Schorndorf

Erster Einsatz in Paraguay

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Angehende Feuerwehrleute: Maria Elena Dubberke (links) mit einem Teil ihrer Mannschaft. © Dubberke
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Erster Einsatz im April: Die Halle einer Yerba-Mate-Fabrik hatte Feuer gefangen.
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Warum die Pumpe beim ersten Einsatz kaputt ging, ist unklar. Klar ist, dass eine Neue her muss.
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Feuerwehrauto für Paraguay
Maria-Elena Dubberke, hier noch in Deutschland, mit ihrem damals frisch erworbenen Feuerwehrauto, das einst treue Dienste für die Feuerwehr Beutelsbach leistete. © Alexandra Palmizi
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Vieles ist improvisiert: Grundausbildung der künftigen Feuerwehrleute.

Schorndorf/Carlos Pfannl. Der Traum der ehemaligen Miedelsbacherin Maria-Elena Dubberke von einer Feuerwehr in ihrer neuen südamerikanischen Heimat ist bald verwirklicht. Die Grundausbildung ist bereits im Gange, eine Kommission wurde gegründet. Und auch den ersten, noch recht improvisierten Einsatz hat sie nun hinter sich.

Seit Ende Oktober lebt die 17-Jährige bereits in Paraguay. In die deutsche Kolonie Carlos Pfannl ist sie zusammen mit ihren Eltern und „El rojo“ ausgewandert . So nennt Maria-Elena ihr Feuerwehrauto, das sie aus Deutschland mitgenommen hat und einst der Beutelsbacher Wehr als Einsatzfahrzeug diente. Ihr großes Ziel: eine Feuerwehr in dem dünn besiedelten ländlichen Gebiet. Die gibt es dort nämlich bislang nicht.

Maria-Elena und ihr knallrotes deutsche Feuerwehrauto mussten nicht lange auf einen Einsatz warten. Mitte April hatte die Halle einer Yerba-Tee-Fabrik Feuer gefangen. Zum Glück wurde dabei niemand verletzt. Das Feuer ist auch nicht auf die anliegenden Räume und das Wohngebäude übergesprungen. Die Feuerwehrleute hatten den Brand schnell unter Kontrolle.

„Alle haben auf mich gehört. Ich find’ das irgendwie krass.“

Den Einsatz leitete Maria-Elena, die das immer noch nicht ganz fassen kann: „Alle haben auf mich gehört. Ich find’ das irgendwie krass.“ Die 17-Jährige hat zwar schon Erfahrung bei der Miedelsbacher Jugendfeuerwehr gesammelt. Einen Einsatz geleitet hat sie aber zum ersten Mal. In Paraguay musste sie nun mit der Polizei und den Besitzern reden, die Situation und die Sicherheit ihrer Leute und der anderen Menschen im Auge behalten – aber auch vorne am Löschzug mit dabei sein und über all dem einen kühlen Kopf bewahren. Was offensichtlich gelang. „Das hab ich aber ein großes Stück weit meinen super Jugendleitern aus Miedelsbach zu verdanken, die immer mit Geduld und Freude den Stoff in der Jugendfeuerwehr vermittelt haben“, sagt sie.

Das von Maria-Elena geleitete „Notfall-Team“ besteht aus eher erfahrenen Feuerwehrleuten. Unter den neun Personen sind auch ein ehemaliger Maschinist aus Deutschland sowie ein Feuerwehrmann aus Paraguay. Dass fast alle von ihnen Deutsch sprechen, macht es für die 17-Jährige etwas leichter, das Kommando zu führen. Ansonsten ist die Feuerwehr in der deutschen Kolonie gut gemischt und besteht zu etwa gleichen Teilen aus Deutschstämmigen und Paraguayern.

Beim ersten Einsatz ging die Pumpe von „El rojo“ kaputt

Auch wenn es am Ende gut ging: Gleich beim ersten Einsatz zeigte sich, woran es vor Ort noch hakt – und was die Feuerwehrarbeit in Paraguay von der in Deutschland unterscheidet. Zu neunt sind zu dem Einsatz ausgerückt, allerdings besaßen sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht Uniformen für alle. Zum Glück hatte Maria-Elena für den Notfall aber zumindest Helme und Handschuhe im Auto.

Auch waren sie nicht die Ersten vor Ort. Der Kommandant der Feuerwehr Independencia hatte um Hilfe gerufen. Er war alleine am Brandort und hatte nicht ausreichend Wasser zum Löschen dabei. Die Besitzer der Firma behalfen sich derweil mit Wasser-Eimern, um das Feuer unter Kontrolle zu bekommen.

Als Maria-Elena ankam, war die Seitenhalle bereits komplett verraucht und es war Feuer zu sehen. Direkt wurde ein Löschangriff aufgebaut, zunächst durch die Fenster das Feuer gelöscht und die Halle heruntergekühlt. Nachdem das Deckengebälk abgebrannt und ein Stück weit herunter gefallen war, haben sich die angehenden Feuerwehrleute Zugang zur Halle verschafft. Diejenigen mit Helm, Handschuhen und Mundschutz durften dann ins Gebäude. Der Rest hat vom Fenster aus weiter gelöscht. Als auch der Tank von „El rojo“ leer war, haben sie Wasser aus einem nahelegenden Pool gesaugt.

