Schorndorf

Endlich wieder Kühe in Weiler

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Nadine und Stefan Guse, Heiko und Susanne Zobler sind begeistert von Clara, Paula, Coco und Polly – und ihre Kinder und die aus der Nachbarschaft erst recht. © ZVW/Gabriel Habermann
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Endlich wieder Kühe in Weiler! Die Kinder freut es.
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Streicheleinheiten für die Kühe.

Schorndorf-Weiler. Wirtschaftlich ergeben die beiden Kühe und ihre Kälber keinen Sinn. Doch es kann auch nicht immer nur ums Geldverdienen gehen. Von Paula und Clara und ihren beiden süßen Töchterchen Polly und Coco sind alle begeistert: Endlich wieder Kühe in Weiler! Die Kinder lieben ihr Kuschelfell und das lustige Muhen. Zoblers sind hin und weg – und Spaziergänger, die am Stall unter den Buiterswiesen vorbeikommen, fühlen sich schon mal zum Dauerstreicheln genötigt.

Eigentlich war der Plan ganz rational: Über den Sommer wollten Heiko und Susanne Zobler drei eineinhalbjährige Rinder auf den weit verstreuten Streuobstwiesen grasen lassen, die zu ihrem landwirtschaftlichen Betrieb rund um Weiler gehören. Und da auch ihre Nachbarn, Nadine und Stefan Guse, Interesse zeigten an Fleisch von Tieren, die nicht in Mega-Ställen gehalten werden, war klar: Im Herbst werden Emma, Paula und Clara geschlachtet. Nur dumm, dass sie ihren Rindern bei ihrem Einzug nach Weiler Namen gegeben haben – in Erinnerung an Paula, Clara und Emma, die letzten drei Weilermer Kühe, die Werner Müller bis vor fünf Jahren in seinem Stall gehalten hat.

Polly und Coco: Natürlich gezeugt im Winterquartier

Und ehe sich’s Zoblers und Guses versahen, hatten sie die Tiere in ihre Herzen geschlossen. Emma wurde im Januar zwar geschlachtet und die 200 Kilogramm Fleisch unter den Nachbarn aufgeteilt. Bei Paula und Clara kommt das aber nicht infrage – zum Glück sind sie für den Fleischmarkt auch uninteressant geworden, seitdem sie Kälber haben. Und die haben sie auch nicht nach einer künstlichen Besamung durch den Tierarzt zur Welt gebracht. In ihrem Winterquartier auf dem Kieselhof bei Öschelbronn kamen Paula und Clara – ganz natürlich – mit Bulle Markus zusammen. Ihre Kälber haben sie dann mitten auf der Wiese unterm Buiters bekommen, ebenfalls ohne Hilfe des Tierarztes. Polly kam am 3. September zur Welt, Coco eine Woche später. Mittlerweile haben die beiden ordentlich an Gewicht zugelegt – und sind die Lieblinge aller Kinder.

Und für die, sagt Heiko Zobler, macht er sich auch die ganze Mühe und Arbeit: Als er kürzlich beim Elternabend in der Grundschule eine ganze Wand voller Aufsätze gesehen hat, in der die Klassenkameraden seines Sohnes Lian über die Weilermer Kühe ins Schwärmen geraten sind, wusste er, dass es die richtige Entscheidung war, nach 16 Jahren Pause wieder Rinder zu halten. Mit allem, was dazugehört: Zweimal am Tag müssen Kühe und Kälber gefüttert und täglich mit einem Kubikmeter Wasser versorgt werden. Wegen der Kälber muss auch der Stall, den Zoblers in diesem Sommer extra zwischen Streitackerweg und Buiters gebaut haben, täglich ausgemistet werden. Dazu kommt: Im Schnitt müssen neue Wiesenabschnitte alle zehn Tage umweidet werden. Dass Zoblers und Guses Kinder da mithelfen, ist klar – und auch die Nachbarskinder können vom Kuschel-Fell der Kühe, vom lustigen Muhen und den „total süßen“ Kälbchen gar nicht genug bekommen. Ehrensache, dass auch sie beim Kühefüttern und Zäunesetzen dabei sind.

Ganz Weiler freut sich an den Kühen

Doch es sind nicht nur die Kinder. Wie es scheint, freut sich ganz Weiler an den Kühen: Susanne Zobler weiß von einem alten Herrn, der jeden Tag zum Kuhstall läuft – „und keinen Schritt weiter“. Einmal hat sie einen Spaziergänger beobachtet, der von den Kühen zum Dauerstreicheln regelrecht genötigt wurde. Kindergartengruppen kommen vorbei und Schulklassen. Auch Nadine Guse, die jeden Tag bei den Kühen ist, genießt die ruhige und entspannte Art der Tiere. „Das ist die Attraktion hier“, sagt Susanne Zobler und ist froh, dass der neue Stall wegen Lieferschwierigkeiten noch immer kein Tor hat: „Sonst könnte man die Kühe vom Weg aus gar nicht sehen.“

Für die Zoblers, die bis zum Jahr 2003 noch eine klassische Milchkuhhaltung auf ihrem Bauernhof an der Bahnhofstraße hatten, sind die neuen Rinder wie Haustiere – im XXL-Format. Nur über die Wintermonate werden sie sich wieder von ihnen trennen: Weil ihr Stall nicht winterfest ist, geht’s für Paula, Clara, Polly und Coco von November bis Ende April wieder ins Winterlager, aber nicht zu Bulle Markus nach Öschelbronn, sondern ganz harmlos zu Klaus Bäßlers Mutterkuh-Herde in Manolzweiler.

Zum landwirtschaftlichen Betrieb der Familie Zobler gehören Ackerbau und Streuobstwiesen. Seit neuestem gibt es vor dem Bauernhof an der Bahnhofstraße auch einen kleinen Hofstand mit saisonalen Produkten. Und Wochenmarkt-Kunden wissen: Seit vielen Jahren hat Heiko Zoblers Mutter Paula auch einen Stand auf dem Wochenmarkt in Schorndorf.

Schorndorf-Weiler. Wirtschaftlich ergeben die beiden Kühe und ihre Kälber keinen Sinn. Doch es kann auch nicht immer nur ums Geldverdienen gehen. Von Paula und Clara und ihren beiden süßen Töchterchen Polly und Coco sind alle begeistert: Endlich wieder Kühe in Weiler! Die Kinder lieben ihr Kuschelfell und das lustige Muhen. Zoblers sind hin und weg – und Spaziergänger, die am Stall unter den Buiterswiesen vorbeikommen, fühlen sich schon mal zum Dauerstreicheln

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