Schorndorf

Erhöhtes Unfallrisiko bei Einsatzfahrten der Blaulicht-Fraktion: Zwei Polizeiautos krachen ineinander

POLIZEIUNFALL: Wer hatte hier Vorfahrt? - Crash zweier Streifenwagen fordert hohen Sachschaden
Am Montagabend sind an der B-29-Anschlussstelle Schorndorf-West zwei Polizeiautos ineinandergekracht. © 7aktuell.de | Kevin Lermer

Bei der Verfolgung von fünf jugendlichen Einbrechern in eine Gartenhütte in Winterbach sind am Montagabend in der B-29-Auffahrt Schorndorf-West zwei Polizeifahrzeuge ineinandergekracht. Der Blechschaden summiert sich auf 18 000 Euro. Unfälle bei Einsätzen der Blaulicht-Fraktion kommen vor. Dass zwei Kollegen jedoch miteinander kollidieren, ist allerdings recht selten.

Die beiden Streifenwagen waren gegen 20 Uhr von Schorndorf nach Winterbach unterwegs. Ein Zeuge hatte beobachtet, wie fünf Jugendliche in eine Gartenhütte am Ostlandkreuz einbrachen. Er verständigte die Polizei. Beim Eintreffen der ersten Streife flüchteten die Einbrecher. Zwei Tatverdächtige im Alter von 16 und 17 Jahren konnten nach kurzer Verfolgung festgenommen werden, den anderen drei Personen gelang die Flucht. Das Polizeirevier Schorndorf hat die Ermittlungen aufgenommen.

Erst gar nicht zum Einsatzort in Winterbach schafften es die Besatzungen zweier Streifenwagen, als sie gleichzeitig den Zubringer zur Bundesstraße befuhren. Beim Fahrstreifenwechsel übersah ein Fahrer den links neben ihm fahrenden Streifenwagen, heißt es im Polizeibericht über den Unfall. Die Fahrzeuge kollidierten und waren nach dem Unfall nicht mehr fahrbereit.

Unberechenbare Autofahrer

Einsatzfahrten sind unfallträchtig, weiß Kreisbrandmeister René Wauro. Doch es handelt sich bei den Feuerwehren seiner Erfahrung nach eher um Einzelfälle. Laut Gutachten von Unfallforschern sei die Gefahr für Sachschäden bei Einsatzfahrten mit Blaulicht und Martinshorn 17-mal höher als im normalen Straßenverkehr; für Unfälle mit Schwerverletzten liege die Gefahr achtmal und für Unfälle mit Todesfolge viermal höher.

Die größte Unfallgefahr für die Feuerwehrleute gehe dabei von den unberechenbaren Verkehrsteilnehmern aus, sagt René Wauro. Kein Wunder. Mit Blaulicht und Martinshorn sind Autofahrerinnen und Autofahrer recht selten konfrontiert und wissen deshalb oft nicht, wie sie sich richtig verhalten sollen. Das eine Auto weicht nach rechts aus, das andere nach links - und der Weg für den Kreisbrandmeister bleibt dennoch versperrt, kennt Wauro das Tohuwabohu, wenn er mit Tatütata von hinten kommt. Es ist übrigens durchaus erlaubt, an einer Kreuzung auch mal eine rote Ampel zu überfahren, um Platz für Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei zu schaffen.

Auffällig oft werden die Einsatzfahrzeuge erst sehr spät bemerkt. Wauro vermutet, dass in vielen Autos die Musik zu laut spielt oder die Fahrer mit Telefonieren beschäftigt sind. Der Einsatzfahrer müsse damit rechnen, dass in solchen Fällen der Vordermann vor Schreck auf die Bremsen tritt oder einen Schlenker macht.

