Schorndorf

DRK und Tafelladen beklagen verdreckte Kleiderspenden

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Kleiderspenden: Ja, aber ordentlich_0
Monatlich muss das DRK einen Sieben-Kubikmeter-Container voller Müll entsorgen lassen. © Privat
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Anschauungsmaterial aus dem Wühli-Container: Birgit Kralisch von der DRK-Kleiderstube kennt das Problem und wünscht sich von Spendern: „Gebt nur das ab, was ihr selber noch anziehen würdet.“
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DRK-Bereichsleiter Josef Herbert, Renate Frank von der Schorndorfer Tafel und Birgit Kralisch von der DRK-Kleiderstube (von links) freuen sich riesig über einwandfreie Kleiderspenden, die sich weiterverkaufen lassen.

Schorndorf.
Verölte Arbeitskleidung, Kinderwindeln mit Inhalt, die muffigen Erbstücke aus dem Schrank der verstorbenen Schwiegermutter, ein ganzer Sack mit gebrauchter Herrenunterwäsche, löchrige Sweatshirts und Schuhe, an deren Sohlen noch der Dreck hängt. Der Müll, der im Kleiderschacht des DRK landet und einfach auf dem Hof des DRK-Heims oder rings um den Secondhand-Ableger des Tafelladens hinter dem Polizeirevier abgestellt wird, ist nicht nur ärgerlich, er kostet richtig viel Geld: Josef Herbert, DRK-Bereitschaftsleiter in Schorndorf, beziffert die Kosten für den Restmüllcontainer, der im Vier-Wochen-Takt abgeholt wird, auf 250 bis 300 Euro. „Das ärgert uns“, sagt Herbert. Und dabei sind Kleiderspenden beim Deutschen Roten Kreuz und auch beim Tafelladen höchst willkommen – vorausgesetzt, sie sind in Top-Zustand.

Das versucht Birgit Kralisch, seit 2015 ehrenamtliche Leiterin der Kleiderstube, Spendern immer wieder klarzumachen. Und auch Renate Frank und Ingrid Scholz vom „Querbeet“-Laden der Schorndorfer Tafel sind dauernd am Diskutieren – und bekommen dann immer wieder dieselbe vorwurfsvolle Frage zu hören: „Habt ihr es nicht nötig?“. Natürlich haben sie’s nötig. Doch eigentlich müsste doch allen klar sein: Auch im Secondhand-Laden kann nur saubere und einwandfreie Ware verkauft werden. „Das hat auch was mit Menschenwürde zu tun“, finden die Engagierten vom Tafelladen. Und für Birgit Kralisch geht’s um Wertschätzung insgesamt: „Die treten mein Ehrenamt mit Füßen.“

Keine Lust mehr, Kleiderspenden selbst zu waschen und zu bügeln

Im nicht überdachten DRK-Kleiderschacht sollten die aussortierten Kleidungsstücke darum in blauen Plastiksäcken verpackt landen. Die Damen von der Tafel bevorzugen Kleiderspenden im Karton. Wie oft schon haben Renate Frank und Ingrid Scholz seit Eröffnung des „Querbeet“-Ladens Ende April in Tüten gestopfte Kleidungsstücke mit nach Hause genommen, gewaschen und gebügelt. Darauf, sagt Ingrid Scholz, „habe ich keine Lust mehr“. Auch sie arbeitet – seitdem sie ihre Mode-Boutique in Weiler aufgegeben hat – ehrenamtlich im Tafelladen.

Und auch dort hat ein Umdenken stattgefunden: Jahrelang, erzählt Renate Frank, habe sie Kleiderspenden, mit denen nichts anzufangen war, im Kleiderschacht des Deutschen Roten Kreuzes entsorgt: „Wir dachten, wir tun dem DRK was Gutes.“ Weil aber immer wieder Stücke in schlechtem Zustand dabei waren, hat Birgit Kralisch irgendwann das Gespräch gesucht. Und nicht nur, weil die Ware so nicht in der Kleiderstube verkauft werden kann, sondern weil auch das Wühli, mit dem das DRK zusammenarbeitet, nur Kleider in Top-Zustand nimmt. Andernfalls bezahlt der Verwerter nicht den vereinbarten Kilopreis. Und der ist sowieso nicht besonders hoch: Bei drei Cent geht’s los, mit viel Glück gibt’s einen zweistelligen Cent-Betrag. Bei steigenden Kosten für die Müllentsorgung, ist die Rechnung einfach: Mehr als eine Schwarze Null ist nicht drin. Und immer öfter passiert das: „Wir zahlen drauf“, sagt Birgit Kralisch. Und dabei möchte das DRK doch Gutes tun: Vergangenes Jahr kamen 500 Euro für die SWR-Herzenssache zusammen, in diesem Jahr sind’s – wegen des auf der Gartenschau geleisteten Sanitätsdienstes – sogar 1000 Euro.

Unverfroren: Müllentsorgung auf dem DRK-Hof

Doch das DRK kommt – ohne eigene Altkleider-Container in Schorndorf – nicht nur auf bis zu eine Tonne Altkleider im Monat. Aktuell warten auch noch zwei mannshohe Kühlschränke, die eines Tages einfach im Hof standen, auf die Entsorgung. Daneben steht ein alter Benzinkanister, ein Karton mit Uralt-Telefonen und einer Kochplatte. Immer wieder entdecken Mitarbeiter hinterm DRK-Heim alte Elektrogeräte, die aus Sicherheitsgründen gar nicht angenommen werden können. „Man kommt sich vor wie bei der Müllentsorgung“, sagt DRK-Bereichsleiter Josef Herbert. Das Wühli, Schorndorfs angesagtester Secondhand-Laden, kämpft mit den gleichen Problemen. Und auch die Tafel-Mitarbeiterinnen machen immer wieder die Erfahrung: Lehnen sie verdreckte Kleiderspenden ab, werden die Tüten einfach vor dem Laden abgestellt.


Schorndorf.
Verölte Arbeitskleidung, Kinderwindeln mit Inhalt, die muffigen Erbstücke aus dem Schrank der verstorbenen Schwiegermutter, ein ganzer Sack mit gebrauchter Herrenunterwäsche, löchrige Sweatshirts und Schuhe, an deren Sohlen noch der Dreck hängt. Der Müll, der im Kleiderschacht des DRK landet und einfach auf dem Hof des DRK-Heims oder rings um den Secondhand-Ableger des Tafelladens hinter dem Polizeirevier abgestellt wird, ist nicht nur

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