Schorndorf

Entlaufener Hund verzweifelt gesucht

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Traumhund Leandro, nur leider entlaufen – und niemand weiß, wo er gerade ist. © Wörner
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Leandro wird von seinem Frauchen verzweifelt gesucht.
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Rund 400 solcher Flyer haben Kim Wörner und ihre Freunde auf Anraten der Initiative „Hund entlaufen Baden-Württemberg“ in den letzten Tagen schon verteilt.

Schorndorf. Leandro ist weg – und wird verzweifelt gesucht. Leandro ist ein achtjähriger Boxer-Dogge-Mischling, der am 1. September aus der Wohnung seiner Besitzerin Kim Wörner in der Gmünder Straße ausgebüxt und seither verschwunden ist. Was so nicht ganz stimmt, weil der Rüde immer mal wieder gesichtet worden ist – mal in Winnenden, mal in Weinstadt, mal wieder in Schorndorf. Nur seiner wieder habhaft zu werden, das haben die vielen, die mittlerweile in weitem Umkreis nach ihm suchen, noch nicht geschafft.

Bevor Leandro nach Schorndorf und – über eine ebay-Kleinanzeige – zu Kim Wörner kam, hat er zunächst einmal drei Jahre in einem bayerischen Tierheim und dann fünf Jahre in einem Privathaushalt gelebt (wo er allem Anschein nach vegetarisch ernährt wurde), ehe er wieder im Tierheim landete. Ursprünglich war er wahrscheinlich mit Hilfe von Tierschützern von Spanien nach Deutschland gekommen. Über besagte Anzeige ist er von der 23-jährigen Kim Wörner schließlich entdeckt und nach Schorndorf geholt worden, wo er sich binnen weniger Tage wunderbar eingelebt hat. Wörner war früher selber als Tierschützerin aktiv gewesen und hatte gemeinsam mit ihrer Mutter immer wieder Pflegehunde betreut, „Er ist ein Traumhund“, schwärmt Kim Wörner von Leandro, der sich nicht nur auf Anhieb mit den zwei Katzen in der Wohnung bestens vertragen hat, sondern sich auch im Umgang mit Pferden und Kindern als ausgesprochen verträglicher Bursche erwiesen hat. Und wenn Kim Wörner mit ihrem Hund – dem ersten eigenen in ihrem Leben, weil das vorher von der Entfernung zwischen Arbeitsplatz zur Wohnung nicht gepasst hat – spazieren gegangen ist, konnte sie ihn auch schon ableinen und frei laufenlassen. Und wenn sie ihn zurückgepfiffen hat, dann hat er artig gehorcht.

Von der Polizei verfolgt, im Gebüsch versteckt – und doch wieder weg

Das große Glück freilich währte nur ein paar Tage. Denn als Kim Wörner am 1. September kurzzeitig die Wohnung in der Gmünder Straße verlassen hat, hat Leandro die Wohnungstür aufgemacht und ist weggelaufen. Streckenweise mitten auf der Straße, weshalb Passanten gleich die Polizei gerufen haben, die aber zu spät kam. Und Kim Wörner selber hat ihren Hund vom Auto aus noch Richtung Mittlere Brücke laufen sehen, konnte ihn aber ebenfalls nicht aufhalten. Und seither ist der Mischling im Raum Schorndorf und ein gutes Stück darüber hinaus unterwegs, wenn man den zahlreichen Augenzeugen Glauben schenken darf, die das Tier schon an den verschiedensten Orten gesehen haben wollen: in Urbach, Richtung Haubersbronn, aber auch in Hößlinswart und sogar beim Globus-Markt in Weinstadt und bei der Rems-Murr-Klinik in Winnenden. Und immer dann, wenn Kim Wörner oder einer ihrer Freunde, die über Facebook und eine Whats-app-Gruppe kommunizieren, eine derartige Nachricht bekommen, machen sie sich – je nachdem, wie sie gerade im Geschäft abkömmlich sind – auf, um den entsprechenden Hinweisen nachzugehen und das entsprechende Gebiet abzusuchen.