Einsätze sind kein Freifahrschein für die Fahrer der Feuerwehrautos, betont der Kreisbrandmeister. Die Straßenverkehrsordnung schreibe eine „angepasste Geschwindigkeit“ vor. Das gelte auch im Fall eines Einsatzes, was in Tempo-30-Zonen eben ausschließt, 50 oder 60 km/h zu rasen. „Das A & O ist vorausschauendes Fahren“, sagt der Kreisbrandmeister. Bei den Fahrern der Feuerwehrautos werde Erfahrung und charakterliche Eignung vorausgesetzt und es würden ihnen auch Sicherheitstrainings angeboten.

Wauro sind in den vergangenen fünf Jahren keine Anzeigen gegen Einsatzfahrer bekanntgeworden. Er erinnert sich jedoch an den Fall eines Feuerwehrmannes, der auf dem Weg zum Gerätehaus in eine Radarfalle geriet. Kleinere Ordnungswidrigkeiten im Zusammenhang mit Einsätzen, wie zum Beispiel falsches Parken, werden in aller Regel niedergeschlagen.

Unfälle bei Einsätzen der Rettungsdienste sind selten, sagt Marco Flittner, Leiter Rettungsdienst des DRK Rems-Murr. „Unfälle dieser Art und Ausprägung mussten wir in den letzten Jahren glücklicherweise nicht verzeichnen.“ Hauptursachen für Unfälle sind aus seiner Sicht die unkalkulierbaren Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer auf ein Einsatzfahrzeug, das sich mit Sondersignal nähert. „Unsere Einsatzkräfte müssen immer mit untypischen und teils auch hektischen Reaktionen anderer Verkehrsteilnehmer rechnen.“ Das vom Roten Kreuz angebotene Fahrsicherheitstraining sorge für Sicherheit beim Führen der Einsatzfahrzeuge in anspruchsvollen Situationen. Hierzu zählen die Fahrten mit Sondersignal definitiv. Solche Einsatzfahrten brächten zwangsläufig ein höheres Unfallrisiko mit sich, sagt Flittner.

154 Unfälle mit Polizeiautos

Dieses erhöhte Unfallrisiko schlägt sich auch in der Polizeistatistik nieder: Bei Einsatzfahrten der Polizei hat es im vergangenen Jahr 154-mal gekracht. Ein Jahr zuvor hatte es in den drei Landkreisen des Polizeipräsidiums Aalen 131 Verkehrsunfälle gegeben. Den Sachschaden im Jahr 2020 beziffert die Polizei mit rund 400.000 Euro (2019: 200.000 Euro). Diese Zahlen relativieren sich jedoch beim Blick, wie viele Kilometer die mehr als 300 Fahrzeuge jährlich unterwegs sind: nämlich rund 5,3 Millionen. Die Unfälle sind teils fremdverschuldet, teils passieren sie auch aus Unaufmerksamkeit beim Rangieren, Rückwärtsfahren oder Wenden, teilt die Pressestelle des Präsidiums auf Anfrage mit.

Im Zusammenhang mit Einsatzfahrten war die Polizei im Jahr 2020 an vier Verkehrsunfällen beteiligt, von denen zwei eigen- und zwei fremdverschuldet waren. Die Erfahrung zeigt, dass Verkehrsteilnehmer oftmals erst spät reagieren, um „freie Bahn zu schaffen“. Dabei müssten die Polizistinnen und Polizisten auch immer mit überraschenden Reaktionen rechnen. „Oftmals bremsen Verkehrsteilnehmer unvermittelt stark ab oder halten an ungeeigneten und unübersichtlichen Stellen an, anstatt geeignete Stellen zu nutzen.“

Bei der Verfolgung von fünf jugendlichen Einbrechern in eine Gartenhütte in Winterbach sind am Montagabend in der B-29-Auffahrt Schorndorf-West zwei Polizeifahrzeuge ineinandergekracht. Der Blechschaden summiert sich auf 18 000 Euro. Unfälle bei Einsätzen der Blaulicht-Fraktion kommen vor. Dass zwei Kollegen jedoch miteinander kollidieren, ist allerdings recht selten.

Die beiden Streifenwagen waren gegen 20 Uhr von Schorndorf nach Winterbach unterwegs. Ein Zeuge hatte beobachtet, wie

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