Schorndorf

Dreiste Apfel-Diebe in Schorndorf: Stückles-Besitzer rechnet mit immensem wirtschaftlichen Schaden

BeckJ4
40 Jahre ist dieser Apfelbaum bestimmt schon alt. Die roten Gewürzluiken, weiß Jörg Beck aus leidvoller Erfahrung, sind bei Apfeldieben besonders beliebt – und auch schon Wochen, bevor sie überhaupt reif sind. Und dabei sollte allen klar sein: Streuobstwiesen sind Privatbesitz. © Ralph Steinemann Pressefoto

Wer im Supermarkt eine Tüte mit Äpfeln vollpackt und zur Tür rausmarschiert, ohne zu bezahlen, muss wegen Diebstahls mit einer Anzeige bei der Polizei rechnen. Auf seinen Streuobstwiesen hingegen muss Jörg Beck sich jedes Mal rechtfertigen, wenn er darauf hinweist, dass es sich ebenfalls um Diebstahl handelt, wenn Spaziergänger Äpfel von seinen Bäumen pflücken. Der 35-jährige Nebenerwerbslandwirt, der im Hauptberuf als Bankbetriebswirt arbeitet, spricht jeden Dieb, den er auf seinen Wiesen erwischt, an – und stellt vermehrt fest: Die Einsicht ist gering und die Aggressivität, mit der ihm die Diebe entgegentreten, hoch.

Und dabei ist der wirtschaftliche Schaden für Beck und seine Familie immens: Bei rund 400 Bäumen, die zum Teil noch vom Großvater gepflanzt wurden, rechnet er auch in diesem Herbst wieder mit einigen Hundert Kilo Äpfeln, die ihm geklaut werden. Schließlich sind es nicht nur einzelne Äpfel, die sich Spaziergänger nehmen und noch auf dem Weg verspeisen. Immer öfter kommt es vor, dass die Kundschaft mit Tüten und Rucksäcken auf seinen Streuobstwiesen unterwegs ist und sich zum Nulltarif bedient.

Mit der E-Klasse zum Apfelklau auf die Streuobstwiese

Erst kürzlich musste Beck, als er mit seinen Eltern beim Mittagessen saß, durchs Fenster beobachten, wie eine Mercedes-E-Klasse an der Schützenstraße parkte, ein zehn-, zwölfjähriger Junge ausstieg, mit einer Tüte über die Wiese lief und fleißig Äpfel von den Bäumen pflückte. Als Becks Vater rauslief, um die Diebe zu stellen, flüchtete das Fahrzeug über den Feldweg. Natürlich, weiß Jörg Beck, „ist das ein Extremfall“. Doch es war an besagtem Tag nicht der einzige Diebstahl: Insgesamt drei hat Beck allein am Vormittag beobachtet.

Eine Woche zuvor, auch davon berichtet Beck empört, war er gemeinsam mit seinen Eltern auf einem Stückle am Streitackerweg. Zu dritt haben sie sich die Mühe gemacht, Äpfel aufzulesen – und keine fünf Meter von ihnen entfernt, hat sich ein Mann an einem Apfelbaum bedient. Angesprochen auf die Missetat, wurde der Dieb ausfällig, beschimpfte den Stückles-Besitzer und kickte den Apfel wütend zurück auf die Wiese. „Da waren wir kurz davor, die Polizei zu rufen“, sagt Beck und stellt schon seit einiger Zeit fest: Die Aggressivität nimmt zu.

Außerdem herrscht offenbar große Unwissenheit: Immer wieder reden Apfeldiebe von Mundraub. Dabei gibt es den Straftatbestand in Deutschland schon seit Mitte der 1970er nicht mehr. Wer Äpfel von Streuobstbäumen pflückt, macht sich des Diebstahls schuldig. Und ob Mostäpfel noch am Baum hängen oder auf dem Boden liegen und nachreifen, spielt keine Rolle: Für Bio-Apfelsaft taugen sie so oder so. Selbst wenn Jörg Beck wollte: Im Landschaftsschutzgebiet darf er die Bäume zum Schutz vor Dieben gar nicht einzäunen.

Bei Familien nutzt die Ansprache manchmal was: „Manche Eltern sind peinlich berührt, wenn ihre Kinder dabei sind.“ Doch es gibt Diebe, die in der Nacht kommen: Einer seine Tafelapfelbäume, an dem zwischen 50 und 100 Kilogramm rote, leckere Gewürzluiken hängen, wurde in den vergangenen Jahren im Schutz der Dunkelheit schon zweimal komplett leer geräumt.

Der wirtschaftliche Schaden, aber auch viel Zeit und Herzblut

Jetzt an die Öffentlichkeit zu gehen, dazu hat sich Jörg Beck auch entschieden, weil er vermitteln will, dass in den Streuobstwiesen viel Zeit und viel Herzblut stecken: Abends nach der Arbeit und am Wochenende ist er eben nicht nur im Herbst mit der Ernte beschäftigt, sondern übers Jahr auch mit dem Setzen und Schneiden von Bäumen, mit dem Mähen der Wiesen und bei jungen Bäumen – bei trockenen Sommern wie diesem – auch noch mit Gießen. „Es geht nicht nur um den wirtschaftlichen Schaden, sondern auch um Wertschätzung“, sagt Beck und gibt zu bedenken: Selbst, wenn von 300 Spaziergängern nur jeder Zehnte sich eine Handvoll Äpfel von seinen Bäumen nimmt, kommt am Ende des Tages eine ordentliche Menge zusammen.

Und noch etwas findet Jörg Beck wirklich ärgerlich: Wenn Hundebesitzer seine Äpfel als Wurfbälle verwenden – und sich auch sonst rücksichtslos verhalten: Immer wieder lassen Herrchen und Frauchen ihre Tiere in den Wiesen ihr Geschäft verrichten oder entsorgen den Hundekot in der Plastiktüte im Gras – und dabei wird hier Heu für Tierfutter gemacht.

Wer im Supermarkt eine Tüte mit Äpfeln vollpackt und zur Tür rausmarschiert, ohne zu bezahlen, muss wegen Diebstahls mit einer Anzeige bei der Polizei rechnen. Auf seinen Streuobstwiesen hingegen muss Jörg Beck sich jedes Mal rechtfertigen, wenn er darauf hinweist, dass es sich ebenfalls um Diebstahl handelt, wenn Spaziergänger Äpfel von seinen Bäumen pflücken. Der 35-jährige Nebenerwerbslandwirt, der im Hauptberuf als Bankbetriebswirt arbeitet, spricht jeden Dieb, den er auf seinen Wiesen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper