Schorndorf

„Ein Weinfest wie im Bilderbuch“: Schorndorfer Weintage gut besucht

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Die Weintage: Trotz anfänglichen Regens später noch gut besucht. © Gabriel Habermann
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Auch Kulinarisches war geboten. © Gabriel Habermann
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Geselliges Beisammensein. © Gabriel Habermann

Die Frage am Samstagabend lautete: Jacke und Schirm mitnehmen oder dem Wetter vertrauen? Jene, die vorgesorgt hatten, konnten ihre Regenausstattung getrost links liegenlassen. Denn das Wetter bot Idealbedingungen für Weingenuss und unbeschwerte Feierlaune.

„Ein Weinfest wie im Bilderbuch“ ist es aus Sicht von Felix Ellwanger. Bei den Schorndorfer Weintagen bewahrheitete sich einmal mehr das ungeschriebene Gesetz aller Weinfeste, das der Winzer aus Winterbach formuliert: „Solange es trocken ist, ist das Weinfest voll.“ Noch am Nachmittag zogen dunkle Gewitterwolken über das Remstal, es kam ordentlich Regen runter. Da war der Winzer, nicht aber der Weinfest-Wirt in ihm richtig glücklich. „Für den Weinberg war es perfekt, die Reben sind durstig, für das Weinfest wäre es eher schlecht gewesen“, so Felix Ellwanger.

Der Regen ist nach trockenen Monaten gut für die Weinberge

„Bei uns waren’s zwischen 20 und 30 Liter“, gibt Yvonne Ellwanger vom Großheppacher Weingut eine Schätzung ab. In einer Woche beginne bei ihnen die Lese der Sektgrundweine wie Cabernet blanc und Spätburgunder. Der Guss habe die dringend benötigte Grundversorgung mit Wasser sichergestellt – kurz vor der finalen Reife für den Wein also „perfekt“ aus Sicht der Winzerin, die sich dann aber sehr gefreut habe, als der Himmel aufgeklart hat. „Bei den Weintagen können wir alle auf Nässe gut verzichten“, sagt sie. Ihren Regenschirm habe sie vorsorglich eingesteckt. „Man sagt doch immer, wenn man ihn dabei hat, braucht man ihn nicht“, zitiert sie nicht ganz ernst gemeint ein Alltagsphänomen, das sich dankenswerterweise aber mit den messbaren Fakten der Vorhersage in der Wetterapp deckt: Trocken, mild, ein angenehmer Spätsommerabend für jene, die sichtlich entspannt beim Viertele zusammensitzen sowie für jene, die an den Ständen mit vielerlei Weinsorten, ansprechenden Cuvées und spritzigem Winzersekt nachschenken und für die Gastronomen, die Habhaftes aus der Pfanne, vom Grill und aus dem Topf auftischen, das zum Wein gut passt und schmeckt.

Und die Genießer: Sie strömen und kommen auf ihre Kosten. „Wir trinked älle gern mal ein Viertele zusammen“, sagt Ingeborg Hiller. Sie ist Teil einer vorläufig zehnköpfigen Gruppe. „Des kenned noch mehr werden, es ist noch früh am Abend, wir wissed nie, wer alles noch kommt“, meint ihr Mann Dieter. Sie seien „alte Schorndorfer“, ehemalige „Motorsportclubler“, heute „rüstige Rentner“. Ernst Vater ist 80 und lässt es sich schmecken, der Herr gegenüber schmaucht in aller Gemütsruhe sein Pfeifchen, ein Hort der Behaglichkeit, hier weiß man, das Leben zu genießen. „Jeder isst was, trinkt was, dann geht’s einem gut“, sagt Ernst Vater.

Gäste bleiben auch bei Nieselregen lange

Schon am Freitag, als die Schirme wegen Sturmwarnung zugeklappt werden mussten, habe das Publikum Sitzfleisch bewiesen, sich durchprobiert und sei interessiert gewesen. „Riesenlob an unsere Gäste, die sich den Spaß nicht haben nehmen lassen vom Nieselregen“, sagt Yvonne Ellwanger. Auf den Sitzbänken sei es bisweilen etwas klamm gewesen, viele hätten sich „ihr Plätzle aber schön trockengesessen“ und seien bis zum Schankende geblieben.

