Schorndorf

Feuerwehr: Impulse müssen von unten kommen

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„Ungewiss“ – laut städtischem Immobilienbericht – ist unter anderem die Zukunft des räumlich sehr beengten Feuerwehrgerätehauses in Buhlbronn. © Habermann / ZVW
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Es ist erst ein paar Wochen her, dass der Schorndorfer Feuerwehr ein neuer Kommandowagen übergeben wurde. Die nächsten Neubeschaffungen hängen einerseits vom im Beschaffungsplan formulierten Bedarf und von den Fördergeldern des Landes ab. © Büttner / ZVW

Schorndorf. Der Veränderungsdruck im Schorndorfer Feuerwehrwesen ist, nicht zuletzt, was die bauliche Seite angeht, groß. Da dürfen Diskussionen über Standortkonzentrationen und Fusionen einzelner Abteilungen kein Tabu mehr sein – und sind es auch bei der Feuerwehr selber nicht mehr. Was, so der einhellige Tenor einer noch sehr unverbindlichen Aussprache im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats, auch so sein muss: „Denn die Impulse“, betonte Finanzbürgermeister Thorsten Englert, „müssen von unten kommen“.

Zunächst einmal wollte die Verwaltung den Ausschuss nur darüber in Kenntnis setzen, wie die Freiwillige Feuerwehr Schorndorf derzeit infrastrukturell, sachlich und personell aufgestellt ist und was sich daraus für Konsequenzen für die Zukunft ergeben könnten. Immer mit dem Ziel vor Augen, dass die Freiwillige Feuerwehr, in der sich aktuell 323 Aktive auf acht Einsatzabteilungen verteilen, ihre hohe Leistungsfähigkeit uneingeschränkt aufrechterhalten muss. Die Fragen, die sich in diesem Zusammenhang für die nächsten Jahre stellen, sind die nach der Gebäude- und damit auch nach der Organisationsstruktur, die nach der sachlichen Ausstattung, die von der Dienst- und Schutzbekleidung bis zu den Fahrzeugen reicht, und die nach der personellen Ausrichtung, weil sich im Hinblick auf das Ende der Amtszeit des amtierenden Gesamtkommandanten Jost Rube Anfang 2021 die Frage stellt, ob auch der Nachfolger wieder ehrenamtlich tätig sein soll oder ob Schorndorf, wie in anderen Großen Kreisstädten bereits geschehen, nicht auch dazu übergeht, die Stelle des Gesamtkommandanten mit einem Hauptamtlichen zu besetzen. Der aber, wie Oberbürgermeister Matthias Klopfer deutlich machte, auf jeden Fall vom Gemeinderat gewählt werden und zwingend in die Verwaltungshierarchie eingebunden sein müsste. Fragen über Fragen, die allesamt im Rahmen eines vom Oberbürgermeister anberaumten Feuerwehr-Spitzengesprächs erörtert wurden und die in den nächsten Monaten vertieft werden müssen. Als wichtige Basis dafür dient das zuletzt 2011 aktualisierte Brandschutzkonzept, dessen überarbeite Version die Leiterin des Fachbereichs Bürgerservice, Sicherheit und Ordnung, Karin Bauer, fürs Frühjahr 2017 ankündigte. Dieses Konzept wird auch die endgültige Version des zeitlich bis 2024 ausgeweiteten Beschaffungsplans enthalten.

Nur drei Gebäude sind als erhaltenswert eingestuft

Am drängendsten ist die Raum- beziehungsweise Gebäudefrage, weil die insgesamt elf Feuerwehrgebäude und Gerätehäuser in der Stadt und den Stadtteilen zunehmend an Substanz verlieren und viele strukturelle Defizite – das reicht von fehlenden geschlechtergetrennten Umkleide- und Sanitärbereichen bis zur mangelhaften digitalen Ausstattung – aufweisen. Im aktuellen Immobilienbericht, der demnächst im Gemeinderat diskutiert wird, sind nur drei Gebäude zwingend als erhaltenswert eingestuft: die Gerätehäuser in Mannshaupten, in Schlichten und in Schorndorf. Beim Feuerwehrgebäude Schorndorf lautet die Strategieempfehlung „entwickeln“. Ersetzt werden durch ein gemeinsames Gerätehaus sollen die beiden Feuerwehrdomizile in Ober- und Unterberken, „ungewiss“ ist aus Sicht der Verwaltung die Zukunft der Gerätehäuser in Buhlbronn, Haubersbronn, Miedelsbach, Weiler und Schorndorf-Stadt. Wohin die Reise gehen könnte, hat die Verwaltung in ihrer Übersicht zurückhaltend so beschrieben: Einerseits soll es Gespräche zwischen den Abteilungskommandanten und dem Fachbereich Gebäudemanagement geben, um einen Sanierungsfahrplan zu entwickeln, andererseits müsse es das Ziel sein, „mit geeigneten Immobilien die Organisations- und Einsatzstrukturen der Feuerwehr bestmöglich zu unterstützen“. Dazu werden derzeit Workshops mit den Abteilungskommandanten abgehalten.

