Schorndorf

Die Ortsumfahrung ist das Top-Thema

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Gemeinsam mit Steffen Schultheiß, Fachbereichsleiter Gebäudemanagement, Ortsvorsteher Thomas Rösch, Chefplaner Manfred Beier und Wirtschaftsförderin Gabriele Koch (von links) ist OB Matthias Klopfer in die Miedelsbacher Tannbachhalle gekommen. © Büttner / ZVW
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Viel Verkehr auf der Ortsdurchfahrt: Anwohner fordern durchgehend Tempo 30. © Joachim Mogck
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Nicht ohne die Pläne der Feuerwehr denkbar: die Zukunft der Miedelsbacher Kelter. © Joachim Mogck

Schorndorf-Miedelsbach. Mindestens die Hälfte der Miedelsbacher, das ergab eine Blitzumfrage, war wegen der geplanten Ortsumfahrung zum „OB vor Ort“-Termin in den Nebenraum der Tannbachhalle gekommen. In der Zwei-Stunden-Diskussion am Dienstagabend spielten aber auch der mögliche Verlauf über den Sportplatz eine Rolle, der Hochwasserschutz und die Zukunft der Kelter, die sich als Versammlungsort geradezu aufdrängte: Der kleine Raum in der Tannbachhalle platzte förmlich aus allen Nähten.

Mit so einem Ansturm hatte Oberbürgermeister Matthias Klopfer nicht gerechnet und auch nicht Ortsvorsteher Thomas Rösch: Vor sechs Wochen, beim „OB vor Ort“-Termin in Haubersbronn, waren gerade mal 30 Interessierte in die Heimatstuben gekommen. Und in Miedelsbach mussten eine ganze Reihe Interessierter nach Hause geschickt werden, weil es im Nebenraum der Tannbachhalle für mehr als 130 einfach keinen Platz gab. Doch Klopfer will wiederkommen – und im Laufe des Abends wurde klar, dass dieser Termin auch nicht in allzu ferner Zukunft liegen kann: Die besorgten Fragen, die im Zusammenhang mit den Ortsumfahrungs-Plänen zum Hochwasserschutz aufkamen, wollte Klopfer „nicht aus der Lamäng“, sondern mit Unterstützung seiner Hochwasserexperten aus dem Rathaus beantworten. Und auch was die Zukunft der Kelter angeht, gibt es aus Sicht der Stadt weiteren Gesprächsbedarf: Auch Steffen Schultheiß, Fachbereichsleiter Gebäudemanagement, kündigte einen weiteren Termin an – sobald klar ist, was mit der Miedelsbacher Feuerwehr geschehen wird.

Umgehungsstraße: Planung skizzenhaft und vorläufig

Doch zunächst sollte es eine Stunde lang um die Ortsumfahrung gehen: Seit mehr als 50 Jahren sehnsüchtig erwartet, stehen die Chancen gut, dass sie jetzt auch tatsächlich realisiert werden kann. Bis 2021, so die Einschätzung der Stadt, könnte mit dem Bau begonnen werden. Steht die Straße doch nicht nur auf der Prioritätenliste des Landes weit oben, sie ist mittlerweile auch im Bauprogramm unter der Rubrik „Neubau – in Planung“ aufgenommen, inklusive Finanzierungszusage des Landes. Und um die Straßenbauverwaltung zu entlasten, hat sich die Stadt – wie auch schon bei der Ortsumfahrung Haubersbronn – obendrein bereiterklärt, die Planungen zu übernehmen. Und auch wenn Chefplaner Manfred Beier sie noch als skizzenhaft und vorläufig beschreibt und die Stadt über Kosten noch gar nichts sagen will, der Verlauf, der einen ortsnäheren Anschluss an die bestehende Landesstraße vorsieht, stößt in Miedelsbach auf erhebliche Kritik. Insbesondere in den Reihen des TSV Miedelsbach.

