Schorndorf

Eigene Patenkinder schwer sexuell missbraucht

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Das Stuttgarter Landgericht. © ZVW/Gabriel Habermann

Stuttgart/Schorndorf. Zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und fünf Monaten ist ein 25-jähriger Deutscher verurteilt worden. Er hat gestanden, zwei Schwestern, seinerzeit fünf und elf Jahre alt, in Schorndorf schwer sexuell missbraucht zu haben. Der Mann war Patenonkel der Mädchen, aber nicht mit ihnen verwandt. Er wollte Erzieher werden und hat bereits Praktika in Kindergärten absolviert.

Der Mann hatte die schweren Übergriffe zum Teil gefilmt und eine Menge kinderpornografisches Material besessen. Zeitweise hatte der Mann mit in der Wohnung einer alleinerziehenden Mutter von drei Kindern in Schorndorf gelebt, mit ihr aber keine Beziehung gehabt. Die Mutter war froh, Hilfe zu haben; man hatte sich über eine Bekannte kennengelernt, war sich sympathisch – und so entwickelte sich mit der Zeit ein Vertrauensverhältnis, woraufhin die Mutter den Mann bei der Taufe ihrer Kinder als Patenonkel einsetzte.

Er hatte Erzieher werden wollen

Der 25-Jährige, ein gelernter Maler und Lackierer, hatte zunächst von Gelegenheitsjobs gelebt und dann an einer Stuttgarter Schule den Realschulabschluss nachgeholt, um Erzieher werden zu können. Er absolvierte Praktika in Schorndorfer Kindergärten, und so ergab es sich, dass er sich mehr oder weniger dauernd und ohne Miete zu zahlen in der Schorndorfer Wohnung der Kinder aufhielt.

Verschlossen und verschüchtert wirkte der breitschultrige Mann vor Gericht. Er berichtete, das elfjährige Mädchen habe ihn beim Schauen eines Pornos erwischt. Der Mann schaute dann Fimsequenzen zusammen mit dem Kind an, bevor es zu einem ersten Übergriff kam. Er unternahm mit der damals Elfjährigen eine Radtour und missbrauchte das Kind schwer in einer Waldhütte.

In der Wohnung in Schorndorf und auch ein weiteres mal in der Stuttgarter Wohnung des Mannes kam es zu weiterem schwerem Missbrauch. Die jüngere Schwester, damals erst fünf Jahre alt, wurde in einem Fall unfreiwillig Zeuge – woraufhin sich der Mann auch an ihr verging. Diese Tat wertete das Gericht als die Schwerste, weil das Kind so jung war und der Mann sich zusätzlich einer schweren Körperverletzung schuldig gemacht hatte.

Die Mutter wollte es zuerst nicht glauben

Die Fünfjährige offenbarte sich ihrer Mutter, die dem Kind zuerst, wie sie vor Gericht aussagte, nicht glauben wollte; „damit rechnet man ja auch nicht. Ich hab ihm vertraut. Ich hab ihm das nie zugetraut.“ Noch während die beiden Mädchen bei der Polizei aussagten, wurde der Mann im Kindergarten verhaftet. Seit März diesen Jahres sitzt er in U-Haft.

„Die Tatfolgen sind gravierend“, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Holzhausen in seiner Urteilsbegründung. Das ältere Mädchen ist bis heute nicht in der Lage, über die Vorfälle zu sprechen. „Der Vertrauensmissbrauch ist immens. Er hat den Mädchen ein Stück Heimat genommen. Das ist ganz schlimm für Kinder“, sagte Holzhausen weiter und bescheinigte dem Verurteilten ein „planvolles Vorgehen“.

Das Gericht hielt dem Mann zu Gute, dass er frühzeitig gestanden und den Mädchen eine Aussage vor Gericht erspart habe. Stattdessen wurde in der Verhandlung eine Videoaufnahme von der Vernehmung bei der Polizei gezeigt, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Gericht konnte die Aufnahme nur ins Verfahren einbringen, weil der Angeklagte dem zugestimmt hatte, so sehen es die Vorschriften vor.

Angeklagter hat "sich selbst ans Messer geliefert"

Um die Mädchen „nicht weiter zu belasten“, habe der Mann „sich selbst ans Messer geliefert“ und in der Verhandlung sehr viel auch zu seinen Ungunsten preisgegeben, wie Joachim Holzhausen betonte. Ohne Geständnis wäre der Strafrahmen „bei sechs Jahren nicht zu Ende gewesen“ – oder aber, es wäre vielleicht gar nicht zu einer Verurteilung gekommen, weil die Beweise nicht ausgereicht hätten, zumal das ältere Mädchen als Hauptopfer nicht über die Vorfälle sprechen konnte und kann.

In der Haft wird auf den jungen, bisher nicht vorbestraften Mann noch einiges zukommen, deutete der Vorsitzende Richter an. Taten dieser Art bringen im Gefängnis „eine Gefährdung der eigenen Person“ mit sich; und das geringe Selbstbewusstein des Mannes, sein scheues Verhalten mache ihn zusätzlich „hoch haftempfindlich“.

"Die Gedanken waren halt im Kopf"

Der 25-Jährige wuchs ohne Vater auf und besuchte lange Jahre Förderschulen. Später konnte er seinen Beruf wegen gesundheitlicher Probleme nicht mehr ausüben. Er jobbte und lebte jahrenlang in einem Männerwohnheim. Seine Mutter lebte von Stütze und Gelegenheitsjobs.

Vor Gericht sagte der Mann, er habe erstmals als Jugendlicher bemerkt, dass sich sein sexuelles Interesse auf Kinder richte. Er habe versucht, diesen Wunsch zu unterdrücken, sich aber nicht getraut, sich einem Psychologen anzuvertrauen, mit dem er wegen anderer Themen im Gespräch war. „Die Gedanken waren halt im Kopf“, sagte der Mann, aber er habe „nie was gemacht“ – bis sich das dann in Schorndorf geändert habe.

Bereits vom Jahr 2017 an habe er kinderpornografische Bilder heruntergeladen – „ich hab gewusst, dass das falsch ist.“ „Von Kindheit an“ habe er Erzieher werden wollen. Nur einmal habe er eine kurze Beziehung zu einer Frau gehabt.