Schorndorf

Diamantene Hochzeit bei Alt-OB Kübler in Schorndorf: Geheimnis von 60 Jahren Ehe

Winfried und Irmeltraud Kübler
Zwei, die sich verstehen. Winfried Kübler (82) und seine Frau Irmel (82). © Büttner

Sie sind fast genau gleich alt, sie haben dieselbe Ausbildung, sie hatten genau dieselben Hobbys: Skifahren, Tennisspielen und Schwimmen. 1958 haben sich Winfried und Irmeltraud (Irmel) Kübler in Heilbronn im Unterricht für den Gehobenen Verwaltungsdienst kennengelernt und sich auf Anhieb sympathisch gefunden. „Da saßen viele Männer, Frauen waren rar“, erinnert sich Winfried Kübler.

„Wir sind uns aufgefallen“, ergänzt seine Frau. Im Freibad trafen sie sich zufällig wieder, vier Jahre später haben sie geheiratet. „Seit 60 Jahren praktizieren wir den Parallelschwung“, sagt er knitz. Jetzt haben der ehemalige Schorndorfer Oberbürgermeister und seine Frau Diamantene Hochzeit gefeiert.

Ein gemütliches Haus und Apfelkuchen aus dem eigenen Garten

Ein gemütliches Haus in Schornbach, Apfelkuchen aus dem eigenen Garten und ein sehr zufriedenes Jubelpaar. Da haben sich zwei gefunden, die sich verstehen und ergänzen, das wird schnell klar im Gespräch.

Irmel, gelassen, humorvoll und interessiert, und Winfried Kübler, der von 1990 bis 2006 Schorndorfer Oberbürgermeister war und vielen als streitbarer, wertkonservativer, vor allem aber sparsamer Rathauschef in Erinnerung geblieben ist. 41 Jahre war er Bürger- und Oberbürgermeister in Schornbach, Remshalden und in Schorndorf: im damals noch selbstständigen Schornbach („Dort war ich der letzte Bürgermeister“), in der neu gegründeten Gemeinde Remshalden („Dort war ich der erste Bürgermeister“) und bis zu seinem Ruhestand in Schorndorf.

Während all dieser Zeit war seine Frau Irmel weit mehr als „die Frau im Hintergrund“ – obwohl sie ihm durchaus den Rücken freigehalten hat. Ja, sie kümmerte sich um die Kinder, um das Zuhause und den Garten (ihre Leidenschaft), während er mit einem riesigen Einsatz im Rathaus arbeitete. Diese Arbeitsteilung sei für ihn wichtig gewesen, sagt Kübler, der heute von sich aber auch selbstkritisch sagt, dass er eigentlich nie zu Hause war.

Die ganzen Jahre aber war seine Frau für ihn die wichtigste Ansprechpartnerin. Mit ihr diskutierte er über seine Arbeit, seine Erfolge und Widersacher, über die sie sich, so erzählt sie, manchmal mehr geärgert habe als er. „Wir waren immer auf Augenhöhe“, sagt sie. Und: „Ich war zufrieden mit dem, was er gemacht hat. Meistens habe ich es gutgeheißen.“

"Wir gucken nach einem Käfer. Ein VW ist was Solides"

Privat und beruflich haben sie zusammengehalten – von Anfang an. Die sportliche Irmel, die 1960 sogar mit der Auswahl der deutschen Sportjugend bei den Olympischen Spielen in Rom war, und der kaum weniger sportliche Winfried, der heute noch gern von seinem ersten Auto, einem DKW-Zweitakter erzählt. Nachdem das Auto auf einer Fahrt nach Frankreich ziemlich Stress gemacht hatte, entschied die Braut: „Wir gucken nach einem Käfer. Ein VW ist was Solides.“ Die Hochzeitsreise führte mit dem Käfer nach Venedig.

Dabei hätten sie damals fast kein Geld für eine große Reise gehabt, sagt Irmel. Als sie in Venedig mit der Gondel fahren wollten, wollte Kübler mit dem Gondoliere um den Preis handeln – und ließ so schon erahnen, dass er einmal ein sparsamer OB werden sollte. Der Gondoliere habe ihn runterlaufen lassen, erzählt Kübler vergnügt, dann aber einen geringeren Preis für eine kürzere Route aufgerufen. Mit dem Effekt, dass das Honeymoon-Pärchen den Spaß in der Gondel hatte und danach noch Geld genug, um das Foto zu kaufen, das ein Fotograf von ihnen gemacht hatte.