„Heute Mittag durfte es nass sein, jetzt ist Weinfest und es ist trocken, besser geht es nicht“, meint Irmgard Dobler vom Beutelsbacher Weingut. Ihr fällt positiv auf, dass sich die Besucher nicht an einem Weinstand festtrinken, sondern mit dem Glas auf Wanderschaft gehen, ganz im Sinne des Weinfestes pilgern und sich glasweise, in „Nulleinser“-Etappen durchprobieren. „Sie nutzen die kurzen Wege zwischen den Weinständen und lassen sich auch auf was Neues ein“, sagt sie.

Lob für die Organisation der Stadt 2021

Die Gäste, so der Eindruck von Winzer Felix Ellwanger, hätten dem Weinfest regelrecht entgegengefiebert. Er hat am Freitagabend einige Vergnügte auf den Tischen tanzen gesehen. „Zum ersten Mal in 26 Jahren“, sagt er. „Jeder ist froh, einfach ein schönes Fest zu erleben.“ Die Weintage 2021 mit Einlasskontrollen und Personenbegrenzungen an den Tischen seien zwar auch in Ordnung gewesen, erinnert er sich. Vor allem lobt er das Engagement der Stadt, die trotz der Einschränkungen das Fest auf die Beine gestellt hatte. „Es ist aber natürlich besser, dass es jetzt wieder ganz normal ist.“

Die „Normalität“ erkläre den guten Zulauf, sagt Irmgard Dobler. „Es ist wieder ein Weinfest“, spielt die Winzerin auf die Lösung des Vorjahrs an, als die Bereiche auseinandergezogen werden mussten. Doch auch von ihr gibt’s viel Lob für die Stadt, die trotz Corona das Weinfest möglich gemacht habe. Umso schöner, jetzt zu sehen, „dass alle wieder entspannter sind, weil sie wieder lockerer beisammen sein können“.

"Wir wären bei jedem Wetter gekommen"

Zur Lockerheit trägt das stimmige Flair bei. Der Marktplatz zeigt sich als Postkartenkulisse: Locker verteilt dienen Weinfässer als Stehtische, dazwischen fläzen Gäste in Liegestühlen und genießen zum Sonnenuntergang ihr Viertele Rosé. Zur „Sundowner“-Zeit dominieren Urlaubsstimmung und mediterrane Temperaturen. Statt Regenschirmen tragen die Menschen ihre Sonnenbrillen, bis bei einsetzender Dunkelheit die Bühnenlichter angehen und Livemusik das Festtreiben abrundet.

„Wenn ich hier in der Menge sitze und auf die schönen Fachwerkfassaden schaue, weiß ich, was ich an der Stadt so mag“, sagt Georgia Braun aus Welzheim. Sie und ihr Mann Thomas hätten fast noch nie die Weintage verpasst, nur im Corona-Jahr 2021 hätten sie ausgesetzt. „Wir wären bei jedem Wetter gekommen, das ist bei uns im Plan drin.“ Sie entsprechen dem probierfreudigen und weinaffinen Publikum, das die Winzer erleben. Weinkenner lassen sich die feinen Tropfen ebenso munden wie unerfahrene Gäste, die sich Empfehlungen geben lassen und sehr interessiert seien.

Stuttgarter Weindorfpreise?

Sind die Besucher sparsamer mit Blick auf die allgemeinen Kostensteigerungen? Yvonne Ellwanger verneint. Die Nachfrage nach den günstigen Einstiegsweinen – das Achtele für drei Euro – sei nicht höher als die nach den Spätlesen und höherwertigen Rotweinen, die in den Abendstunden sehr gefragt seien. „Die Frage, ob wir auch Stuttgarter Weindorfpreise haben, kam zwar schon vereinzelt“, so Yvonne Ellwanger. Die Rückmeldungen seien dann aber durch die Bank hinweg positiv gewesen. „Die Gäste honorieren die unverändert moderaten Preise hier in Schorndorf“.

Die Frage am Samstagabend lautete: Jacke und Schirm mitnehmen oder dem Wetter vertrauen? Jene, die vorgesorgt hatten, konnten ihre Regenausstattung getrost links liegenlassen. Denn das Wetter bot Idealbedingungen für Weingenuss und unbeschwerte Feierlaune.

„Ein Weinfest wie im Bilderbuch“ ist es aus Sicht von Felix Ellwanger. Bei den Schorndorfer Weintagen bewahrheitete sich einmal mehr das ungeschriebene Gesetz aller Weinfeste, das der Winzer aus Winterbach formuliert: „Solange es

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