Schorndorf

Einsatz gegen Kinderarmut und für Kindergesundheit

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Symbolbild. © Laura Edenberger
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Sie sind Teil des Präventionsnetzwerks „Schorndorf tritt ein gegen Kinderarmut und für Kindergesundheit“: Tanja Louw und Sabine Daunderer vom Fachbereich „Familien und Soziales“, Fachbereichsleiter Christian Bergmann. Dr. Oranna Keller-Mannschreck von Pro Familia, Sabine Evertz-Rieple vom Schwerpunktdienst „Frühe Hilfen“ des Kreisjugendamtes, Ines Pfeil-Bürkle vom Projekt „Kinderreich“ des Kinderschutzbundes, Simone Halle-Bosch vom Familienzentrum und Katrin Karstedt von der Paulinenpflege Winnenden. Ebenfalls Teil des Netzwerks sind die Evangelische Gesellschaft/Tagesgruppe Villa 103 , die Kinderstiftung „Funke“ und der Kreisdiakonieverband, die beim Pressegespräch zur Vorstellung des Projekts nicht vertreten waren.

Schorndorf. Mit einem finanziell durch ein Förderprogramm des Landes unterstützten Präventionsnetzwerk will sich die Stadt Schorndorf verstärkt gegen Kinderarmut und für Kindergesundheit einsetzen. Ziel, so der Leiter des städtischen Fachbereichs „Familien und Soziales“, Christian Bergmann, müsse eine „Präventionskette“ sein, bei der ein Glied ins andere greife und kein Kind verloren gehe.

Dass es in einem reichen Land wie Deutschland trotz vieler familienpolitischer Hilfen Kinderarmut gebe, könne doch eigentlich nicht sein, meinte Oberbürgermeister Matthias Klopfer bei der Vorstellung des Präventionsnetzwerkes mit folgenden Kooperationspartnern: Deutscher Kinderschutzbund (Projekt Kinderreich), Evangelische Gesellschaft/Tagesgruppe Villa 103, Familienzentrum Schorndorf, Kreisjugendamt/Frühe Hilfen, Kinderstiftung „Funke“ (Rems-Murr-Kreis), Kreisdiakonieverband, Paulinenpflege Winnenden, Pro Familia und die Stadtverwaltung mit dem Fachbereich „Familien und Soziales“.

Sich jetzt gegen Kinderarmut und – damit zusammenhängend – für Kindergesundheit zu engagieren, sei „das richtige Thema im richtigen Jahr“, meinte Klopfer mit Blick darauf, dass auch in Schorndorf 700 Kinder und Jugendliche in Hartz-IV-Familien lebten und dass die Gefahr, dass die Gesellschaft immer stärker in Arm und Reich auseinanderfalle, zunehme. Was sich unter anderem daran festmachen lasse, dass es in Schorndorf eine starke Nachfrage sowohl nach sehr teurem als auch nach sehr preiswertem Wohnraum gebe.

Klopfer: „Wenn wir etwas tun, dann muss es die Richtigen treffen“

„Wir sind eine lernende Stadtverwaltung und müssen auch bei diesem Thema zunächst einmal Licht ins Dunkel bringen, um dann im Jahr 2020 erste Antworten geben zu können, was die Stadt in Zukunft anders und besser machen kann, damit es den Kindern und damit auch den Familien besser geht“, gab der Oberbürgermeister als Marschroute für das Jahr 2019 aus. Die Teilnehmer des Präventionsnetzwerkes wollen sich jeden Monat einmal treffen um sich auszutauschen – auch mit dem Ziel, dass die Netzwerkpartner in Zukunft noch besser voneinander und übereinander Bescheid wissen, als das bislang schon der Fall ist.

Ganz am Anfang allerdings müsse eine saubere und klare Analyse stehen, wie es um Kinderarmut in der Stadt tatsächlich bestellt sei. „Nur dann können wir anschließend die richtigen Fragen stellen und die richtigen Antworten geben“, meinte Matthias Klopfer. Mit Blick auf konkrete Maßnahmen und Hilfen ist es ihm besonders wichtig, „dass wir uns auf die konzentrieren, die wirklich auf Unterstützung angewiesen sind“. Anders gesagt: „Wenn wir etwas tun, dann muss es die Richtigen treffen.“

Bedürfnisse erkennen

„Vieles passiert bereits, aber das muss auch ins Bewusstsein“, sagte Fachbereichsleiter Christian Bergmann. Er verspricht sich von der vom Oberbürgermeister eingeforderten Analyse unter anderem, dass Bedürfnisse erkennbar werden, „die wir bis jetzt noch nicht sehen“. „Wir müssen auch sehen, welche Zugangswege zu Unterstützungsangeboten für die Zielgruppe unseres Netzwerkes noch nicht erschlossen sind“, ergänzte seine Mitarbeiterin Sabine Daunderer. Aus deren Sicht sollte auch überlegt werden, wie Ehrenamtliche in das Projekt eingebunden werden könnten.

„Wir werden auf jeden Fall auch einige konkrete Mikroprojekte in Angriff nehmen“ kündigte Christian Bergmann an. Er hält es für unabdingbar, dass auch reguläre Institutionen wie die Schulen und die Kindergärten verstärkt ins Boot geholt werden. Außerdem verwies der Fachbereichsleiter auf den im Zuge der Sozialplanung angestoßenen Prozess der Quartiersentwicklung. Dieser sei darauf angelegt, nachbarschaftliche Strukturen hinzukriegen, die Menschen, die auf Hilfe angewiesen seien, das Leben erleichtere. Und solche Strukturen, so Bergmann, könnten sich auf die Pflegebedürftigkeit von alten Menschen genauso beziehen wie auf Kinderarmut, die ja in aller Regel auch einhergehe mit einem Mangel an Teilhabe am öffentlichen Leben.

Förderprogramm

Sechs Kreise beziehungsweise Kommunen in Baden-Württemberg profitieren vom neuen Landes-Förderprogramm „Aktiv und gemeinsam gegen Kinderarmut und für Kindergesundheit“. Neben dem Ortenaukreis, dem Landkreis Ravensburg und den Städten Singen, Stuttgart und Ulm wird auch Schorndorf einmalig mit 33 000 Euro gefördert.

Das Förderprogramm ist eine Konsequenz aus den Ergebnissen des dritten Gesellschaftsreports Baden-Württemberg mit dem Titel „Familienarmut – ein Risiko für die Gesundheit von Kindern“, den Sozialminister Lucha im Sommer 2018 vorgestellt hat.

Eines der Ergebnisse war: Während der Großteil der Heranwachsenden in Baden-Württemberg gute Chancen hat, gesund aufzuwachsen, haben insbesondere die knapp 20 Prozent armutsgefährdeter Kinder und Jugendlicher ein höheres gesundheitliches Risiko und damit geringere Chancen auf ein gesundes Leben.

„Mit diesen 33 000 Euro werden wir nicht die Welt aus den Angeln heben, aber es sollte uns zumindest gelingen, für das Thema zu sensibilisieren“, meinte der Leiter des Fachbereichs „Familien und Soziales“, Christian Bergmann.