Schorndorf

Es reicht: Schorndorf sagt Nein zu Montagsspaziergängen

Montagsspaziergang
Montagsspaziergänger in der Schorndorfer Innenstadt. © Benjamin Büttner

Sie haben genug von Corona-Verharmlosern und Faktenverdrehern, von Impfgegnern und Maskenverweigerern, von Montagsspaziergängern und Mitläufern: Ein breites Bündnis von Vertretern aus Politik, Kirche, Kunst und rund 75 Schorndorfer Einzelpersonen setzt ein Zeichen gegen eine laute Minderheit.

Getragen wird der Schorndorfer Appell von der Awo Schorndorf, dem Club Manufaktur, der Partei Schorndorf, der evangelischen Gesamtkirchengemeinde, den Naturfreunden, der Offenen Gesellschaft Schorndorf, dem Ortsverband Schorndorf Bündnis 90 / Die Grünen, dem Schorndorfer Bündnis gegen Rassismus und Rechtsextremismus, der SPD-Fraktion, der SPD und der Tafel Schorndorf.

Nach Angaben von Mitorganisator Gratian Riter war die Idee zu einem Aufruf an die Schorndorfer bei einem privaten Treffen entstanden und schnell auf eine breite Resonanz gestoßen. „Gerade in einer Krise ist ein gemeinsames Wertefundament wichtig, das Lösungen anbietet – geprägt durch Solidarität, Demokratie und Respekt“, schreiben die Initiatoren in ihrem Appell. „Trotz aller gebotener Distanz gilt es, zusammenzuhalten.“

„Spaziergänge lehnen wir ab“

„Wir befinden uns im dritten Jahr der Corona-Pandemie in einer weltweiten Krise“, konstatieren die Verfasser des Appells. Der Alltag in Schorndorf und der Weltgemeinschaft sei durch Unsicherheiten geprägt. „Es gibt keine einfachen Antworten auf die Fragen, die uns herausfordern“, heißt es weiter. Es sei Wesen einer demokratischen und offenen Gesellschaft, andere Meinungen zu respektieren und sich in einer steten Diskussion zu befinden.

Sachliche Kritik an Maßnahmen sei selbstverständlich erlaubt, sogar wichtig. „Aber bitte innerhalb der demokratischen Leitplanken“, fordern die Unterzeichner. Viele Menschen nähmen aber an nicht angemeldeten Demonstrationen, sogenannten „Spaziergängen“, teil. „Das lehnen wir ab. Diese Veranstaltungen halten sich nicht an die Spielregeln der Demokratie. Sie sind kein legitimer und konstruktiver Protest gegen die Corona-Maßnahmen.“

Organisiert von Rechtsextremen

Weiter heißt es im Wortlaut: „Die sogenannten „Spaziergänge“ werden bundesweit in großen Teilen von rechtsextremen Gruppen organisiert und instrumentalisiert, u.a. in der Tradition der faschistischen „Freien Sachsen“. Wer bei ihnen mitläuft, unterstützt diese Gruppen und deren menschenverachtende Ideologie, egal in welchem Ort. Eine konstruktive Auseinandersetzung mit den Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie ist so nicht mehr möglich.

Die Teilnahme an einer illegalen, als „Spaziergang“ getarnten Demonstration widerspricht dem Anliegen, seine Meinung und auch seine Kritik demokratisch äußern zu dürfen.“ Zitiert wird Innenminister Thomas Strobl (CDU) mit den Worten: „Man darf es dem anständigen Bürger zumuten, zu schauen, unter welcher Fahne er läuft, mit wem er läuft.“

Solidarisch auch mit den Kindern und Jugendlichen

Die Unterzeichnenden des Schorndorfer Appells stehen ihrem Appell zufolge für Solidarität, Respekt und Demokratie ein: „Wir sind solidarisch mit unserem Gegenüber. Wir sind solidarisch mit Menschen, die von der Erkrankung besonders bedroht sind. Wir sind solidarisch mit den Menschen, die im Gesundheitssystem arbeiten. Wir sind solidarisch mit Patientinnen und Patienten, die wegen des überlasteten Gesundheitssystems leiden müssen.

Wir sind solidarisch mit den Menschen, die durch die Pandemie finanzielle, soziale oder sonstige Einschränkungen erleben. Wir sind solidarisch mit den Kindern und Jugendlichen, die lange Zeit den größten Anteil an Einschränkungen tragen mussten.“

Impfen lassen - damit das Gesundheitssystem nicht zusammenbricht

Solidarität betreffe aber nicht nur den engeren Freundes- und Familienkreis, man trage Verantwortung gegenüber allen Menschen auf der Welt. Deswegen sei es auch wichtig, dass sich möglichst viele Menschen impfen und boostern lassen.

„Nur so schützen wir uns selbst und all diejenigen, die älter oder vorerkrankt sind. Nur so sorgen wir dafür, dass unser Gesundheitssystem nicht zusammenbricht. Nur so sind wir auch solidarisch mit den Jüngeren, denen wir den Besuch der Schule und Freizeitangebote der Vereine und Organisationen sichern wollen. Nur wenn sich möglichst viele Erwachsene impfen lassen, entsteht wieder unbeschwertes öffentliches Leben für alle.“

Auch unangenehme Fakten respektieren

„Wir respektieren Fakten, auch wenn sie unangenehm sind“, heißt es weiter. Respektiert würden aber auch die Menschen, die aus den Fakten Dinge ableiten und Entscheidungen treffen müssen. „Wir respektieren Diskussionen über die Maßnahmen, aber sie müssen in angemessenem und legalem Rahmen passieren.“ Demokratie bedeute, jeden Tag gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Auch im sachlichen Diskurs.

