Schorndorf

Der lange Kampf gegen Leerstände und Baulücken

Sarah Klusak, seit zwei Jahren Flächenmanagerin bei der Stadt Schorndorf
Sarah Klusak, seit zwei Jahren Flächenmanagerin bei der Stadt Schorndorf. © Stadt Schorndorf

Der Wohnungsmarkt in Schorndorf und in der Region Stuttgart bleibt stark angespannt. Die Bevölkerung wächst kontinuierlich, dazu kommen mehr und mehr Single-Haushalte. Aktuell liegen auf der Vormerkliste für Bauplätze für die Gesamtstadt rund 1000 Anfragen Bauwilliger vor. Bauplätze sind teuer – und sie sind begrenzt. Andererseits bleiben manche Baulücken und Leerstände über Jahre hin ungenutzt. Dass diese Grundstücke in den Straßen möglichst schnell bebaut und komplett leerstehende Wohnhäuser rasch wieder genutzt werden, ist Aufgabe von Sarah Klusak, seit zwei Jahren Flächenmanagerin bei der Stadt Schorndorf.

Seit Januar 2019 ist sie mit Hilfe eines Geoinformationssystems und des Melderegisters der Stadt Baulücken und leerstehende Wohnhäusern auf der Spur. Sie ermittelt deren Eigentümer und nimmt Kontakt mit ihnen auf. Wenn sie Grundbücher durchforstet, um auswärtige Eigentümer aufzuspüren und ihnen zu schreiben, grenzt ihr Job fast schon an Detektivarbeit. „Angenommen wird das gut“, sagt sie. „Die Leuten finden es positiv, dass man sie darauf anspricht. Manche von ihnen nehmen dann auch meine Hilfe in Anspruch.“ Ist Letzteres der Fall, recherchiert die gelernte Stadtplanerin, was der Bebauungsplan für das Grundstück zulässt, und vermittelt zwischen Grundstückseigentümern und möglichen Interessenten. Dafür führt sie Vormerk-Listen, auf denen die Anfragen verschiedenster Art vermerkt sind – unter anderem auch von Senioren-Wohngemeinschaften, die für ihr Projekt Grundstücke suchen.

Nicht immer bekommt Sarah Klusak auf ihre vorsichtige Anfrage, ob es Pläne gibt für die Baulücke oder das leerstehende Haus, auch eine Antwort. „Die Mehrzahl meldet sich zurück, auch wenn nicht jeder daran Interesse hat, sein Grundstück zu verkaufen“, sagte sie jetzt bei einem Bericht im Gemeinderat. Manche Stücklesbesitzer wollen die Baulücke als Bauplatz oder zum späteren Verkauf für die Familie frei halten („Enkelgrundstück“), andere nutzen ihre Baulücke lieber als Garten. Bei wieder anderen gibt es Unstimmigkeiten mit den Miteigentümern oder sie wollen wegen der schlechten Zinssituation nicht verkaufen. Ein guter Teil macht keine Angaben zu den Gründen.

Seit Anfang 2019 hat sich die Zahl der Baulücken in Schorndorf und den Stadtteilen von 226 auf 171 reduziert. Das ist ein Rückgang um gut 24 Prozent. Die Leerstände gingen von 250 auf 158 zurück. Damit liegt die Leerstandsquote in Schorndorf den Berechnungen der Flächenmanagerin zufolge bei 1,5 Prozent. Zum Vergleich: In ganz Deutschland liegt die Quote bei 2,8 Prozent.

Eine Daueraufgabe

„Eine Daueraufgabe“ nannte Oberbürgermeister Matthias Klopfer im Gemeinderat den Kampf gegen Leerstände und Baulücken. Aber eine, die Sarah Klusak unbeirrt verfolgt. „Nicht interessierte Eigentümer werden wieder angeschrieben“, erklärte sie. Bei den Baulücken gab es in mehr als 42 Prozent der Fälle von den Eigentümern keine Rückmeldung. 29 Prozent gaben an, aktuell kein Interesse daran zu haben, ihr Grundstück zu bebauen. Bei den Leerständen bekam sie in 44 Prozent der Anfragen keine Antwort, 37 Prozent der Eigentümer gaben an, der Leerstand werde bald behoben sein. Die Stelle der Leerstandsmanagerin, die mittlerweile bei der Stadt fest angestellt ist, war zunächst befristet und vom Land gefördert. Anstoß war das Förderprogramm des Landes „Flächen gewinnen durch Innenentwicklung“. „Es ist gut, dass sich die Verwaltung für das Förderprogramm beworben hat“, sagte Heidi Rapp (SPD) im Gemeinderat. Dass mehr als 24 Prozent der Baulücken geschlossen werden konnten, sei Klusaks Verdienst. Manchmal allerdings gebe es auch stadtbildprägende Häuser, die nicht ersetzt werden sollten, so Heidi Rapp. „Wenn Stadtvillen wegkommen, schaffen wir Wohnungen“, gab dagegen Werner Neher (GLS) zu bedenken. Gebäude wie der Discounter Norma könnten aufgestockt werden und so Wohnungen entstehen. Das Gebäude sei in Privateigentum, sagte Neher. Für den Eigentümer könne der Vorschlag aber attraktiv sein. Manfred Bantel (CDU) zeigte sich irritiert, dass mehr als 40 Prozent der Angeschriebenen nicht reagierten. „Was kann man da tun, um das Motiv abzufagen?“, wollte er wissen, während Friederike Köstlin (Grüne) eher davon überrascht war, wie wenig Leerstände es in Schorndorf tatsächlich gibt. Einzelstadtrat Andreas Schneider warnte davor, die Baukultur zu zerstören, und erntete prompt Widerspruch von FDP/FW-Chef Gerhard Nickel: „Wir haben heute eine andere Baukultur, das liegt in der Natur der Sache und das finde ich nicht schlimm.“ Im 21. Jahrhundert baue man anders als früher, und das sei gut so. „Eine andere Sache ist, dass es so teuer ist“, sagte er. Und an die Adresse Manfred Bantels: „Jeder kann mit seinem Eigentum machen, was er will.“

Max Klinger (CDU) warb dafür, den Fokus weg von Freiflächen hin zu nicht erhaltenswerten Häusern zu richten. Hans-Ulrich Schmid (SPD) brachte eine Leerstandsabgabe ins Spiel, die viele Bürger, so Schmid, für richtig hielten. „Mich regt es auf, wenn einer sein Haus 15 Jahre leer stehen lässt“, sagte er.

Der Wohnungsmarkt in Schorndorf und in der Region Stuttgart bleibt stark angespannt. Die Bevölkerung wächst kontinuierlich, dazu kommen mehr und mehr Single-Haushalte. Aktuell liegen auf der Vormerkliste für Bauplätze für die Gesamtstadt rund 1000 Anfragen Bauwilliger vor. Bauplätze sind teuer – und sie sind begrenzt. Andererseits bleiben manche Baulücken und Leerstände über Jahre hin ungenutzt. Dass diese Grundstücke in den Straßen möglichst schnell bebaut und komplett leerstehende

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