Schorndorf

Ein Kochbuch für die Integration

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Kochen mit Leidenschaft: Mesude Yalcin (rechts) spricht begeistert über die vielen unterschiedlichen Rezepte, die in dem Kochbuch erscheinen werden. Neben ihr sitzt die Leiterin des ZiB, Magdalena Lingel. © Alexandra Palmizi / ZVW
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Das Rezept für die leckeren gefüllten Weinblätter von Mesude Yalcin steht unten im Artikel

Schorndorf. Das Zentrum für internationale Begegnung will zur Gartenschau ein internationales Kochbuch veröffentlichen. Die Rezepte stammen von 20 Bürgern mit und ohne Migrationshintergrund. Initiatorin Mesude Yalcin hat ihr Rezept für türkische Weinblätter vorab verraten.  

Auf dem Tisch vor Mesude Yalcin liegen Bilder von verschiedenen Gerichten. Darauf zu sehen: Königsberger Klopse, Falafel und Maqluba – ein arabisches Reisgericht. „All das wird in Schorndorfs Küchen jeden Tag gekocht“, sagt Yalcin, die Mitarbeiterin des ZiB. „Diese Vielfalt wollen wir abbilden“, sagt die 43-jährige Mesude Yalcin. Sie hat in den letzten Monaten viele Menschen im ZiB gefragt, ob sie nicht Lust hätten, ihr Lieblingsgericht oder ein traditionelles Gericht aus ihrem Herkunftsland für das Buch zu verraten. Gemeinsam kochten sie die Rezepte nach, notierten die Zutaten und fotografierten die liebevoll dekorierten Speisen. Am Schluss wurde gemeinsam gegessen.

Die Menschen sind stolz darauf, einen Teil ihrer Kultur zu zeigen

Das Projekt kommt bei den Leuten gut an, darüber freut sich die Projektverantwortliche besonders. „Sie wollen etwas von ihrer Kultur zeigen“, sagt Yalcin. Viele der Köchinnen und Köche sind stolz darauf, Teil dieses Buches sein zu dürfen.

Die Zubereitung einiger Gerichte ist sehr kompliziert und langwierig, für manche braucht es eine ganze Menge unterschiedlicher Gewürze, etwa aus dem arabischen Raum, andere hingegen sind einfach nachzukochen. Es geht aber nicht nur ums Kochen, sondern auch darum, die Köchinnen und Köche zu zeigen. „Hinter jedem Rezept steckt ein Mensch“, sagt Magdalena Lingel, die Leiterin des ZiB. Für die junge Frau ist dies die Besonderheit des Buches. „Damit erzeugen wir bei den Menschen ein Gefühl der Wertschätzung“, sagt Lingel.

Yalcin will die Texte in dem Buch in einfacher Sprache halten, damit auch Menschen, deren Deutsch-Kenntnisse noch nicht so gut sind, die Rezepte verstehen und nachkochen können. Aber auch für alteingesessene Schorndorfer soll das Buch etwas sein: „Wir wollen dem Leser Anregungen geben und die Horizonte der Menschen erweitern“, sagt Yalcin.

Das Buch soll auf der Gartenschau kostengünstig verkauft werden

Geschmackvoll sollen nicht nur die Rezepte im Kochbuch sein, sondern auch die Aufmachung des Buches selbst. Deshalb ist das Team um Yalcin noch auf der Suche nach Studentinnen und Studenten, die Lust haben, das Buch zu gestalten. Dafür hat sie die staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart kontaktiert. Mit „multi-kulti im Topf“ hat das Team um Yalcin bereits einen vorläufigen Titel gefunden. Auch Yalcin hat eines ihrer Lieblingsrezepte für das Buch beigesteuert: gefüllte Weinblätter, ein türkisches Rezept. Magdalena Lingel kündigt an, das Buch solle kostengünstig auf der Gartenschau verkauft werden und möglichst die Druckkosten decken. Über die genaue Auflage und den konkreten Preis habe man sich aber noch nicht verständigt, sagt die junge Leiterin.

Es stehen noch Mittel aus dem Integrationsfond zur Verfügung

Das Geld für das Kochbuch-Projekt stammt aus dem Integrationsfonds der Stadt. Davon wurden die Lebensmittel oder auch Fahrtkosten bezahlt. Für das Jahr 2018 und 2019 stellte die Gemeinde 100 000 Euro für Projekte zur Integration von Migrantinnen und Migranten zur Verfügung. Mit dem Geld sollen Projekte, die von staatlichen und kommunalen Strukturen nur schwer erreicht werden, gefördert werden. Sprachkurse etwa werden aus anderen finanziellen Töpfen finanziert. Im vergangenen Jahr wurde nur ein Teil der Mittel aus dem Topf ausgeschöpft – lediglich 60 000 Euro wurden beantragt und genehmigt.

Auch Privatpersonen können Ideen einbringen

Seit April 2018 können Privatpersonen oder Vereine Anträge mit ihren Ideen einreichen, sagt Lena Böhnlein, Integrationsmanagerin der Stadt, die für den Fonds zuständig ist. Sie prüft, welche Kosten förderungsfähig sind. Mit dem Geld aus dem Fonds soll der Kontakt zwischen den Menschen, unabhängig von der Herkunft, gefördert werden.

Neben dem Kochbuch wurde von dem Geld auch Arabisch-Unterricht für Muttersprachler und das Tandem-Programm „Schorndorfer-Buddys“, bei dem junge Menschen aus Schorndorf und junge Geflüchtete ein Tandem bilden, finanziert. Für bedürftige Kinder und Jugendliche wurde außerdem die Gebühr für das Sportprogramm in den Sommerferien übernommen.


Rezept für gefüllte Weinblätter – eine türkische Vorspeise

Zutaten:

500 g eingelegte Weinblätter
300 g Reis
3 Zwiebeln
1 Bund Petersilie
2 Esslöffel Tomatenmark
1 Esslöffel Paprikamark
4 Esslöffel Wasser
2 Esslöffel Granatapfelsirup
5 Esslöffel Öl
1 Zitrone
Etwas Salz, Pfeffer, Paprikapulver, getrocknete Minze

Zubereitung:

Die Weinblätter gründlich waschen und in Wasser legen. Den Reis waschen und im Sieb abtropfen lassen. Die Zwiebel fein würfeln. Danach alle Zutaten (bis auf die Weinblätter) gut miteinander mischen und je nach Geschmack würzen. Nun die Weinblätter nehmen und jeweils einen Teelöffel von der Füllung in die Mitte geben. Anschließend erst die untere Seite zuklappen, dann von rechts und links zuklappen und schließlich das Weinblatt nach oben hin aufrollen. Die gefüllten Weinblätter in einem Topf nebeneinander dicht aufreihen und schichten. Einen kleinen Teller darauf legen, sodass sich beim Kochen nichts lockert. Dann zwei Gläser Wasser  und den Saft einer halben Zitrone hinzugeben. Bei schwacher Hitze die gefüllten Weinblätter eine Stunde kochen lassen.

Tipp: Mit etwas Joghurt servieren.