Schorndorf

Endlich wieder Livemusik: Im Jazzclub "Session 88" fängt die Hütte Feuer

JazzclubIGrooved
Mit gebotenem Abstand, aber endlich live! Marius und Justinus Feilhauer, Christian Bolz, verdeckt Thomas Göhringer und Max Gerwien. © Gaby Schneider

Nach all den Monaten, zum ersten Mal wieder live auf der Bühne. Pause nach dem ersten Set. Wir schauen in die Garderobe, sehen dort die innig erleuchteten Gesichter der Musiker und fragen, wie es sich für sie anfühlt. Was kommt, ist ein erlöstes, gerade so als wolle man die höchst musikfeindlichen Viren-Götter nicht reizen, wie ungläubig hingeflüstertes: „Super!“

„iGrooved“ also machten den Anfang im Jazzclub Session 88 nach dem Lockdown. „Es war für den Club ein wenig wie eine Trockenprobe“, meint Marius Feilhauer am Morgen danach bescheiden, „wie man unter Einhaltung der Vorsichtsregeln, den Livebetrieb wieder aufnehmen kann.“ Nur eine Trockenprobe? Nein, es war schon etwas mehr. Denn je länger der Abend dauerte, desto mehr fing die Hütte wieder Feuer.

„Livekonzert“ – das heißt, mit dem ganzen Körper und allen Sinnen

Nicht das Virus, sondern die Virtuosität der fünf jungen Musiker infizierte das Publikum, das bald füßchenwippend dem treibend-lässigen Funk-Groove der Band Tribut zollte. Denn „Live“ – das heißt, fast hatte man’s vergessen: mit dem ganzen Körper und allen Sinnen!

Als „Fusion“ wird denn auch die Musik bezeichnet, der sich „iGrooved“ verschrieben hat. Eine so ab etwa 1970 sich entwickelnde, verschmelzende Zusammenführung von Jazz, Rock, Funk und Latin, die vor allem auch mit ihrer Integration unterschiedlichster rhythmischer Traditionen bis heute Body and Soul zu fesseln vermag.

In jeder Hinsicht also Lockerungsübungen in eher verstockten Zeiten, die hier im Jazzclub Session 88 ganz im Geiste ihres Gründers Dieter Seelow mit mitreißender Hingabe gefeiert wurden.

Eine atemberaubende Überraschung an den Percussions

Vom Urbacher Marius Feilhauer, der schon als Schüler in der MPG-Big-Band aufhorchen ließ, an den Keyboards. Mal lyrisch am Flügel, mal perkussiv am E-Piano und Synthesizer und seinem Bruder Justinus am satt federnden E-Bass. Für den gesundheitlich angeschlagenen Bernd Baur sprang Christian Bolz am elegisch-ekstatischen Saxofon ein. So treibend, wie das Geschehen verankernd, wirbelte Thomas Göhringer am Schlagzeug. Und schließlich der junge Max Gerwien an den Percussions – als wahrhaft atemberaubende Überraschung!

Und nach einem tasten-fragenden Beginn begann sich die Band großartig zu steigern. Natürlich hat das mit dem Publikum zu tun, das nach einem Solo anerkennend klatschte. Und natürlich ist es der Applaus, der den Musikern bei einem Livekonzert den Kick gibt. Und so erweist sich noch jedes wirklich gelungene Konzert als Dialog zwischen den Künstlern und ihrem offenen Publikum.

So auch an diesem Abend, als der Percussionist Max Gerwien zum großen Schlag ausholte. Dachte man zuerst: Na der steuert halt im Hintergrund ein paar rhythmische Farbtupfer zum gemeinsamen WG-Essen bei, so konnte man es denn kaum fassen, wie gerade er mit einem inspirierten, grandiosen Solo dann doch an den Punkt kam, den ein wirkliches Konzert ausmacht: Die Hütte begann auf einmal zu brennen. Das Publikum geriet aus dem Häuschen. Feuerte an. Und da war sie: Die Magie, derentwegen wir unsere Wohnungen verlassen und immer wieder die Clubs und Konzerthallen aufsuchen.

Ja, wir brauchen Musik

Es ist die durch Künstler vermittelte Intensität, die glücklich erfahrbar macht, dass da mehr zum Leben gehört, als nur Arbeit oder brav zu funktionieren. Ja, wir brauchen Musik.

Und genau das vermittelte auch Jazzclub-Prinzipalin Sabine Seelow, die freudestrahlend am Eingang die Besucher begrüßte und die Regeln erklärte, zu deren Einhaltung alles bestens arrangiert war. „Großer Dank ans Team vom Jazzclub“, lobte denn auch Justinus Feilhauer, „das keine Mühe gescheut hat, uns diesen Abend zu ermöglichen“.