der Kreisel-Maulwurf lebt_0
Aus diesen Styropor-Platten soll ein Maulwurf werden – das ist zumindest der Plan von Peter Schuster, Monique Maier-Weber, Ursula Sterk, Wiebke Klein und Petra Babschanik (von links). Hund „Hardy“ ist auch dabei. © Peter Schuster
2/2
Maulwurf
Der ursprüngliche Maulwurf im Sommer 2017, als er schon vom Hügel im Kreisverkehr (Bildhintergrund) geweht worden war. © Alexandra Palmizi

Remshalden. Der stattliche Erdhügel hat förmlich nach dieser Besetzung gerufen: Als im Sommer 2017 der neue Kreisverkehr am Grunbacher Gewerbegebiet gerade fertig war, saß dort plötzlich ein Maulwurf. Die Pappmaché-Figur wurde dann vom Wind heruntergeblasen, war aber immer wieder Gesprächsthema. Jetzt wollen einige Remshaldener einen neuen Maulwurf bauen – und der Bürgermeister sagt Unterstützung zu.

Er ist der erste in Remshalden und seit seinem Bau in der Diskussion: der Kreisverkehr im Westen von Grunbach, der das neue Gewerbegebiet Breitwiesen über die Brückenstraße an die B 29 anschließt. Einigen kam das Rund mit dem stattlichen Erdhügel in der Mitte überdimensioniert vor.

Vor allem gab und gibt es jedoch Spott und Kopfschütteln über die verwahrloste Erscheinung des Bauwerks, auf dem mehr oder weniger ungehindert wächst, was halt so wächst. Und das an einer Stelle, in der viele Besucher von außen, von der Bundesstraße her, in die Gemeinde hereinfahren.

„Da kommt man nach Remshalden und sieht einen Hügel mit Unkraut“, bringt Peter Schuster die Situation auf den Punkt – die er und eine Gruppe weiterer Remshaldener jetzt ändern wollen: mit einem Maulwurf. Auslöser war ein Satz von Bürgermeister Reinhard Molt, den unsere Zeitung zitierte: „Wenn jemand einen geeigneten Maulwurf im Rathaus abgibt, dann setzen wir den da drauf.“

"Da muss ein Maulwurf hin.“

Alle Unbeteiligten werden sich nun fragen: Warum ein Maulwurf? Das kam so: Als der Kreisverkehr gerade mal ein paar Wochen fertig und der große Erdhügel in der Mitte kaum bewachsen war, da saß eines Tages plötzlich oben drauf eine überlebensgroße Maulwurf-Figur. Nicht lange allerdings: Das Tierchen war trotz der Körperfülle ein Leichtgewicht aus Pappmaché.

Es wurde an einem windigen Tag vom Kreiselhügel geweht – und verschwand. Eine Passantin hatte den Maulwurf eingesammelt und im Rathaus abgegeben. Wenig später meldete sich die unbekannte Urheberin der Figur. Sie wollte zwar anonym bleiben, erklärte aber ihre Gedanken: „Dieser hässliche Erdhügel war eine Steilvorlage. Ich dachte: Da muss ein Maulwurf hin.“ Sie habe damit die Leute amüsieren wollen.

Das gelang ihr. Viele zeigten sich begeistert vom Maulwurf und machten sich für eine dauerhafte Installation der Figur stark. Auch der damalige Bürgermeister Stefan Breiter outete sich als Fan, bezeichnete die Idee als „genial“.

„Wir sind alle keine Künstler, aber wir haben den Willen“

Klar war, dass der ursprüngliche Maulwurf nicht als dauerhaftes Kunstwerk taugte. Ob die Gemeinde das Geld für eine dauerhaft gebaute und fest verankerte Skulptur ausgeben will, das war jedoch sehr zweifelhaft. Dann verlief die ganze Sache mehr oder weniger im Sande, totzukriegen war der Maulwurf in der öffentlichen Diskussion trotzdem nicht, schon allein, weil der Kreiselhügel in prominenter Lage ja weiterhin unansehnlich blieb.

Zwar hatte der Technische Beigeordnete der Gemeinde, Dieter Schienmann, kürzlich erklärt: „Die Gemeinde verfolgt das Thema nicht weiter.“ Doch sein Chef, der neue Bürgermeister Reinhard Molt, gab mit seinem oben zitierten Satz den Fans des Maulwurfs eine Steilvorlage.

