Schorndorf

Eltern äußern Kritik an neuen Spielplätzen

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Grundsätzlich freuten sich die Eltern über die neuen Spielplätze, wünschen sich aber mehr Sicherheit für große Kletterer und mehr Spielangebote für die kleineren Kinder. © ZVW/Gabriel Habermann

Schorndorf. Ziemlich laut und ziemlich harsch war zuletzt von manchen Eltern Kritik an den neuen Gartenschau-Spielplätzen zu hören – am Rande der Klettergerüste und vor allem in den sozialen Netzwerken. Deshalb hatte die Stadtverwaltung den Spielplatz-Planer Robin Wagner und interessierte Eltern zum Gespräch geladen. Die Resonanz fiel mager aus. Gerade mal zwei Familien stellten sich dem Gespräch.

Monatelang haben die Schorndorfer Familien auf ihre beiden Innenstadtspielplätze gewartet, immerhin gab’s eine recht lange Bauphase. Die Vorfreude war groß, viel wurde erwartet, die Gartenschaukarten waren gekauft. Seit Schloss- und Stadtpark endlich wieder geöffnet sind, gibt’s kein Halten mehr. Die Familien holen sich ihren „Schloss-Spieli“ zurück.

Die Kinder stürzen sich täglich aufs Wasserspiel, die Großen beklettern den riesigen Turm. Die Eltern genießen die mobilen Sitzsäcke, die am Rand des Spielplatzes Gemütlichkeit herstellen, nutzen gerne das Gastroangebot und die nahen WCs. An sich könnte alles ganz wunderbar sein.

Kletterturm ist schwer einsehbar, hat zu wenig Haltegriffe

Doch im Laufe der Zeit kamen immer mehr Kritikpunkte auf: zu gefährlich, zu eintönig, zu wenig Spielmöglichkeiten für die kleinen Spielplatzkinder zwischen ein und fünf Jahren. Immerhin – der Kletterturm, der einem mittelalterlichen Fort nachempfunden sein soll, ist nicht nur hoch, er ist auch recht herausfordernd zu bespielen. Schon den Einstieg in den Turm schafft nicht jedes Kind. Aber gut so, immerhin gelangen auf diese Weise nur solche Kinder hinauf, die auch dem weiteren Verlauf des Klettergerüstes gewachsen sind.

Was dann aber hinter den Holz- und Betonwänden geschieht, entzieht sich den Blicken der Eltern. Das wiederum macht so manchen Erziehungsberechtigten unruhig. Dies vor allem angesichts der Tatsache, dass einige Halbstarke es schon geschafft haben, ganz oben auf den Turm zu kraxeln. „Da sind schon fünf, sechs Jungs oben rumgeklettert“, hat Mutter Lisa Pilz beobachtet. Sie mag sich gar nicht ausmalen, was passieren könnte, wenn Kinder von dort oben herunterstürzen und gar auf andere Kinder fallen.

Zudem hat sie schon beobachtet, wie kleinere Geschwister versuchten, hinter den Großen dort hinaufzugelangen. Spielplatzplaner Robin Wagner von „kukuk.freiflug“ gefiel diese Information tatsächlich nicht. „Das ist nicht so gedacht“, konstatierte er. Falls der Zugang zum Turmdach tatsächlich für die breite Masse an Kindern zu leicht zu erreichen sei, müsste man hier nachbessern und eine Sicherung einbauen. Würden es nur ganz wenige besonders fitte Kinder schaffen, könnte man das akzeptieren.

Risiko spornt Kinder zu Höchstleistungen an

Aber auch bei den Einstiegsbereichen ins Klettergerüst, die sich zum Teil in großen Höhen befinden, würde die eine oder andere zusätzliche Haltestange den Kindern mehr Sicherheit geben, schlug Lisa Pilz vor. Oberbürgermeister Matthias Klopfer wandte ein: „Nichts ist langweiliger als ein Spielplatz ohne Risiko.“ Das sieht auch die engagierte Mutter grundsätzlich so. Auch ihre sechsjährige Tochter genießt die Herausforderungen und zu überwindenden Risiken. Gleichzeitig findet ihre Mutter aber, dass diese nicht unnötig gefährlich sein müssten. Auf dem Holz-Lkw des alten Spielplatzes seien die Kinder auch herumgeklettert und hätten sich erprobt. „Das hatte aber ganz andere Dimensionen!“ Die große Fallhöhe in Verbindung mit der stark reduzierten Anzahl von Haltegriffen gefalle ihr gar nicht.

