Schorndorf

Die EnBW reagiert auf die Vorwürfe der Windkraftgegner

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Symbolbild. © Danny Galm

Plüderhausen. Im Fokus der EnBW steht der Windkraft-Standort bei Urbach. Doch hat das Unternehmen ebenfalls die Nutzungsrechte für das Windkraft-Vorranggebiet bei Plüderhausen. Der Energiekonzern hat angekündigt, auch dies zu prüfen und gegebenenfalls zu reaktivieren. Die EnBW beantwortet dazu Fragen, die Bürgerinitiativen in der Dienstagsausgabe aufgeworfen haben.

„Wir konzentrieren uns momentan auf Urbach. Plüderhausen steht gar nicht im Fokus“, unterstreicht Dagmar Jordan, Pressesprecherin der EnBW für die Region Mitte. Doch hat der Energiekonzern die Nutzungsrechte für die Windkraft-Standorte oberhalb von Urbach und Plüderhausen von der Firma WEBW übernommen.

Die Fläche ist wahrscheinlich nicht genehmigungsfähig

Und für Plüderhausen mitgeteilt, „man behalte sich vor, auch das Windvorranggebiet bei Plüderhausen zu prüfen und gegebenenfalls zu reaktivieren“. Dabei geht es um den Standort Hohbergkopf-Eichenzell. Die EnBW betont, dass die Fläche artenschutzrechtliche Konflikte birgt und daher wahrscheinlich nicht genehmigungsfähig ist.

Gleichwohl hat die Ankündigung Bürgerinitiativen alarmiert, die in unserer Dienstagsausgabe Bedenken und Zweifel thematisiert haben. Unsere Zeitung hat dazu bei der EnBW nachgefragt. Wie verhält es sich mit der Windmessung für das Gebiet Hohbergkopf-Eichenzell? „Wir nehmen die Daten, die die WEBW schon erhoben hat“, gibt Pressesprecherin Dagmar Jordan Auskunft.

"Neuerliche Messungen sind da nicht notwendig“

Die WEBW hatte einen Windmast und hat mit ihm ein Jahr lang Windmessdaten erfasst. Dabei wurde ein Wert von durchschnittlich sechs Metern pro Sekunde ermittelt, berichtet Jordan. „Wir arbeiten mit diesem Wert. Neuerliche Messungen sind da nicht notwendig.“ In die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung spielten viele weitere Werte hinein, etwa Bau-, Betriebs- oder Zuwegungskosten. Aber: „Mit diesen sechs Metern pro Sekunde ist das für uns ein guter Standort.“

Wie ist es um die Zählmethode für Rotmilane bestellt? Der Rotmilan gehört zu den streng geschützten Arten. „Da haben bereits Untersuchungen stattgefunden“, sagt Dagmar Jordan. Artenschutzgutachten seien für beide Gebiete, also das in Urbach und das in Plüderhausen, gemeinsam gemacht worden. Im Januar stehe ein Termin mit dem Landratsamt an. Ob weitere Untersuchungen nötig sind, werde mit den Naturschutzbehörden abgestimmt. Wobei der Fokus auf Urbach liegt.

Kein Genehmigungsantrag für den Standort Plüderhausen

Muss die EnBW Gutachten zu Windkraft-Standorten offenlegen? Ein Vertreter einer Bürgerinitiative hatte in dem Zusammenhang gar von „Vertuschung“ gesprochen. Die Gutachten, die Bestandteil eines Genehmigungsantrags sind, liegen beim Landratsamt und sind in einem Zeitraum öffentlich einsehbar, wie bei einem Bauantrag, erklärt Dagmar Jordan.

Zu einem Genehmigungsantrag gehören zum Beispiel Messungen, Vogelschutz-, Schattenwurf-, Schallgutachten oder Abstandsbetrachtungen zur Wohnbebauung. Es gibt bisher aber nur für den Standort Urbach einen Genehmigungsantrag, für Plüderhausen gibt es keinen.

„Das Land selbst ist nicht beteiligt“

Werden die Ergebnisse der Windmessungen veröffentlicht? „Ich habe sie Ihnen ja eben genannt“, sagt Dagmar Jordan und verweist auf die durchschnittlich sechs Meter pro Sekunde. Messdaten, Verläufe und was noch dazugehört, „das sind Rohdaten, die uns gehören.“ Sie werden nicht offengelegt. Auch andere Betreiber würden sie in der Regel nicht auslegen.

Ist das Land Baden-Württemberg an der EnBW beteiligt? „Das Land selbst ist nicht beteiligt“, weiß Dagmar Jordan. Aber: „Die Neckarpri-Beteiligungsgesellschaft gehört zu 100 Prozent dem Land.“ Diese Beteiligungsgesellschaft hält 46,75 Prozent Aktienanteile der EnBW.

„Wir würden nichts machen, was diese Gefahr auslösen würde“

Muss man fürchten, dass die Hänge des Hohbergs, wenn sie zu sehr abgewaldet würden, instabil würden und sich ein Hangrutsch wie in Urbach ereignen könnte? „Wir würden nichts machen, was diese Gefahr auslösen würde“, so Dagmar Jordan. Im Detail habe man das noch nicht geprüft. Es würde gegebenenfalls Standortuntersuchungen geben, dabei würde die Geologie noch mal genau untersucht und auch die Zuwegung betrachtet.

Gibt es im Untergrund des Standorts Hohbergkopf-Eichenzell Knollenmergel, der durch Wasser instabil werden könnte? Für Plüderhausen kann man das für einzelne Standorte noch nicht sagen, man kennt sie noch nicht, so Dagmar Jordan.

An den Standorten für die zwei Windräder in Urbach gibt es keinen Knollenmergel. Aber: „Es gibt technische Lösungen auch für den Fall von Knollenmergel, die die Standsicherheit garantieren“, verweist die EnBW-Pressesprecherin auf das Beispiel von Winterbach. Dort gab es Knollenmergel an zwei von drei Windrad-Standorten. Man habe mit Tiefgründungen gearbeitet.

Wird die EnBW durch die Politik gedrängt, Windkraft-Standorte zu übernehmen?

Zum Untergrund der Windräder betont Dagmar Jordan generell: „Standsicherheit ist ein wesentlicher Aspekt, der berücksichtigt werden muss.“ Erst wenn das Unternehmen bauen wolle und die Standorte für die Windräder klar seien, man tatsächlich wisse, wo man bauen wolle, erfolge die Bodenuntersuchung, führt Jordan zum Vorgehen aus. „Das gesamte Gebiet kann unterschiedliches Gestein aufweisen. Wichtig ist, was unter den Einzelstandorten ist.“

Wird die EnBW durch die Politik gedrängt, Windkraft-Standorte zu übernehmen, von denen sich andere Betreiber zurückgezogen hatten? „Das können wir klar mit Nein beantworten. Wir sind ein wirtschaftlich denkendes Unternehmen. Wir gehören unseren Aktionären und müssen gewinnorientiert denken. Wir würden nie ein Windpark-Projekt durchziehen, wenn es sich nicht wirtschaftlich rechnen lässt.“