Schorndorf

Farbanschlag an den Remstalstuben

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Farbanschlag
Rote Farbe auf weißen Engeln. © ALEXANDRA PALMIZI
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Farbanschlag
Wenn die rote Farbe an den Fenstern entfernt ist, werden die Remstalstuben neu gestrichen. © ALEXANDRA PALMIZI

Rote Farbschmierereien am Eingangsbereich der Remstalstuben, auf der Terrasse, auf kleinen Deko-Engeln: Ärgerlich ist's für den Wirt, die Entfernung teuer und arbeitsintensiv. Indes, überraschend kam die Aktion der Antifa nicht. Diejenigen, die schon mehrfach vor den Remstalstuben demonstriert hatten, weil Wirt Rüdiger Unverdruss der AfD Unterschlupf für ihren Stammtisch gewährt hatte, hatten ihm bereits gedroht: Er würde noch mehr von der Antifa hören, so lange, bis er sich dazu bekennen würde, der AfD keinen Raum mehr zum Treffen zu bieten. So hätten sie schon manchen Wirt dazu gebracht, die AfD als Kundschaft auszuschließen.

Noch nie nach der politischen Gesinnung der Gäste gefragt

Allerdings – da haben die hiesigen Antifaler ihre Rechnung ohne Rüdiger Unverdruss gemacht. „Ich lass' mir von niemandem sagen, wer in meinem Lokal zu Gast sein darf oder nicht.“ In den vielen Jahren als Wirt habe er schon manchen Menschen Hausverbote erteilt – nie aber aus politischen Gründen. Da müsse sich schon jemand richtig danebenbenommen haben. „Ich bin als Wirt parteilos“, erklärt er wiederholt. In der Vergangenheit habe er sich überhaupt keinen Kopf darüber gemacht, welche politische Einstellung seine Gäste hätten. „Warum sollte ich das machen?“

AfD hat die Remstalstuben seither nicht mehr besucht

Er habe in der Vergangenheit jeden Stammtisch in seinem Lokal aufgenommen – wenn er sich daran halte, auch entsprechend Umsatz zu machen. Da könnte jeder kommen. Und tatsächlich kämen auch die verschiedensten Gruppierungen zu ihm: ganz gleich ob CDU, SPD, Grüne oder Nabu, auch die SPD sei ihm stets willkommen. Allerdings – die AfD hat seit ihrem letzten Stammtisch vor Ort die Remstalstuben nicht mehr besucht. Ihre jüngste Veranstaltung soll in einem anderen Lokal stattgefunden haben, berichtet Unverdruss.

Bedroht gefühlt habe sich der Wirt der Remstalstuben von der Antifa und speziell von dem jüngsten Farbanschlag keineswegs. „Das sind einfach niveaulose Schmierereien.“ Von so etwas lasse er sich nicht einschüchtern. Was ihn aber überrascht hat? „Ich hab’ zuletzt einen großen Rückhalt aus der Bevölkerung bekommen“, berichtet er. Etliche E-Mails und Nachrichten hätten ihn erreicht, in denen ihm zu seiner neutralen Haltung gratuliert worden sei.

Und um noch einmal den Verdacht abzufedern, er würde sich mit der gastwirtschaftlichen Beherbergung des AfD-Stammtisches auf deren, beziehungsweise die rechte, politische Seite stellen, erwähnt Unverdruss noch einmal seine Mitarbeiter, die 14 verschiedenen Nationalitäten angehörten und die am ehesten unter den Protesten der Antifa litten. Immerhin würden Umsatzrückgänge, die aufgrund der Verängstigung von Gästen entstehen könnten, deren Arbeitsplätze in Gefahr bringen.

Übrigens: Ein sogenanntes Bekennerschreiben war nach der Tat auf einer einschlägigen Plattform im Internet platziert worden. Das berichtet unter anderem das Polizeipräsidium Aalen. Konkrete Hinweise auf einzelne Täter gebe es natürlich nicht. Vermutlich habe die Tat am Freitag gegen 3 Uhr morgens stattgefunden, weiß Wirt Unverdruss. Für die Schmierereien werden die Täter außerdem kaum mehr als fünf Minuten gebraucht haben. Die Polizei war aber erst am nächsten Morgen verständigt worden, so dass es schwierig gewesen sei, relevante Spuren zu ermitteln.

Wie es nun weitergeht? Auch in den Remstalstuben wird der November wieder ruhiger. Wegen des Lockdowns musste auch hier den Aushilfen vorläufig abgesagt, die Festangestellten in Kurzarbeit geschickt werden – immerhin in einem rollierenden System, so dass jeder ab und an arbeiten kann. Der Wirt ist aber optimistisch, aus dem November gut herauszukommen und im Dezember mit seinem Team wieder durchstarten zu können. Und auch dann will er sich weiterhin nicht um die politische Gesinnung seiner Gäste kümmern.

Rote Farbschmierereien am Eingangsbereich der Remstalstuben, auf der Terrasse, auf kleinen Deko-Engeln: Ärgerlich ist's für den Wirt, die Entfernung teuer und arbeitsintensiv. Indes, überraschend kam die Aktion der Antifa nicht. Diejenigen, die schon mehrfach vor den Remstalstuben demonstriert hatten, weil Wirt Rüdiger Unverdruss der AfD Unterschlupf für ihren Stammtisch gewährt hatte, hatten ihm bereits gedroht: Er würde noch mehr von der Antifa hören, so lange, bis er sich dazu bekennen

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