Die Zeiten, in denen es hieß „Das ist unser Feuer“, sind vorbei

Dass es „kommunalpolitisch heikel“ ist, bei der Feuerwehr über Konzentration und Zusammenlegung zu reden, weiß auch SPD-Fraktionschef Thomas Berger. Über Kooperationen zwischen einzelnen Abteilungen nachzudenken, sei aber unerlässlich in einer Zeit, da einzelne Teilorte allein die im Brandfall erforderliche Bereitschaft nicht mehr gewährleisten könnten, weil der Großteil der Feuerwehrleute nicht mehr am Ort beschäftigt sei. Es sei zu begrüßen, dass sich die Teilortswehren dieser Diskussion stellten und da teilweise „schon sehr weit und sehr vernünftig unterwegs“ seien, sagte Berger. „Es geht nicht von oben, aber wir erkennen, dass die Bereitschaft von unten her da ist“, bewertete FDP/FW-Fraktionschef Peter Erdmann das weitere Vorgehen in Sachen Gebäudestruktur. Auch CDU-Fraktionschef Hermann Beutel, der selber bei der Feuerwehr ist, anerkennt, dass die Zeiten vorbei sind, da es hieß: „Das ist unser Feuer.“ Insofern sei’s richtig, die Frage zu stellen, wie sich die Abteilungen künftig aufstellten, wobei klar sein müsse, dass die damit zusammenhängenden Standortentscheidungen mindestens für die nächsten 20 oder 25 Jahre getroffen werden. Der Stadt machte Beutel den Vorwurf, dass sie ihre Pflicht, die Gerätehäuser in Schuss zu halten, in den letzten Jahren vernachlässigt habe – „und dann sieht’s halt so aus“. Grünen-Fraktionschef Werner Neher erinnerte daran, dass die Diskussion zur Zusammenlegung von Abteilungen seinerzeit aus seiner Fraktion heraus angestoßen worden sei – damals noch sehr zum Unwillen der Beteiligten und Verantwortlichen. Jetzt werde die Diskussion „aus sachlichen Beweggründen“ auf allen Ebenen geführt. „Wir müssen die Diskussion fortführen und im einen oder anderen Fall zu einem Ergebnis führen“, meinte Neher, der sich mancherorts die Zusammenlegung von zwei Abteilungen in einem zwischen den Teilorten liegenden neuen Gerätehaus vorstellen könnte. Aber auch im Falle des Gerätehauses der Abteilung Stadt müsse gut überlegt werden, ob dieser Standort, der sehr eng sei und keine Erweiterungsmöglichkeit biete, beibehalten werden solle oder nicht.

Es sei „immer schwer, etwas gegen die Feuerwehr zu sagen“, weiß FDP/FW-Stadtrat Konrad Hofer, der einerseits die Zusammenlegung von Abteilungen für „naheliegend“ hält, andererseits aber zu bedenken gab, dass die Teilortswehren eine ganz wichtige soziale Einrichtung und wichtig auch fürs Saelbstwertgefühl des jeweiligen Stadtteils seien. Als Fahrlehrer forderte Hofer für alle Feuerwehrleute, die Fahrzeuge lenken, ein Gefahrentraining, weil diese Fahrer im Notfall unabhängig von Wind und Wetter raus müssten.

Dienstkleidung

Bei der Ausstattung der Feuerwehrleute mit Einsatzkleidung hat die Stadt keinen Nachholbedarf, sehr wohl aber bei der Tagesdienstkleidung, die vorzugsweise bei Arbeitseinsätzen und Ausbildungsmaßnahmen getragen wird, weil sie leichter als die Einsatzkleidung ist, und bei den Dienstuniformen, die bei repräsentativen Anlässen getragen werden.

Beim Spitzengespräch im Mai wurde vereinbart, dass die restlichen Beschaffungen von Tagesdienstkleidung (195 Blousons und 50 Hosen) und von Dienstuniformen (238) schneller als ursprünglich geplant realisiert und gleichmäßig auf die Haushaltsjahre 2017 und 2018 verteilt werden.

Deshalb wird der entsprechende Haushaltsansatz für das Jahr 2017 um 45 000 Euro erhöht. Für das Jahr 2018 sollen dann nochmals 45 000 Euro für die Anschaffung von Feuerwehrbekleidung bereitgestellt werden. Zum 1. Oktober 2013 ist vom Innenministerium eine neue „Verwaltungsvorschrift Feuerwehrbekleidung“ erlassen worden.