Schorndorf

Die Nordstadt leidet unter dem Verkehr

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Ob ruhend oder fahrend: Der Verkehr nimmt überall zu - auch in der Nordstadt. © Habermann / ZVW
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Blick auf den Westrand von Schorndorf, wo aus Sicht der Stadt zwischen Holzbergweg, verlaufend am linken oberen Rand des Wohngebiets, und Stöhrerweg, verlaufend zwischen Wohngebiet und Rainbrunnen-Schulzentrum (erkennbar unterhalb des Wohngebiets) eine Erweiterung des Wohngebiets nach Osten denkbar wäre. Die Anwohner befürchten mehr Verkehr, zumal im Bereich des unterhalb des Wohngebietes ganz am Ortsrand liegenden ehemaligen Sportgeländes in den nächsten Jahren auch noch ein sechsgruppiger Kindergarten gebaut werden soll.

Schorndorf. Der zunehmende Verkehr, und zwar sowohl der fahrende als auch der ruhende, war das beherrschende Thema beim "OB-vor-Ort"-Termin für die Nordstadt im Zentrum für Internationale Begegnungen. Wobei die Anwohner vor allem im Stöhrerweg und im Alemannenweg das Schlimmste befürchten, wenn die Stadt ihre Pläne umsetzt. Dann wird einerseits am Westrand ein kleines Baugebiet realisiert und andererseits auf dem ausgedienten Rainbrunnen-Sportgelände ein sechsgruppiger Kindergarten gebaut.

„Wir sind am Limit“, hieß es von Anwohnerseite. Von „Chaos“ war die Rede, und zwar mit Blick weniger auf den fahrenden als vielmehr auf den ruhenden Verkehr. „Viele kleine Dinge führen zum Kollaps“, kritisierte ein Bürger. Er verwies darauf, dass sich die Situation in den Wohnstraßen rund ums Rainbrunnen-Schulzentrum weiter verschärfte habe, seit wegen des Aldi-Neubaus die Zufahrt auf den Aldi-Parkplatz gesperrt sei. Und die Lehrer, die sonst dort – zugegebenermaßen nicht ganz legal – ihre Fahrzeuge abstellten, ebenfalls in den Wohnstraßen parkten. „Ich will wenigstens aus meiner Ausfahrt rauskommen, das fordere ich ein“, sagte ein sich wiederholt zu Wort meldender Anwohner. Er war erst zufrieden, als ihm der Oberbürgermeister seinen Bürgermeisterkollegen Edgar Hemmerich als den für die ordnungsrechtlichen Belange Zuständigen nannte. Zudem versprach er eine Erhebung der Parksituation in dem von den Bürgern angesprochenen kritischen Bereich.

Anwohnerparken zu organisieren, kann auch an Anwohnern scheitern

„Die Organisation von Parkraum wird in den nächsten Jahren mehr und mehr zum Thema werden“, stellte Matthias Klopfer ganz grundsätzlich fest. Das Problem dabei sei weniger die Bewirtschaftung des Parkraums als vielmehr die fehlende Fläche. Gleichzeitig zeigten aber auch die Erfahrungen in der Südstadt und speziell im Umfeld der Rems-Murr-Klinik, wie schwierig und umstritten es sei, das Bebauung des Pfleiderer-Areals mit 120 bis 130 Wohneinheiten angesprochen, sagte er, dass die Stadt im Bereich Olgastraße nicht umhinkommen wird, das Anwohnerparken zu organisieren. Und die Berufsschüler? „Die müssen dann halt lernen, mit dem Bus oder mit der Bahn nach Schorndorf zu kommen“.

Klopfer: Bau zusätzlicher Straßen löst Verkehrsprobleme nicht

Überhaupt ist Klopfer der Meinung, dass sich die Verkehrsprobleme der Zukunft nur durch eine Änderung des Mobilitätsverhaltens lösen lassen – und nicht etwa durch den Bau von zusätzlichen Straßen. Dies auch die Antwort auf den Vorschlag von Helmut Topfstedt, ein mögliches neues Wohngebiet, das als sogenanntes 13b-Baugebiet im derzeitigen Außenbereich zwischen Holzbergweg und Stöhrerweg entwickelt werden könnte, über eine direkte Anbindung von der alten B29 (Waiblinger Straße) her zu erschließen.

