Schorndorf

Der neue Jahreskalender des Schorndorfer Kunstvereins: 13 Blätter mit glattem Blattschuss

Kunstkalender
Angelika Bauer, Leiterin der Siebdruck-Werkstatt, und die Künstlerin Britta Ischka in der Laden-Galerie „Feuer & Flamme“. © ALEXANDRA PALMIZI

Künstler zu einem gemeinsamen Thema zu bewegen ist meist eine schwierige Sache. Sie sind so frei und machen dann doch, was sie eh immer schon machen wollten. Das ist nun mit dem neuen Kalender 2021 des Schorndorfer Kunstvereins anders. Dessen Thema „Durchbruch“ wurde sozusagen unhintergehbar dadurch erzwungen, dass sich durch den gesamten Kalender ein kreisrundes Loch zieht. Und mit dem mussten sich alle am Werk beteiligten 13 Künstlerinnen und Künstler auseinandersetzen.

Und es ist ein überaus schöner, ein reizvoller Kalender. Zu sehen und zu erwerben ist er ab Freitag in einer Ausstellung in der Laden-Galerie „Feuer & Flamme“.

„Das war eine formale Herausforderung, ein kreisrundes Loch auftauchen zu lassen“, erklärt Britta Ischka, die das Deckblatt des Kalenders entworfen hat. „Ich hab’ noch nie einen Siebdruck gemacht“, gesteht die Künstlerin. „Es war grandios und es war toll, mit Geli zu arbeiten. Hat echt Spaß gemacht!“

Anerkennung für die Arbeit der Werkstattleiterin Angelika Bauer

„Geli“, das ist Angelika Bauer, die Leiterin der Siebdruck-Werkstatt des Kunstvereins in der Vorstadtstraße. Fast ein Jahr lang wurde mit ihr an den Blättern gearbeitet. Beteiligt waren auch Künstler des Schorndorfer Kunstvereins, die eigens aus Madrid oder Tulle angereist sind, um in der Siebdruck-Werkstatt zu arbeiten. Für Alex Schenk bestehen dort „ideale Arbeitsbedingungen für Künstler, die Technik des Siebdrucks kennenzulernen“. Erleichtert und „niederschwellig“ durch die „immer präsente Rolle von Geli Bauer“.

Anerkennung und Dank also von allen Seiten, auch von Hartmut Ohmenhäuser in seiner Eröffnungsrede: „Entstanden ist ein außerordentlicher Kalender, der trotz Corona, dank guter Vorarbeit und vor allem dank der engagierten Arbeit unserer Werkstattleiterin Angelika Bauer, bereits jetzt zu erwerben ist.“

Ohmenhäuser wird seine Rede indes nicht öffentlich halten, da es eine Vernissage nicht geben darf. Stattdessen aber hat „Feuer & Flamme“ am ersten Ausstellungstag verlängerte Öffnungszeiten, zu denen die Künstler abwechselnd anwesend sein werden. Die Einführung von Ohmenhäuser liegt gedruckt aus oder kann in einem ins Netz gestellten Film auch gehört werden.

Verkauf bei "Feuer & Flamme" und im Schorndorfer Buchhandel

Zum Verkauf (auch in der Q-Galerie und bei Osiander sowie Kirsten Klöbles Bücherstube Seelow) stehen von der limitierten Auflage von insgesamt 120 Exemplaren 60 Stück (alle Blätter signiert und nummeriert) zum Preis von je 95 Euro. Das sei, beteuert Alex Schenk von „Feuer & Flamme“, für dreizehn Original-Grafiken nun wirklich nicht zu viel. Zudem gebe es etliche Sammler des inzwischen neunten Kalenders, „die auf ihn gewartet haben“.

Und was ist da nun Monat für Monat zu sehen? Ein paar lustmachende Beispiele: Auf dem Titelblatt lässt Britta Ischka ein energetisch aufgeladenes, aber auch fragil gestricheltes Netz sich von dem gelochten Durchbruch neben einem gelben Gefahrenfeld berühren. Vielleicht auch neu ausrichten? Durchaus ein einstimmendes Denk-Blatt fürs kommende Jahr.

Alex Schenk legt um das Licht-Loch eine Art Kuppel des Pantheons, das von zwei männlichen Rückenansichten im modernen Ausgehanzug, vielleicht erwartungsvoll, beäugt wird. Ein Hauch von Platons Höhlengleichnis weht einen an: Was ist Schein, was Wirklichkeit – in diesen Tagen?

„Antikörper“ als kraftstrotzender Herkules bei Christoph Traub

Als eine Art kosmisches „Geburtsloch“, durch das wir alle durchmüssen, hat Eva Schwanitz die Vorlage gestaltet. „Antikörper“ nennt der Bildhauer Christoph Traub sein Märzblatt, eine plastische Monsterfigur, die – als Kopf? als Herz? – das kreisrunde Loch zu einer Art osmotischer Membran macht. „Antikörper als Dienstleister unserer Gesundheit“, sagt er. Kleine vor Kraft strotzende Herkulese also für den April!

Einen Rindvieh-Charakterkopf hat Annette Schock für den August geschaffen. Das arme Tier hat das Loch mitten im Gesicht unter den uns erschreckt fragend anschauenden, traurigen Tönnies-Augen. Das Tier und wir? Eine verstörende Frage.

Eine Art Sisyphos ist auf dem Novemberblatt von Wolfgang Neumann zu sehen. Da sehen wir als Comic-Karikatur ein Männchen einen Berg hinaufstürmen, an dessen Spitze, na was, ein Loch darauf warten scheint, dass er dort einen coronaförmigen Stein entsorgt. Wird das Corönchen wieder zurückrollen? Müssen wir uns uns als glückliche Menschen vorstellen?

13 Blätter mit glattem Blattschuss. Auf ein gutes neues Jahr 2021.

Künstler zu einem gemeinsamen Thema zu bewegen ist meist eine schwierige Sache. Sie sind so frei und machen dann doch, was sie eh immer schon machen wollten. Das ist nun mit dem neuen Kalender 2021 des Schorndorfer Kunstvereins anders. Dessen Thema „Durchbruch“ wurde sozusagen unhintergehbar dadurch erzwungen, dass sich durch den gesamten Kalender ein kreisrundes Loch zieht. Und mit dem mussten sich alle am Werk beteiligten 13 Künstlerinnen und Künstler auseinandersetzen.

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