Fast hätte sie ihn gehabt

Ihrem Leandro am nächsten gekommen ist Kim Wörner am vergangenen Freitag, als ihr Hund tatsächlich in der Gmünder Straße, also nahe seines Zuhauses, gesichtet wurde, sich dann aber zur erneuten Flucht entschieden hat, als die wiederum von Passanten herbeigerufene Polizei auftauchte. Von der Polizei durch die ganze Stadt verfolgt, hat er sich dann in einem Gebüsch nahe des Tuscaloosa-Kreisels verkrochen. Aber obwohl zwei Polizeibeamte vor und hinter dem Gebüsch Position bezogen hatten und Kim Wörner mittlerweile selber auch vor Ort war, hat es der Hund wieder vorgezogen und geschafft, abzuhauen und das Weite zu suchen. Das Tier ist inzwischen offensichtlich sehr scheu und verstört und hört wohl auch nicht mehr auf seinen Namen; zudem ist er mit seiner Besitzerin nach nur ein paar Tagen des Zusammenlebens ohnehin noch nicht so vertraut.

Einen anderen Hund gesichert und seinen Besitzern zurückgebracht

„Das war ärgerlich und ist echt blöd gelaufen“, sagt die 23-jährige Hundebesitzerin. Sie hat mittlerweile gemeinsam mit ihren Freunden, die sie bei der Suche nach Leandro unterstützen, rund 400 Flyer verteilt und geht optimistisch immer noch davon aus, dass sich Leandro im Großraum Schorndorf aufhält – zumal er erst am Mittwochabend wieder in Urbach gesehen worden sein soll. Wobei nicht jeder freilaufende Hund, der gesichtet und gemeldet wird, gleich Leandro sein muss. Als Kim Wörner kürzlich nachts in die Aichenbachsiedlung gerufen worden ist, war da zwar ein Hund unterwegs, der aber nicht der gesuchte Mischling war. Gleichwohl war der nächtliche Einsatz nicht umsonst, weil sich der dort angetroffene Hund von Kim Wörner und ihren Helfern sichern lassen hat und dank einer auf dem Halsband angebrachten Telefonnummer zu seinen Besitzern zurückgebracht werden konnte.

Die Besitzerin gibt nicht auf

Entmutigen lässt sich Kim Wörner nicht. Je mehr Leute von der Suche nach Leandro wissen, umso besser, meint die 23-Jährige, die auch schon den einen oder anderen Jäger sensibilisiert hat, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass ihr Hund mittlerweile so verschreckt ist, dass er sich vorzugsweise bei Dunkelheit bewegt. Deshalb auch die Bitte von Kim Wörner, Leandro, sollte man ihn irgendwo sehen, nicht hinterherzurennen, sondern idealerweise ein Handyfoto machen und unter einer der oben genannten Telefonnummern den Standort melden, damit der Bereich, in dem er sich aufhält, möglicherweise eingegrenzt werden kann. Was auch deshalb wichtig wäre, weil Leandro, nachdem er jetzt schon seit rund zwei Wochen unterwegs ist – ein Augenzeuge will festgestellt haben, dass er hinkt –, wohl nur noch mit einer sogenannten Lebendfalle wieder eingefangen werden könnte, in die er sich auf der Suche nach Futter verirren müsste. Was in diesem Fall ein Glücksfall wäre.

Verzweifelt gesucht

Aktiv unterstützt bei der Suche nach Leandro werden Kim Wörner und ihre mittlerweile rund 15 Personen starke „Leandro-Community“ von der ehrenamtlichen Initiative „Hund entlaufen Baden-Württemberg“, die sich auf solche Suchaktionen und die gegebenenfalls erforderliche „Hundesicherung“ gerade auch mit Lebendfallen spezialisiert hat.

Die von einer Gruppe von Frauen getragene Initiative geben Besitzern entlaufener Hunde zunächst einmal Tipps, wie eine Suchaktion sinnvollerweise organisiert sein sollte und was bei der Suche eher hilft oder eher schadet.

Eigenem Bekunden zufolge sind 80 Prozent der von „Hund entlaufen Baden-Württemberg“ koordinierten und unterstützten Suchaktionen erfolgreich. Wobei sich Kim Wörner sagen lassen hat, dass so eine Suche auch noch nach zwei oder drei Monaten erfolgreich sein kann.

Es sei, sagt Kim Wörner, „schön zu sehen, wie viele Leute bei der Suche nach Leandro mithelfen“.