„Neue Straßen ziehen auch immer neuen Verkehr an“

Davon abgesehen, dass nicht davon auszugehen sei, dass in dem neuen Baugebiet so viele Wohneinheiten enstehen könnten, dass deshalb in den vorhandenen Straßen gleich das von Topfstedt beschworene Chaos ausbreche, sehe er auch im Gemeinderat keine Basis für eine solche neue Straße. Ohnehin sei er der Meinung, dass eine wachsende Stadt nicht mehr Straßen haben, sondern dass sich in Zukunft verstärkt die Frage stellen werde, ob es nicht besser sei, das bestehende Straßennetz attraktiver für den Bus- und Radverkehr zu machen. „Neue Straßen ziehen auch immer neuen Verkehr an“, gab in diesem Zusammenhang auch der Leiter des Fachbereichs „Stadtplanung und Baurecht“, Manfred Beier, zu bedenken. Er machte keinen Hehl daraus, dass er persönlich von einer neuen Erschließungsstraße – egal ob nun in Form der von Topfstedt vorgeschlagenen Einbahnstraße oder nicht – gar nichts hält.

Keine neue Straße wegen eines Kinderhauses

Auch bei der anschließenden Diskussion um den geplanten sechsgruppigen Kindergarten am Stöhrerweg, von dem sich manche Anwohner ebenfalls eine unzumutbare Zunahme des Verkehrsaufkommens erwarten, mahnte der Oberbürgermeister zur verbalen Mäßigung. Selbst wenn dort 90 Plätze geschaffen würden und 60 Kinder jeden Tag mit dem Auto zum Kindergarten gebracht würden, bedeute das über einen Zeitraum von zwei Stunden, dass morgens und mittags nur alle zwei Minuten ein zusätzliches Auto durch die Straße fahre. „Wir können wegen eines Kinderhauses keine neue Straße bauen“, sagte Matthias Klopfer. Mit Verweis auf den bereits beschlossenen Kindergarten Haldenstraße in Haubersbronn, wo sich die Situation ähnlich darstelle, sprach er von einer „zusätzlichen, aber vertretbaren“ Zunahme des Verkehrs. Nicht zu vergessen in diesem Zusammenhang, dass das Schulzentrum Rainbrunnen auch schon mal von mehr Schülern besucht worden sei, als das jetzt der Fall sei.

Gesamtverantwortung bei Verkehr und Wohnungsbau

Es gebe, so Klopfer in seinem Schlussappell, sowohl beim Thema Verkehr als auch beim Thema Wohnungsbau eine Gesamtverantwortung. Beim Verkehr, indem jeder auch immer wieder über sein eigenes Mobilitätsverhalten nachdenke oder auch nur darüber, ob er seine Garage weiterhin nur als Abstellraum nutzt – und zwar für alles, nur nicht fürs eigene Auto. Und beim Wohnungsbau, indem nicht immer nur blockiert und verhindert wird, weil’s das eigene Um- und Sichtfeld betrifft, und indem die Stadt künftig vielleicht auf mehr Verständnis und Unterstützung stößt, wenn es um die Schließung von Baulücken und die die Belegung von leerstehenden Wohnungen geht. „Es kann nicht sein in Zeiten von Wohnungsnot, dass wir leerstehende Wohnungen haben“, sagte Matthias Klopfer.


Kein Thema mehr

Hätte nicht Oberbürgermeister Matthias Klopfer von sich aus angesprochen, dass die Stadt der Nordstadt in Sachen Flüchtlingsunterbringung in den letzten Jahren „sehr viel zugemutet“ hat, das vor gar nicht allzu langer Zeit noch beherrschende Thema Flüchtlinge wäre bei „OB vor Ort“ möglicherweise gar nicht zur Frage gekommen.

Klopfer bezeichnete die Nordstadt als mittlerweile hochattraktives Wohnviertel – mit Verweis unter anderem auf den Sportpark, die neuen Kinderbetreuungseinrichtungen St. Markus und Bewegungskindergarten und das gute Nahversorgungsangebot, für das Aldi genauso stehe wie die Geschäfte in der Welzheimer Straße.