Schorndorf

Füchse sind gar keine Bösewichte

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In der Werkstatt des Kulturforums haben die Kinder zusammen mit Ebba Kaynak kleine Kunstwerke geschaffen. © Palmizi / ZVW
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füchse ebba kaynak Werkstatt des Kulturforums, Die Künstlerin Ebba Kaynak veranstaltet einen Kinder-Workshop zum Thema Füchse, bei dem jeder Teilnehmer aus einem Stück Holz einen eigenen Fuchs machen wird. Foto: Alexandra Palmizi © Palmizi / ZVW
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In der Werkstatt des Kulturforums haben die Kinder zusammen mit Ebba Kaynak kleine Kunstwerke geschaffen. © Mathias Ellwanger
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In der Werkstatt des Kulturforums haben die Kinder zusammen mit Ebba Kaynak kleine Kunstwerke geschaffen. © Mathias Ellwanger
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In Handarbeit wurde aus einem Stück Holz nach drei Tagen ein Fuchs geformt. © Mathias Ellwanger

Schorndorf. Der böse Fuchs, der alle Hühner reißt: Unser Bild des Säugetiers ist stark geprägt von Märchen und Mythen. Dass die Füchse eigentlich gar nicht so böse, sondern ziemlich faszinierend sind, haben acht Kinder diese Woche in der Werkstatt des Kulturforums gelernt – und dabei selbst Hand angelegt.

Video: Kinder schnitzen einen Fuchs aus Holz beim Workshop der Künstlerin Ebba Kaynak.

Mit Holzhammer und Stechbeitel bearbeitet Max einen Lindenast. Den Schwanz, rund und spitz zugleich, hat er schon von dem Holzstück freigearbeitet. Die Schnauze benötigt noch etwas Feinschliff. Doch die Umrisse des Fuchses sind schon klar erkennbar. Zusammen mit sieben anderen Kindern will er bis Mittwochnachmittag fertig werden mit dem Kunstwerk. Im Wohnzimmer der Familie soll er nach Abschluss des Workshops stehen.

Zwei Vormittage haben sie bereits an ihren Kunstwerken gearbeitet. Doch bis sie vorzeigbar sind, müssen die Kinder noch etwas Hand an ihre Skulpturen anlegen. Ebba Kaynak unterstützt sie dabei, erklärt, aus welcher Richtung sie am besten das Holz bearbeiten, wie sie die Körperformen herausarbeiten – und verteilt immer wieder Lob, wenn die jungen Teilnehmer etwas gut gemacht haben. Bisweilen hilft sie auch nach, wenn ein Kind nicht mehr weiterkommt, greift selbst zu Hammer und Stechbeitel oder schneidet mit ihrer Elektro-Motorsäge Stücke aus dem Holz.

Aus einem Stück Lindenholz machen die Kinder in drei Tagen einen Fuchs

Das Material, aus dem die Füchse gemacht werden, stammt von einer Schnaiter Linde. „Ein Traum, ebenmäßig gewachsen und spiegelgleich mit langen Ästen“ – einen schöneren Baum hat Ebba Kaynak noch selten gesehen. Die Kinder durften sich ihr Stück, das von der Bildhauerin vorbearbeitet wurde, selbst aussuchen – und jedes hat in einem anderen seinen Fuchs gesehen.

Anna-Lucia hat sich das größte Stück geschnappt und in die Seitenzwinge gespannt. Damit das Mädchen es auch in drei Tagen zu einem Fuchs formen kann, hat Kaynak Vorder- und Hinterfüße bereits herausgesägt. Jetzt muss sie den Schwanz herausarbeiten. „Da hast du aber kräftig gearbeitet“, lobt die Künstlerin. Anna-Lucia ist durch ihren Bruder auf den Kurs aufmerksam geworden. „Außerdem war mir langweilig.“ Wenn alles klappt, möchte sie den Fuchs am Ende ihren Eltern schenken.

Max hingegen war schon oft bei solchen Workshops, sechsmal insgesamt. Aus Erfahrung sagt er: „Ich weiß, dass es Spaß macht.“ Und das sieht man ihm auch an. Max interessiert sich ohnehin für wilde Tiere. Manchmal geht er mit dem Onkel auf die Jagd, da kann er sie hautnah beobachten. Mit dem Leben der Wildtiere ist er also bestens vertraut.