Miedelsbacher Sportler sind alarmiert

Denn über dessen Rasensportplatz würde die neue Umgehungsstraße direkt führen. Mit der Folge, dass dieser verlegt und womöglich auch verkleinert werden müsste. Und auch wenn im Moment nur erste Vermessungsaufträge vergeben sind, eine erneute Verkehrszählung für dieses Jahr geplant ist, und auch noch der landschaftspflegerische Begleitplan aussteht, also noch gar nicht klar ist, ob nicht vielleicht auch noch seltene Tiere oder Pflanzen dem Streckenverlauf im Weg stehen – die Miedelsbacher Sportler sind alarmiert. Egal, ob sich Klopfer als „Verfechter des Sports“ ins Spiel bringt und verspricht, dass die Stadt es „sehr gut machen“ will. Sie wissen auch: Für den Oberbürgermeister ist es letztlich eine Abwägungssache, ob’s einen zweiten Rasenplatz in der Größe tatsächlich braucht oder nicht.

Die TSV-Mitglieder aber wünschen sich von der Stadt, dass auch Gespräche mit der Nachbargemeinde Rudersberg geführt werden: Denn womöglich ist über einen Flächentausch auch ein ganz anderer Verlauf möglich – und damit der Erhalt des bestehenden Sportgeländes. Denn, das machte Manfred Klusak in der Diskussion deutlich, der TSV habe sein Vereinsheim ja erst vor fünf Jahren mit viel Eigenarbeit saniert. Und Sinn macht der Sportplatz für ihn nur, „wenn er beim Vereinsheim ist“.

Bürgerbefragung lehnt Klopfer ab

Klopfer sicherte zu, die Gespräche mit seinem Rudersberger Kollegen Martin Kaufmann zu suchen – wohl wissend, dass die Rudersberger die Planung einer Umgehungsstraße durch das Wieslauftal vor zehn Jahren bei einem Bürgerentscheid abgelehnt haben. Eine eigene Bürgerbefragung lehnt Klopfer allerdings ab: Schließlich geht die Ortsumfahrung nicht nur die Miedelsbacher etwas an, „sonst wäre sie auch keine Landesstraße“. Und die Abstimmungen im Gemeinderat – und im Ortschaftsrat – zeigen für den Oberbürgermeister deutlich: Zwei Drittel sind für die Umfahrung. Dazu zählt er sich auch selbst – und findet, „dass die Miedelsbacher an der Ortsdurchfahrt einen Anspruch auf Entlastung haben“. Und so sieht es auch eine Mutter, die sich trotz aller Argumente für den Landschafts- und Naturschutz, die Umgehungsstraße sehnlichst herbeiwünscht. Die Ortsdurchfahrt empfindet sie als „sehr gefährlich“, den Verkehr als „immer aggressiver“: Mit ihren Kindern sei sie schon einmal mitten auf dem Fußgängerüberweg fast überfahren worden, „weil sich die Leute nicht für rote Ampeln interessieren“.

Tempo 30: „Ein Minenfeld“ in der Kommunalpolitik

Und so war auch Tempo 30, und zwar auf der gesamten Ortsdurchfahrt, eines der Themen, die den Miedelsbachern beim Vor-Ort-Termin des Oberbürgermeisters unter den Nägeln brannte: Warum, fragte „Bürger für Miedelsbach“-Mitglied Claus-Michael Schulze, ist trotz Beschluss des Ortschaftsrats noch immer nichts passiert? Klopfer erklärt: Obwohl er sich selbst längst als Befürworter von Tempo 30 auch auf Ortsdurchfahrten geoutet hat und auch der Lärmaktionsplan der Stadt genau das empfiehlt, will er die für dieses Jahr vorgesehene politische Diskussion abwarten – und rechnet mit einem harten Ringen: Das ist „ein Minenfeld.“ Und dabei sei es noch nicht mal das kommunalpolitische Top-Thema: Das ist für Klopfer die Wohnungsnot, die nicht nur Flüchtlinge, sondern auch das dringend benötigte Pflegepersonal im eben geretteten Krankenhaus betreffe. Bis 2020, so das erklärte Ziel, will Schorndorf jährlich 300 neue Wohnungen schaffen – in Neubaugebieten, vor allem aber über Nachverdichtung.