Ein Schicksalsschlag hat sie noch mehr zusammengeschweißt

1964 kam Tochter Heide auf die Welt, 1968 Sohn Peter. Fünf Jahre später erlebte die junge Familie einen furchtbaren Schicksalsschlag: Der fünfjährige Peter stürzte eine Treppe hinunter und starb an den Folgen des Unfalls. „Das war das Schlimmste, was Eltern passieren kann“, sagt Irmel Kübler. Es gibt Paare, die an so einem Schlag zerbrechen – Küblers, scheint es, hat es eher noch zusammengeschweißt. „Mein Mann“, sagt Irmel, „hat gemacht, was er konnte. Wir haben es verkraftet.“ Ein Jahr später wurde Sohn Armin geboren.

Es war das Jahr 1974 – das Jahr, in dem Schornbach zu Schorndorf kam. Nach Ablauf seiner Amtszeit in Schornbach war Kübler einen Monat lang Ruhestands-Bürgermeister. Er hätte in die freie Wirtschaft wechseln und seine immerhin 75-prozentige Pension mitnehmen können. Für Kübler, den Bürgermeister mit Leib und Seele, war das kein Thema. Sein Vorbild war der Strümpfelbacher Bürgermeister Eberhardt, bei dem er seine Verwaltungslaufbahn begonnen hatte und den er sehr verehrt hatte.

Er kandidierte in Remshalden und siegte. Dass ein Schultes im Flecken wohnen muss, war klar für ihn. Das neu gebaute Haus in Schornbach wollten sie trotzdem nicht verkaufen. Während der ganzen Zeit von 1975 bis 1990 haben sie es als Wochenend- und Ferienhaus benutzt. Nach der Wahl in Schorndorf sind sie wieder eingezogen.

Die Oma half bei der Finanzierung des letzten Wahlkampfs

Apropos Wahlen: „Die waren fürchterlich“, sagt Irmel. „Die habe ich gehasst.“ Den letzten Wahlkampf 1998 in Schorndorf haben sie dann ganz aus eigener Tasche finanziert, weil die CDU Kübler ihre Unterstützung entzogen habe. Die Oma, also Küblers Mutter, sprang ein. Er selbst sagt heute, dass ihm der Wahlkampf die Kosten wert gewesen sei. „Andere kaufen sich ein Auto. Ich bin sparsam. Mir ging es aber immer um die wirtschaftlichste Lösung.“

67 Jahre alt war er und der dienstälteste Bürgermeister im Land, als er in den Ruhestand ging. Den machen sie sich nun gemütlich. Lange Zeit war die Imkerei ihr gemeinsames Vergnügen, 35 Jahre haben sie zusammen Bienen gehalten. „Das Imkern hat uns sehr viele spannende Erlebnisse beschert“, erzählt er begeistert. Gemeinsam arbeiten sie im Garten, wandern durch den Wald bei Schornbach.

Die Kommunalpolitik ist in die Ferne gerückt, „da begnüge ich mich mit der Zeitung“, sagt er. Nur wenn ihn etwas sehr störe – wie es jüngst bei der Abstimmung über die Stadtbücherei der Fall war – meldet er sich per Leserbrief zu Wort.

Ihr Rat: Auch beim Streiten ehrlich sein

Es geht ihnen gut, gesundheitlich, aber auch miteinander. Seine Frau sei geduldig, sagt er. „Eine andere hätte es vielleicht nicht mit mir ausgehalten, weil ich sehr ungeduldig bin.“ Was ist ihr Geheimnis? „Auch beim Streiten ehrlich sein“, sagen beide. Und: „Den Weg zurück nie verbauen.“ Ein zusätzlicher Rat – und eine Liebeserklärung – kommt am Schluss noch von ihm: „Eine Frau finden, die tolerant und versöhnlich ist. Dieses Glück hatte ich.“

Sie sind fast genau gleich alt, sie haben dieselbe Ausbildung, sie hatten genau dieselben Hobbys: Skifahren, Tennisspielen und Schwimmen. 1958 haben sich Winfried und Irmeltraud (Irmel) Kübler in Heilbronn im Unterricht für den Gehobenen Verwaltungsdienst kennengelernt und sich auf Anhieb sympathisch gefunden. „Da saßen viele Männer, Frauen waren rar“, erinnert sich Winfried Kübler.

„Wir sind uns aufgefallen“, ergänzt seine Frau. Im Freibad trafen sie sich zufällig wieder, vier Jahre

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