Viel Improvisationstalent war also gefragt bei diesem allerersten Einsatz. Und dann geschah obendrein auch noch etwas Unerfreuliches. Die Pumpe von „El rojo“ ging kaputt, zum Glück erst am Ende des Einsatzes. „Was genau passiert ist, wissen wir nicht, aber das Pumpengehäuse ist aufgeplatzt“. Im Gehäuse klafft ein Loch. Im Moment sind sie auf der Suche nach Ersatz.

Die Feuerwehr ist in Paraguay ziemlich militärisch strukturiert

Mit großen Schritten geht es derweil voran in Sachen Feuerwehrgründung. Eine entsprechende Kommission wurde bereits eingerichtet und von der Gemeinde bestätigt. Nun muss sie noch ein Notar in der Hauptstadt Asunción beglaubigen. Wenn das alles durch ist, darf sich die Feuerwehr (die ja längst aktiv ist) auch offiziell so bezeichnen. Zwar sei es in Paraguay vergleichsweise einfach, einen Verein zu gründen. Ziemlich viel Papierkram sei das trotzdem gewesen, berichtet Maria-Elena. „Und die sagen einem gar nicht richtig was man braucht. Dann kommt man an, denkt, man hat alles und die schicken einen wieder weg, weil noch ein Dokument fehlt“. Wer nicht aufpasst, laufe Gefahr, übers Ohr gehauen zu werden. Weshalb sie immer Kopien der Dokumente dabei habe, falls mal etwas bei den Behörden verloren gehe.

Nach wie vor groß ist übrigens die Unterstützung aus Deutschland. Demnächst hat eine Delegation ihr Kommen angekündigt. Vielleicht lässt sich so dann auch das Problem mit der Pumpe lösen. Der nächste Einsatz kommt schließlich bestimmt.

Auch wenn noch vieles provisorisch ist in Carlos Pfannl, geht es doch deutlich sichtbar voran. Im Moment machen die Feuerwehrleute Pools und Wasserstellen ausfindig, die im Ernstfall als Löschteiche dienen könnten. Allerdings fehlt noch ein eigenes Gebäude. Im Moment dürfen sie deshalb die alte Deutsche Schule als vorläufige Feuerwache mitnutzen. Und „El rojo“, das ehemalige Beutelsbacher Feuerwehrauto? Es steht derweil bei Dubberkes Onkel in der Halle, damit er nicht der prallen Sonne ausgesetzt ist und weiter Rost ansetzt.

Harte Grundausbildung

Im Moment sind die Feuerwehrleute noch mitten in der Grundausbildung. Neun Monate dauert sie, wird von der Feuerwehr in der 40 Kilometer entfernten Kleinstadt Villarrico durchgeführt – und ist knallhart. Denn die Feuerwehr in Paraguay ist ziemlich militärisch strukturiert. Die angehenden Feuerwehrleute müssen daher nicht nur putzen, joggen, Formationen bilden oder Liegestütze machen. Es kommt auch schon mal vor, dass der Ausbilder sie in der prallen Sonne extra lange in der Stütz verbleiben lässt. Und gleichzeitig auf sie einredet, was sie hier überhaupt wollen und sie auffordert lieber gleich aufzugeben und heimzugehen. Feuerwehr in Paraguay – das ist nichts für Zartbesaitete.

Daneben gibt es theoretische Module zu Erster Hilfe, Brandbekämpfung oder der Kommunikation im Einsatz. Für die 17-Jährige, die schon Vorwissen aus Deutschland mitbringt, ist dies der deutlich einfachere Teil. Viel geht es dabei auch um Werte. „Ein Feuerwehrmann sollte ehrlich, aufrichtig, freundschaftlich, brüderlich, loyal, patriotisch, vertrauenswürdig sein und sollte moralische und ethische Werte besitzen“, lernen sie etwa. Das sei in Paraguay leider nicht selbstverständlich, sagt Maria-Elena. Es komme es vor, dass die ortsansässige Feuerwehr gerufen werde – und niemand auftauche. Seit sie nach Carlos Pfannl ausgewandert ist, hat sie schon von zwei Autobränden gehört, bei denen einfach niemand bei der Feuerwehr das Telefon abgenommen habe. Keiner fühle sich zuständig. „Es sind sicher nicht alle so, ich kenn auch das Gegenteil. Aber was hier abgeht, geht gar nicht“, findet Maria-Elena.

Wer keinen Respekt zeigt, fliegt bei Maria-Elenas Feuerwehr raus

„Nicht jeder kann Feuerwehrmann sein“, sage der Kommandant von Villarrica deshalb immer. Die 17-Jährige teilt diese Ansicht. Wenn jemand zu ihr kommt, weder Disziplin noch Respekt vor den anderen zeigt und sich einfach nur groß fühlt, schmeißt sie ihn umgehend raus.

Wer das Projekt finanziell unterstützen möchte (etwa um eine neue Pumpe zu finanzieren, kann Maria-Elena und ihrer Feuerwehr per Paypal unter folgender Adresse Geld zukommen lassen: https://www.paypal.me/DubberkeParaguay

Für potenzielle Unterstützer ohne Paypal-Account gibt es natürlich auch eine klassische Kontoverbindung: DE43 6137 0024 0050 1890 00 Bic: DEUTDEDB613. Kontoinhaber ist Martin Dubberke