Schorndorf

Facebook-Post führt zu Festnahme

Richter hammer symbol_0
Symbolbild. © Ramona Adolf

Schorndorf. In seiner Wohnung fanden die Polizisten ein buntes Gemisch an Drogen, die der Schorndorfer teilweise auch selbst konsumierte. Er verkaufte Amphetamin, Marihuana, Haschisch und Potenzpillen, überwiegend in Nähe des Schorndorfer Bahnhofs. Für sein Drogengeschäft verteilte er sogar Flyer. Jetzt wurde er zu vier Jahren Haft verurteilt.

„Don’t get high on your own Supply“, was auf Deutsch so viel heißt wie „Bedien dich nicht an deiner eigenen Ware“, war schon eine von Tony Montanas Regeln im Gangsterfilm-Klassiker Scarface. Der Schorndorfer Drogendealer, der vor dem Landgericht Stuttgart zu vier Jahren Haft verurteilt wurde, ist entweder kein Filmliebhaber oder hat diese Regel geflissentlich ignoriert. Er behauptete vor Gericht, jeden Tag drei bis sechs Gramm Amphetamine zu seinem morgendlichen Kaffee genommen zu haben. Abends rauchte er dann mehrere Joints, um einschlafen zu können.

Drogen über Darknet bezogen und verkauft

In der Wohnung des 42-Jährigen fand die Polizei bei seiner Festnahme ein veritables Gemisch an Drogen, darunter Amphetamine, Ecstasy, und Cannabis. Zusätzlich hatte der Mann mehrere Hundert Potenzpillen und 24 Dosen Pfefferspray vorrätig. Obwohl der Wirkstoffgehalt in manchen Produkten nicht sehr hoch war – „da hätten Sie fast genauso gut Basilikum schnippeln können“, kommentierte die vorsitzende Richterin den Wirkstoffgehalt des Cannabis –, hat die gefundene Menge bei mehreren Stoffen deutlich den Eigenbedarf überschritten. Der Dealer soll erhebliche Mengen der Drogen über das Darknet bezogen und verkauft haben. Hauptsächlich auf den Parkplätzen großer Discounter in der Nähe des Schorndorfer Bahnhofs, aber auch in Stuttgart.

Hauptberuf: Drogendealer

„Von Hauptberuf Drogendealer“ war die Schlussfolgerung des Gerichts, als der Mann verurteilt wurde. Offiziell war der Verurteilte Hartz-IV-Empfänger und bewarb sich nach eigenen Angaben ausgiebig um eine neue Arbeitsstelle. Vor mehreren Jahren fing er in unregelmäßigen Abständen auch immer wieder neue Jobs an, überstand aber nie die Probezeit. Neben den Drogen fand die Polizei in der Wohnung des Mannes auch Modeschmuck. „Er wollte sich wohl eine Art Gewerbe damit aufbauen“, vermutete der ermittelnde Polizist. Auch den Drogenhandel betrieb der Schorndorfer professionell.

Auch an Minderjährige verkauft

Besonders kurios: Er verteilte sogar Flyer mit Preislisten für sein Geschäft. Auch eine Schuldnerliste fand die Polizei in seiner Wohnung. Als sie die Namen auf der Liste mit den SMS auf seinem Smartphone verglich, konnte sie vier Kunden identifizieren. Dabei stellte sich heraus, dass der Mann auch vor dem Verkauf an Minderjährige nicht zurückschreckte.

Polizei stürmte die Wohnung des Mannes nach dessen Gewalt-Ankündigung

Eine elementare Rolle während des Prozesses spielte ein Samurai-Schwert, das der Mann über seinem Wohnzimmer-Sofa hängen hatte. Bei einem Test vor Gericht schnitt das Schwert mühelos durch die Pappe, in die es eingepackt war. Wegen des Schwerts und weil er so viel Pfefferspray vorrätig hatte, wurde dem Mann bewaffneter Drogenhandel vorgeworfen. Laut Verteidiger handelte es sich hierbei aber nur um ein Deko-Schwert, das der Verurteilte online bestellte, weil er sich zeit seines Lebens für Kampfkunst interessierte. Dem widerspricht ein Facebook-Post, in dem der Dealer vorschlägt, das Samurai-Schwert zu benutzen, um Köpfe abzuschlagen und mit ihnen Basketball zu spielen. Diese Ankündigung war auch der Grund für das gewaltsame Stürmen der Wohnung des Mannes, bei dem die Polizei die Drogen fand.

Vorstrafen und hohe Schulden

Der Drogendealer hat zwei einschlägige Vorstrafen und war hoch verschuldet. Er ist in Schorndorf geboren und besuchte dort die Realschule. Nach einigen Jahren in Griechenland und der Schweiz kehrte er wieder in die Stadt zurück, wo er in einem Haus mit seinen Eltern wohnte. Es ist nicht klar, ob er auch im Ausland Probleme mit dem Gesetz hatte.

Keine psychische Störung

Der Angeklagte war wegen einer bipolaren und schizoaffektiven Störung in Behandlung. Er versäumte es allerdings, nach eigenen Angaben, seiner Psychiaterin von seinem ausgiebigen Drogenkonsum zu berichten. Eine Drogensachverständige vermutete vor Gericht, dass der Mann gar nicht an einer psychischen Krankheit leide, sondern dass seine Symptome viel eher von den Drogen, die er in Verbindung mit stimmungsregulierenden Medikamenten zu sich nahm, stammten. Auch eine Drogenabhängigkeit liege bei ihm nicht vor. Weil er während seiner Zeit in der Untersuchungshaft kaum Entzugserscheinungen erlitt und vor Gericht vollkommen Herr seiner Sinne war, sah sie bei ihm nur einen schädlichen Gebrauch von Amphetaminen als gegeben. Auch der „planvolle und zielstrebige“ Handel mit Drogen deute auf diese Diagnose hin. Ein Drogenentzug mache aber trotzdem Sinn.

„Man hat den Eindruck von einem Bärchen, das einen mit treuen Augen anguckt“

Die Staatsanwältin forderte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten wegen des Handelns mit Betäubungsmitteln „in nicht geringer Menge“ in Zusammenhang mit den Waffen, die hätten eingesetzt werden können.

„Man hat den Eindruck von einem Bärchen, das einen mit treuen Augen anguckt“, beschrieb der Verteidiger seinen Mandanten in ganz anderen Tönen. Der Inhalt des Haftbefehls unterscheide sich stark von dem Eindruck, den der Mann persönlich macht. „Ich halte ihn für überhaupt nicht gefährlich“, behauptete der Verteidiger. „Man muss nicht Pablo Escobar 2.0 sein, um mit Drogen zu handeln.“ Von den Waffen (sprich, dem Samurai-Schwert und den vorrätigen Pfeffersprays) sei keine konkrete Gefahr ausgegangen. Der Facebook-Post, in dem der Verurteilte androht, mit abgeschlagenen Köpfen Basketball zu spielen, sei „einem drogenbenebelten Gehirn entsprungen“. Der Verurteilte selbst beteuerte seine Reue.

Urteil: Vier Jahre Haft

„Sie sind in einem Alter, in dem Sie Ihr Leben noch auf die richtige Spur bringen können“, redete die Richterin dem Mann bei der Verurteilung ins Gewissen. „Sie sind nicht dumm und machen einen sympathischen Eindruck.“ Er wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, soll aber so schnell wie möglich in eine Entziehungsanstalt wechseln.