Der Junge hat seinen Holzfuchs mittlerweile fast fertig bearbeitet – und bastelt an einem Ständer für sein Kunstwerk. Kaynak mischt derweil aus Grün und Gelb die Augenfarbe des Fuchses. Max wird sie kurz danach auf seine Skulptur auftragen.

Der Schorndorfer Künstlerin, die seit mehr als zehn Jahren Workshops dieser Art anbietet, geht es dabei um zweierlei: darum, dass die Kinder mit Materialien aus der Natur arbeiten – und darin etwas Künstlerisches erblicken. „Das hat mich selbst als Kind fasziniert. Und dann als Künstlerin sowieso.“

Der Fuchs wird gehasst – obwohl er das gar nicht verdient hat

Und dass sie dabei die weit verbreiteten Vorurteile gegen den Fuchs überwinden lernen, denn „der wird gehasst, obwohl er das gar nicht verdient hat“. Deshalb hat Kaynak zur Einführung auch erst mal eine Stunde über das Tier geredet.

Inspiriert wurde sie zu dem Thema durch die Geschehnisse auf dem Neuen Friedhof. Dort hatten sich bis vor gut einem Jahr des Nachts Füchse an frisch gepflanzten Gräbern zu schaffen gemacht. Das rief Jäger auf den Plan, die aber durch gezielte Tötungen das Problem nicht in den Griff bekamen. Denn im Folgejahr bezog einfach eine neue Fuchsfamilie das Revier.

Erst ein Wildhüter hat Abhilfe geschaffen – und ist dem Problem auf den Grund gegangen: Fuchsmütter hatten Mäuse für ihre Jungtiere in den frischen Gräbern verbuddelt. Der Wildhüter hatte das entdeckt – und selbst Haufen mit lockerer Erde aufgeschüttet und darin Mäuse versteckt. Schnell lernten das die Füchse und ließen fortan die Gräber in Ruhe.

Füchse, so Kaynaks Botschaft, sind eben von sich aus gar keine Bösewichte. Auch wenn sie in Märchen gerne als solche auftreten. Und das möchte sie den Kindern vermitteln – ohne dabei mit dem erhobenen Zeigefinger aufzutreten.

Entsprechend locker ist die Atmosphäre des Workshops auch. Zehn Minuten vor Kursbeginn machen die Kinder eine kleine Schneeballschlacht – und freuen sich sehr, als Ebba, wie sie hier alle nennen, mit ihrem Hündchen Canela auftaucht, das einem Fuchs ein wenig ähnlich sieht und die Kinder stürmisch begrüßt. Während des Workshops lümmelt Canela dann auf dem Boden, schnuppert an den Werkzeugen oder kuschelt mit den Kindern.

Max ist inzwischen mit seinem Fuchs fertig. Mit seiner langen schmalen Schnauze thront er nicht nur fast majestätisch. Er sieht, obgleich künstlerisch abstrahiert, auch erstaunlich lebensnah aus. Und das ist Ebba Kaynak dann auch besonders wichtig: „Dass die Kinder ein Leben lang wissen, wie ein Fuchs aussieht, dass er eine lange Schnauze, einen spitzen Schwanz hat – und dass er nicht böse ist.“

Die Geburt der Venus und das Thema Freunde

Am Montag, 23. Januar, findet in der Q Galerie für Kunst um 20 Uhr die Vernissage zur neuen Ausstellung von Ebba Kaynak statt.

In „Die Geburt der Venus“treffen Arbeiten der Schorndorfer Holzbildhauerin auf Werke der 2011 verstorbenen Bildhauerin G. Angelika Wetzel. Die Künstlerinnen lernten sich in den 1980er Jahren an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart kennen.

Die enge persönliche und künstlerische Beziehung mit der Künstlerin veranlasste Ebba Kaynak, auch nach dem Tod ihrer Freundin eine gemeinsame Ausstellung zu planen. Die Exponate der beiden Künstlerinnen nehmen zueinander Bezug, schaffen dadurch Spannungen, tauschen sich aus.

Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist vom 24. Januar bis 5. März in der Q Galerie, Karlstraße 19 in Schorndorf, zu sehen.

Um das Thema „Freunde und Freundinnen“ wird sich dann auch der nächste Kinderworkshop von Ebba Kaynak in den Faschingsferien drehen.