Schorndorf

"Die Höhle der Löwen"-Kandidat beim Gründertreffen

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Von der Ideenentwicklung zum Patent: Klaus-Peter Beer (links) und sein Patentanwalt Gottfried-Dieter Müller haben Jungunternehmern und Gründern einen Einblick gewährt. Moderiert wurde die von EBM Edgar Hemmerich eröffnete Veranstaltung am Montagabend von Agnes Baldauf. © Ralph Steinemann

Schorndorf. Hand und Fuß sollte die von Klaus-Peter Beer entwickelte Strumpfanziehhilfe haben. Und sie hat es auch: Im Gegensatz zu vielen anderen Systemen funktioniert das Hilfsmittel nicht nur, es hat das Zeug zum Bestseller. Wie der Lehrer im Ruhestand zum Unternehmer wurde und sich seine Geschäftsidee als Patent schützen ließ, darüber hat der 70-Jährige in der Reihe „Unternehmens-Einblicke“ in seiner Manufaktur in der Steinwasenstraße 6 berichtet.

Video: Existenzgründer Klaus-Peter Beer aus Schorndorf hat eine Strumpfanziehhilfe entwickelt.

Klaus-Peter Beers Erfolgsgeschichte beginnt mit einem Sturz vom Fahrrad – und dem Aufenthalt in einer Rehaklinik. Weil er dort täglich eine ganze Reihe von Leidensgenossen auf dem Gang warten sah, bis die Schwester endlich Zeit zum Strümpfeanziehen hatte, entschloss er sich, die bestehenden Systeme weiterzuentwickeln. Denn was es auf dem Markt an Anziehhilfen gab, „funktionierte nicht“. Und auch nicht die Aussicht, den Zeitpunkt des Strumpfanziehens nicht mehr selbst bestimmen zu können. Als gelernter Werkzeugmacher und Werklehrer im Ruhestand hängte er sich in die Sache hinein und tüftelte so lange an der Anziehhilfe, bis sie „Hand und Fuß“ hatte. Und genau so hat er sein Produkt auch genannt.

Zweimal mit seiner Erfindung im Fernsehen

Vor drei Jahren hat es der Tüftler zur Marktreife gebracht, zweimal war er im Fernsehen, bei Vox „In der Höhle des Löwen“ und beim MDR bei „Einfach genial“, er war einige Male in der Zeitung und hat zweimal den „Gründer-Slam“ des Gründerpreises Rems-Murr gewonnen. Mittlerweile verkauft sein Unternehmen „PBinnova“ bestimmt 1000 Strumpfanziehhilfen im Jahr, europaweit. Mit steigender Tendenz: Die Alterspyramide wird breiter, Bewegungseinschränkungen nehmen zu. Doch bevor er seine Entwicklung überhaupt zur Serienreife bringen konnte – und das war ja auch Thema des von der Stadt Schorndorf organisierten „Unternehmens-Einblick“ –, hat sich Klaus-Peter Beer seine Idee als geistiges Eigentum schützen lassen: „Die Konkurrenz schläft ja nicht.“

Weiterentwicklung mit Alleinstellungsmerkmal

Denn erfunden hat der heute 70-Jährige die Anziehhilfe nicht. Er hat die bestehenden Systeme nur weiterentwickelt – mit Alleinstellungsmerkmal: Jetzt ist „Hand und Fuß“ mit seinem Kippmechanismus auch für die einhändige Nutzung geeignet; die Schmetterlingsform bietet einen Fixierpunkt für den anderen Fuß und mit der Aufhängung genügt es auch den Hygieneansprüchen der Kliniken. Denn daran hat sich Klaus-Peter Beer von Anfang an gehalten: an die Meinung anderer. Er hat sich seine Idee von den Experten im Fraunhofer Institut absegnen lassen, vor allem aber von Betroffenen. Und so ist aus einer einfachen Konstruktion auf lackiertem Holzbrettchen, die er heute selbst spöttisch „Biene Maja“ nennt, ein Hilfsmittel geworden, dessen verchromter Einstiegskäfig in der Grundform auf einem soliden Bambussockel fußt oder in der Deluxe-Version auf Wurzelholz oder auf Acryl mit Blattgold – „für den arabischen Markt“. Denn das wollte Beer auf jeden Fall haben: „Ein Gerät, das sich auch vom Design abhebt.“

Produkt mit dem Qualitätssiegel "Made in Germany"

Und weil er sein Produkt nicht weiter billig-billig in China, sondern mittlerweile ganz bewusst im Ländle herstellen lässt, trägt es das Qualitätssiegel „Made in Germany“: Ein Schreinerbetrieb in Berglen stellt die Grundplatten her, die Feinarbeiten werden in der Malerwerkstatt der Justizvollzugsanstalt in Schwäbisch Gmünd gemacht und für Sonderanfertigungen stellt sich Klaus-Peter Beer selbst in seiner Manufaktur an die Werkbank und schafft.

Unterstützung vom Schorndorfer Patentanwalt Gottfired-Dieter Müller

Eine Erfolgsgeschichte, die ohne die Anmeldung beim Patentamt in München freilich anders gelaufen wäre: Denn nur so konnte der Tüftler sicher sein, dass ihm seine Idee – und zwar mit allen Einzelheiten – nicht geklaut wird. Ein Jahr nach der Anmeldung beim Patentamt hatte er es schriftlich, dass seine Erfindung „Stand der Technik“ ist, also das Neueste, was der Markt hergibt. Unterstützung hat sich Beer vom Schorndorfer Patentanwalt Gottfried-Dieter Müller geholt, der am Montagabend dabei war, um einer ganzen Reihe von interessierten Gründern und Jungunternehmern einen ersten Einblick zu geben, worauf es in der Praxis bei Patent-, Marken- und Designschutz ankommt.

Patentanwalt nicht zwingend erforderlich

Doch zwingend, schickte Müller voraus, ist die Hinzuziehung eines Patentanwalts nicht: Eine „sinnvolle Einrichtung“ ist schon das Patentinformationszentrum, das im Haus der Wirtschaft in Stuttgart angesiedelt ist. Hier lassen sich die ersten Recherchen anstellen, was der Markt bereits hergibt. Und hier finden donnerstags auch kostenlose Kurzberatungen bei einem Patentanwalt statt. Hilfreich ist nach Müllers Dafürhalten – zumindest für Erfahrene – auch die Internetrecherche über Depatisnet, die kostenlose Datenbank des Deutschen Patent- und Markenamts.

Ideenmanufaktur

Beim „Unternehmens-Einblick“ hat Klaus-Peter Beer nicht nur seine Tüfteleien vorgestellt, sondern auch seine neueste Entwicklung: die Ideenmanufaktur. Hier will er Rentnern mit hoher beruflicher Kompetenz und jungen Menschen eine gemeinsame Plattform bieten.

Und tatsächlich gibt es auch schon einige Interessenten, die in den Räumen der PBinnova Ideen entwickeln wollen. Kontakt: Klaus-Peter Beer, Steinwasenstraße 6 in Schorndorf, 0 71 81/4 75 05 90 oder www.pbinnova.de.