Schorndorf

Ehemalige Höschele-Werke vor dem Aus

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Ein Luftbild der Firma Höschele aus dem Jahr 2015. © Danny Galm

Remshalden. Erst vor etwas mehr als einem Jahr wechselten die Höschele-Werke in Welzheim und Grunbach den Besitzer. Nun stehen beide Standorte vor dem Aus. Betroffen sind in Welzheim rund 20 und in Grunbach zwölf Mitarbeiter.

Die Lage um den ehemaligen Höschele-Standort in Grunbach ist ziemlich undurchsichtig. Alle, die man in Remshalden fragt, wissen nur gerüchteweise etwas darüber, dass mit der Produktion im Ort bald Schluss sein soll. Unsere Zeitung versucht seit Wochen, dazu eine Stellungnahme von der TWE-Group zu bekommen, die das Grunbacher Höschele-Werk 2016 übernommen hat – bislang vergeblich.

Ende April sollen die Maschinen stillstehen

Aus zwei zuverlässigen Quellen wurde unserer Redaktion jetzt aber zugetragen: Schon ab Ende April sollen in Grunbach die Maschinen stillstehen, der Standort wird dichtgemacht. Grund soll die schwierige Marktsituation für das Malerabdeckvlies sein, das dort produziert wird. Dieses wird anderswo kostengünstiger hergestellt.

Doch wie gesagt: Diese Informationen sind offiziell nicht bestätigt. Die TWE-Gruppe hat ihren Hauptsitz im westfälischen Emsdetten: Laut Firmenhomepage gehören 13 Standorte, unter anderem in den USA und in China, mit 1300 Mitarbeiter zum Unternehmen. In Grunbach verblieben nach der Übernahme 2016 zwölf Mitarbeiter.

Schicht im Schacht

In Welzheim-Breitenfürst ist bei der K. L. Kaschier- und Laminier-GmbH zum 30. Juni Schicht im Schacht, die Produktion wird sogar schon am 15. Mai eingestellt, wie der für das Werk verantwortliche Carsten Otte unserer Zeitung sagte. Doch die Schließung kommt nicht freiwillig: K. L. wurde laut Otte schlicht und einfach vom Besitzer der Immobilie der Mietvertrag gekündigt.

Schon seit zwei Monaten ist die Konfektionsabteilung stillgelegt. Die Maschinen hat K. L. an einen Kunden verkauft. Die verbliebene Vliesanlage wird nach der Schließung abgebaut und nach Wahlstedt in Schleswig-Holstein transportiert: K. L. verkauft sie an den Vlieshersteller Pelytex. Wie es in einer Mitteilung der Firmen heißt, übernimmt Pelytex damit die Vliessparte von K. L. und die beiden gehen eine „enge Zusammenarbeit“ ein.

„Für die Leute ist es schlimm“

Einige der Mitarbeiter aus dem Welzheimer Werk könnten wohl von Pelytex übernommen werden, sagt der K.-L.-Prokurist. „Die Frage ist, ob sie umziehen wollen nach hinter Hamburg.“ 20 Mitarbeiter waren zuletzt in Welzheim beschäftigt, 16 davon fest angestellt. Derzeit sind noch zehn verblieben, die an der Vliesanlage arbeiten.

„Für die Leute ist es schlimm“, so Otte. „Das tut mir persönlich leid.“ Es sei nicht die Strategie von K. L., etwas zu kaufen, um es dann zu zerschlagen. Den Mitarbeitern sei man dankbar, dass sie nach wie vor voll mitzögen, obwohl sie keine Garantie auf einen neuen Arbeitsplatz hätten.

Massive Probleme Fachkräfte zu finden 

Die Pläne von K. L. hätten eigentlich vorgesehen, das Welzheimer Werk auszubauen und den Mitarbeiterstamm zu vergrößern. Allerdings hätte man bisher auch massive Probleme gehabt, die nötigen Fachkräfte dafür in der Region zu finden, so Carsten Otte. K. L. hat seinen Sitz im niedersächsischen Bad Bentheim und macht laut Carsten Otte einen Jahresumsatz von knapp 40 Millionen Euro.

Die Höschele-Werke wurden 2016 in einem Insolvenzverfahren verkauft. Zu den Gründen äußerte sich die Geschäftsleitung bis zuletzt nicht. Vermutet wird, dass Höschele sich finanziell übernahm, als das Werk in Welzheim ganz neu aufgebaut wurde beziehungsweise dass die schwierige Marktlage in der Branche eine Schieflage verursachte.

Höschele war zuvor von einer Serie von Bränden gebeutelt. 2008 brannte es im Werk in Grunbach, das Werk in Geradstetten gab Höschele nach einem verheerenden Großbrand 2012 auf, 2014 gab es auch ein Feuer in Welzheim.