Schnell tat sich, initiiert von der Grunbacherin Ursula Sterk, eine Gruppe zusammen und packte die Sache an. Sie besorgten sich Styropor-Platten und -Blöcke und geeigneten Klebstoff und und legten los. Ausgestattet mit Werkzeug einer Remshaldener Handwerkerfirma, die in unmittelbarer Nähe des Kreisverkehrs sitzt, machten sie sich in dieser Woche an einen neuen Maulwurf.

Der Kreisverkehr beschäftige die Bürger

Dieser, so der Plan, soll zusätzlich ein Weinglas zwischen die Pfoten bekommen, damit auch ein lokaler Bezug entsteht. Dass die praktische Umsetzung nicht ganz einfach wird, merkten sie bei der Arbeit am Styropor bald, ließen sich bislang aber nicht vom Weg abbringen. „Wir sind alle nicht die Künstler, aber wir haben den Willen“, sagt Ursula Sterk. Immerhin: Auch die Urheberin des ursprünglichen Kreisel-Maulis ist inzwischen in der Gruppe dabei.

Das Ganze sei ein Versuch, sagt Peter Schuster. „Es geht auch darum, ein Zeichen zu setzen, dass man nicht immer nur aufs Rathaus wartet, sondern sieht: Es kommt was aus der Bevölkerung raus.“ Diese Botschaft ist bei Reinhard Molt angekommen. Der Kreisverkehr, das habe er in seinen ersten Wochen und Monaten als Bürgermeister gespürt, der beschäftige die Bürger.

Und die Aktion zeige, dass sich die Bürger mit ihrer Gemeinde identifizieren. Das werde die Gemeinde unterstützen. „So ein Engagement im Keim zu ersticken, das wäre das falsche Signal.“ Er weiß natürlich, dass die Sache eine Geschmacksfrage ist und es auch im Gemeinderat nicht nur Wohlwollen für die Maulwurf-Idee gab. Molt selbst hält das Ganze jedoch für einen „tollen Gag“.

Wer mitbauen will, ist herzlich eingeladen

Peter Schuster sagt: „Es soll was Freches sein, was Freundliches, Nettes, das Besucher begrüßt.“ Wer aus Stuttgart nach Remshalden komme, der solle den Maulwurf aus dem Hügel gucken sehen und mit einem Grinsen daran vorbeifahren. Wer mitbauen wolle, der sei herzlich eingeladen, ja, Leute mit künstlerisch-handwerklicher Ader fordert Schuster sogar ausdrücklich auf: „Wir brauchen Hilfe.“

Wie dauerhaft die Figur dann werde, müsse man sehen, sagt er. Über die aus dem Styropor gesägte, etwa 1,50 Meter hohe Form wollen die Maulwurf-Macher eine Schicht Fliesenkleber ziehen, diese dann schleifen, bemalen und zuletzt Bootslack zum Schutz vor Wind und Wetter aufbringen. Befestigen müsste man ihn, damit er nicht wegfliege, betont Bürgermeister Reinhard Molt. Peter Schuster geht davon aus, dass so eine Figur dann zwei oder mehr Jahre halten könnte. Und: „Vielleicht hat die Gemeinde irgendwann wieder Geld, etwas Dauerhaftes zu schaffen.“


Die Frage der Verkehrssicherheit

  • Die Gemeinde Remshalden hat die Bürger, was die traurige Gestalt des Kreisverkehrs angeht, bislang auf die Remstal-Gartenschau 2019 vertröstet: Dann werde man den Hügel schön bepflanzen. Bürgermeister Reinhard Molt hat bereits angekündigt, eine Pflanzaktion mit den Bürgern machen zu wollen.
  • Gegen ein Kunstwerk, sei es nun ein Maulwurf oder nicht, sprach für die Verwaltung bisher das Geld, das die Gemeinde nicht hat oder ausgeben will und die Frage der Verkehrssicherheit.
  • Wegen einer EU-Richtlinie und deren Umsetzung per Erlass von 2011 durch das Land Baden-Württemberg ist Kreiselkunst vor allem außerorts nicht mehr uneingeschränkt erwünscht. Wichtig ist: Die Kunst darf nicht verkehrsgefährdend sein.
  • Der Kreisverkehr in Grunbach steht auf einer Kreisstraße, das heißt, hier ist das Landratsamt zuständig. Deswegen müsse man dort abklären, ob ein Maulwurf auf dem Hügel zulässig wäre. Er selbst sieht bei einem nicht dauerhaft installierten Objekt aus Styropor keine Gefährdung.