Dabei sei man auch bereit, Rückschritte zu akzeptieren und sich anzupassen, ohne sofort das gesamte System infrage zu stellen. Auch nach dem Ende der Pandemie werde sich die Weltgemeinschaft gemeinsam neuen Herausforderungen stellen müssen. „Indem wir unsere Werte jetzt in der Krise und auch in Zukunft hochhalten, verhindern wir die Erosion der Gesellschaft und stellen eine gute Zukunft für uns alle sicher.“

Der Appell an die Solidarität und das Demokratiebewusstsein der Menschen in Schorndorf soll nicht ohne Taten bleiben. Aktuell wird eine Menschenkette in der Schorndorfer Innenstadt für Dienstag, 8. Februar, vorbereitet. Die Details zu dieser Veranstaltung folgen.

Die Unterzeichner des Appells

Unterzeichnet haben als Einzelpersonen Eberhard Abele, Urs Abelein, Iris Adloff-Abele, Otto Alder, Annemarie Arendt (Vorsitzende Die Partei Schorndorf), Joachim Auwärter, Juliane Baur (Dekanin Kirchenbezirk Schorndorf), Birgit Bernhardt, Eberhard Bolay, Ingrid Bolay, Kathrin Breitenbücher, Christel Brodersen (Vorstand Ortsverband Schorndorf Bündnis 90 / Die Grünen), Renate Busse, Ernst Delle, Mechthild Dierlamm-Harth (Beirat Ortsverband Schorndorf Bündnis 90 / Die Grünen), Siegfried Dittler (1. Vorsitzender Club Manufaktur), Jürgen Dobler, Matthias Eisenhardt (Mitglied der Württembergischen Evangelischen Landessynode), Günter Elbl, Thorsten Englert (Erster Bürgermeister), Jürgen Erdmann (Stadtrat SPD Fraktion), Jürgen Frank, Renate Frank (Leitung Schorndorfer Tafel), Lela de Fuenteprado, Lothar Funk (Vorstand Schorndorfer Bündnis gegen Rassismus und Rechtsextremismus), Sabine Funk, Hans Gerstetter (Pfarrer Krankenhauspfarramt Schorndorf), Petra Häffner (Mitglied des Landtages), Martin Häfner, Jakob Härer (Beirat Schorndorfer Bündnis gegen Rassismus und Rechtsextremismus), Debora Harfst, Eva-Maria Hartmann (Sprecherin Lokale Agenda 21), Werner Hassler, Christa Hess, Helmut Hess (Sprecher Lokale Agenda 21), Ute Horn, Bernd Hornikel (Designierter Oberbürgermeister), Peter Höschele (Vorstand Ortsverband Schorndorf Bündnis 90 / Die Grünen), Martin Jaeger, Gunter Kaiser, Merlin Kamps (Vorsitzender SPD Schorndorf), Tahir Karaca (Beirat Ortsverband Schorndorf Bündnis 90 / Die Grünen), Dagmar Keller, Hans Arnold Kistner, Heike Kistner, Steffen Kläger-Lißmann (Pfarrer Evangelische Stadtkirchengemeinde Schorndorf), Hannah Kluwe, Jürgen Knappenberger, Ulrich Kost (Stadtrat Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen), Andrea Kostka, Friederike Köstlin (Stadträtin Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen), Marcel Kühnert (Stadtrat SPD Fraktion), Monica Lindenberg-Kaiser, Katja Lißmann, Dietmar Looser, Imke Magri, Werner Neher (Stadtrat Grüne Liste), Ingrid Neumann, Gerhard Nickel (Stadtrat FDP/FW Fraktion), Gabriele Odenkirchen, Michael Oelschlegel, Silke Olbrich (Stadträtin SPD Fraktion), Fabian Opitz (Beirat Bündnis 90 / Die Grünen), Wilhelm Pesch, Johann-Peter Porten, Claudia Rak-Oelschlegel, Gerhard Rall (Geschäftsführer Kreisdiakonieverband Rems-Murr-Kreis), Heidi Rapp (Stadträtin SPD Fraktion), Heinz Rapp, Sabine Reichle (Stadträtin SPD Fraktion), Klaus Reuster (Vorsitzender Naturfreunde Schorndorf), Gratian Riter (Vorstand Schorndorfer Bündnis gegen Rassismus und Rechtsextremismus), Jasmin Riter (Beirätin Schorndorfer Bündnis gegen Rassismus und Rechtsextremismus), Bärbel Roenick-Stegmüller, Uwe Rzadkowski, Joe Saling, Hans-Ulrich Schmid (Stadtrat SPD Fraktion), Tobias Schmid (Beirat Ortsverband Schorndorf Bündnis 90 / Die Grünen), Rolf Schmidt, Tim Schopf (Stadtrat SPD Fraktion), Stefan Simpfendörfer, Rolf Steiner, Bärbel Stollmeier-Rzadkowski, Hermann Stumpf, Helmut Topfstedt (Leitung Schorndorfer Tafel), Hans-Martin Tramer, Dieter Wietreck und Brigitte Wuttke.

Der vollständige Schorndorfer Appell mit der Möglichkeit, den Aufruf zu unterschreiben, ist abrufbar unter https://www.openpetition.de/!schorndorferappell.

Sie haben genug von Corona-Verharmlosern und Faktenverdrehern, von Impfgegnern und Maskenverweigerern, von Montagsspaziergängern und Mitläufern: Ein breites Bündnis von Vertretern aus Politik, Kirche, Kunst und rund 75 Schorndorfer Einzelpersonen setzt ein Zeichen gegen eine laute Minderheit.

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