Um all das besser beurteilen zu können, möchte Spielplatz-Planer Wagner kommende Woche mit Kollegen anreisen und den Spielbetrieb beobachten. Wo es Sicherheitsmängel gebe, würde man gerne nachrüsten. Grundsätzlich sei es normal, dass Spielplätze im öffentlichen Raum anders genutzt würden, als es zunächst von den Planern ursprünglich gedacht worden sei.

Und OB Klopfer wies noch einmal auf die Aufsichtspflicht der Eltern hin. Merve Stöckle, die zusammen mit ihrem Mann Frieder und dem Spielplatzverein einst die Schorndorfer Spielplatzlandschaft revolutioniert hat, merkte hierzu an: „Ein kleines Kind darf auf schwierige Geräte nicht hochkommen und die Eltern dürfen ihnen auch nicht hochhelfen. Die sollen sich ganz raushalten.“ Gleichzeitig gehörten gewisse Risiken zum Spielplatz dazu, ohne sie würden Spielplätze jeden Reiz verlieren. Auch SPD-Stadträtin Heidi Rapp, die mit ihren Enkelkindern die Spielplätze besucht, schätzt den herausfordernden Charakter der Spielgeräte. Der sorge nämlich dafür, dass selbst der große Enkel von elf Jahren noch Spaß an den neuen Anlagen habe.

Kritik gibt es auch an der Auswahl der Spielgeräte

Der zweite große Kritikpunkt bezieht sich auf die Auswahl an Spielgeräten. Für die Kleinen gebe es zu wenig Angebote. Merve Stöckle kritisierte auch, dass es zu wenige Möglichkeiten zum gemeinsamen Spiel gebe. Und wo denn der Holz-Zug vom alten Schlossspielplatz sei, wollte Mutter Tanja Schniebs wissen. Herbert Schuck dazu augenzwinkernd: „Den haben wir nicht mehr durch den TÜV bekommen.“ Das in die Jahre gekommene Spielgerät ist inzwischen zerlegt, so manches Holzteil mag in Zukunft in anderen Geräten verbaut werden. Dafür soll die alte Sechseck-Reifenschaukel vom Stadtpark voraussichtlich an anderer Stelle wieder aufgebaut werden.

Tanja Schniebs vermisst für ihren jüngsten Spross zudem die kleinen Wipptiere und eine Wippe. Diese Geräte seien von all ihren drei Kindern bisher bestens angenommen worden. Weil die durchschnittliche Verweildauer auf den Wackeltierchen laut Studien recht gering ist, wurden bisher keine neuen installiert. Allerdings: Herbert Schuck von der Stadtverwaltung lässt da mit sich verhandeln: „Solche Tiere aufzustellen ist das kleinste Problem.“ Und auch sonst findet Schuck: „Kein Spielplatz muss so bleiben, wie er einmal geplant worden ist.“ Wenn es Wünsche gebe, könnten die geprüft werden.

Immerhin: Die vermisste Kleinkindschaukel wurde inzwischen sowohl im Schlosspark als auch im Stadtpark aufgehängt. Tanja Schniebs freut das sehr. „Das ging wirklich schnell.“ Dennoch sei das Angebot für die Kleinen unter drei wirklich schmal, das hört auch Tim Schopf, Leiter des Kinderhauses am Schloss, immer wieder von den Eltern seiner Schützlinge. Planer Wagner kennt das Problem, hält es aber nahezu für unmöglich, einen Spielplatz zu schaffen, der sowohl den unter Dreijährigen als auch den Zwölfjährigen tauge. „Allen kann man nicht gerecht werden.“


Stadtpark-Idyll

Immerhin: Der Spielplatz im Stadtpark kam erheblich besser weg. Schließlich gibt’s hier am Piratenschiff einen riesigen Sandkasten mit Wasserspielplatz, den größere wie kleinere Kinder lieben und der bald mittels eines Sonnensegels beschattet wird. Einzig fehlt bisher noch die Lieferung.

Neben der futuristischen Rutsch-Pusteblume im Kiesbett gibt’s Kletter- und Rutschelemente für Kleinkinder. Verstecken spielen können zwischen den Holzelementen sämtliche Kinder.


"Nicht konstruktiv"

Ein Kommentar von ZVW-Redakteurin Michaela Kölbl

a wird auf den Sitzbänken entlang der Spielplätze und vor allem auf Facebook gemeckert und geschimpft. Da werden Verantwortliche als ahnungslos und an Kindern uninteressiert bezeichnet, es gehe ihnen nur um die Optik. Eltern der verschiedenen Lager streiten sich online. Also bieten Stadtverwaltung und Spielplatz-Planer einen Gesprächstermin an, damit man offen über Kritik und Wünsche sprechen kann. Und dann kommen zwei Mütter.

Wer solche Gesprächsangebote ignoriert, hat sein Recht auf zukünftiges Schimpfen verwirkt.