Schorndorf

Ein E-Scooter unter jedem Weihnachtsbaum?

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Zuständig für Mobilitätsprojekte in Schorndorf: Diana Gallego Carrera, Fachbereich Stadtentwicklung und Baurecht der Stadtverwaltung. © ZVW/Palmizi

Schorndorf. Unaufhaltsame Klimaerwärmung? Ziel verminderter CO2-Emissionen verbaselt? Feinstaublastiger Verkehrsinfarkt? Mit Karacho in die Katastrophe? Nicht so in Schorndorf!

Hier tut sich was. Zumindest wenn man den Worten von Bürgermeister Thorsten Englert bei der Auftaktveranstaltung im Großen Sitzungssaal des Rathauses zum Thema „Mikromobilität – nachhaltige Mobilitätslösungen für die Stadt von morgen“ Glauben schenken möchte. „Die Mobilität der Zukunft ist multimodal, vernetzt und digital. Sharing-Modelle werden an Bedeutung gewinnen. Die Stadt Schorndorf geht auf diesem Weg mutig voran.“ So sagte Englert.

Um was geht es? Schorndorf nimmt an einem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung ausgeschriebenen und mit viel Geld geförderten Projekt der „MobilitätsWerkStadt 2025“ teil (Wir berichteten). Als vornehmste Zielvorgabe wird proklamiert, innerstädtische Pkw-Fahrten zu minimieren. Durch den Einsatz von Kleinfahrzeugen wie E-Scootern, Verleihrädern und -Pedelecs und ähnliche Angebote. Der Markt dafür scheint seit einiger Zeit enorm zu wachsen, teilweise im Wildwuchs, wie man etwa in Berlin beobachten kann.

Auch in Stuttgart sind, wie Ralf Maier-Geißer vom Referat Nachhaltige Mobilität der Landeshauptstadt berichtete, inzwischen Mikromobilitätsanbieter unterwegs. Sie wurden dort nicht von der Stadt gerufen, „sondern haben von sich aus einen Markt gesucht“. Die bisherige Erfahrung dort ist, „die Mikromobil-Scooter substituieren Fußwege, bestenfalls den ÖPNV, und nur in geringer Zahl Pkw-Fahrten.“ Also Fehlanzeige?

Mikromobilität: Ein Fall nur für Gutverdiener?

Um für die privaten Betreiber wirtschaftlich zu sein, so Maier-Geißer, müssen die Scooter achtmal am Tag benutzt werden. Durchschnittlich, so die Erhebungen, werden sie zu einem Startpreis von einem Euro und zwischen 15 und 29 Cent pro Minute acht Minuten für 1,2 Kilometer genutzt. Ist dieses Modell damit eines nur für Gutverdiener? „Nein!“, hieß es optimistisch. „Der E-Scooter wird in den nächsten Jahren unter jedem Weihnachtsbaum liegen. Der private Scooter wird sich unter allen Schichten durchsetzen.“

Zukunftsmusik? Aber für was genau? Kritische Stimmen aus dem Publikum fragten deshalb nach der Sicherheit dieser eher fragilen Gefährte und ihrer Fahrer. Fragten nach der Begrenztheit des innerstädtischen Raumes und wie man ihn auf die unterschiedlichsten Verkehrsteilnehmer - von immer noch vorhandenen Fußgängern, den zukünftigen Mikromobilen, den traditionellen Fahrradfahrern bis hin zum überproportional viel Platz verbrauchenden Pkw und den nicht nur parkplatzsprengenden SUVs - aufteilen könnte.

Die realistische Erkenntnis, dass man nachhaltige, innerstädtische Mikromobilität nur fördern könne, wenn man destruktiven Pkw-Privatverkehr erschwere, wurde von den Vertretern der Stadtverwaltung vorsichtig zurückhaltend in eine zukünftige Schwebe verschoben.

Denn weiß man denn, was die Bürgerinnen und Bürger wollen? Die Interessen sind sicher widerstrebend. Umso mehr muss man die Bemühungen der Stadt hervorheben, und das machte die Schorndorfer Ansprechpartnerin für das Projekt, Diana Gallego Carrera, mit glaubhaft großem Engagement deutlich, „gemeinsam mit den Bürgern“ ein Konzept nachhaltiger Mobilität in Schorndorf zu entwickeln. Dabei machte sie deutlich, dass es in Zukunft um „die Förderung der Vernetzung verschiedener Mobilitätsformen“ gehen wird.

„Wir wollen vorbereitet sein, wenn die Scooter kommen“, sagte sie, „aber das ist nur ein Bereich unter vielen, die wir in diesem Projekt untersuchen wollen.“ Er sei stolz darauf, dass „in der Daimlerstadt Schorndorf, die als Wiege der Mobilität gilt, ein solches Projekt durchgeführt wird“, freute sich Thorsten Englert. Wird sie auch das Erwachsenenzeitalter der Mobilität mitbestimmen?

Was die Bürgerinnen und Bürger bei diesem Projekt auf jeden Fall freuen muss, ist, dass sie in den Prozess einer zum Verbrennungsmotor Daimlers alternativen Mobilität eingebunden werden sollen.

„Der Verkehr hat zu wenig beigetragen, um die Treibhausgase zu vermindern. Es gibt andere Möglichkeiten, unterwegs zu sein“, forderte Prof. Dr. Barbara Lenz als Projektpartnerin vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt die Schorndorfer auf.