Schorndorf

Feuerwehrhaus Schorndorf platzt aus allen Nähten: Wird jetzt angebaut?

Feuerwehr Schorndorf
Kommandant Jürgen Bruckner in dem voll belegten Feuerwehrgerätehaus. Eine Erweiterung ist dringend nötig, sagt auch die unabhängige Beraterfirma Luelf+. © Benjamin Büttner

Das Feuerwehrhaus platzt aus allen Nähten, eng an eng stehen die Fahrzeuge, da muss rangiert werden, da stapeln sich die Ausrüstungen. Die Umkleidesituation ist alles andere als komfortabel, die Sanitäranlagen veraltet. Das weiß Kommandant Jürgen Bruckner schon längst, und das hat jetzt außerdem das Gutachten der Firma Luelf+ ergeben. Dies wurde für die Ausarbeitung eines neuen Feuerwehrbedarfsplanes in Auftrag gegeben, über den am Donnerstag im Gemeinderat entschieden wird.

1962 wurde das Feuerwehrgerätehaus an der Künkelinstraße gebaut. Seither hat sich aber viel geändert. „Die heutigen Fahrzeuge passen einfach kaum noch rein“, erklärt der Schorndorfer Feuerwehr-Chef. Die Substanz des Gebäudes an sich sei zwar nicht schlecht, aber mehr Platz müsse her, das stehe ganz außer Frage. Schließlich nähmen auch die übrigen Gerätschaften heute mehr Platz weg als früher. Drum müsse angebaut werden.

Zentrale Lage der Feuerwache könnte nicht besser sein

Einen Neubau an anderer Stelle hält Bruckner übrigens keineswegs für sinnvoll. „Der Ort ist perfekt.“ Durch die zentrale Lage hätte der Großteil der Feuerwehrfrauen und -männer einen recht kurzen Anfahrtsweg. Und auch die Strecken zu den unterschiedlichen Einsatzorten seien auf diese Weise in alle Richtungen möglichst kurz. Aber nicht nur mehr Raum braucht die Feuerwehr. Mehr Personal ist ebenfalls nötig:

Kommt’s zum Alarm, brummen wochentags rund 100 Piepser. Aber nicht, weil’s so viele Feuerwehrler braucht, um einen Brand zu löschen, sondern weil ohnehin nur ein Drittel der Feuerwehrler tagsüber verfügbar ist. 21 Kameradinnen und Kameraden sollten bei einem durchschnittlichen Einsatz am Start sein, aber allzu viele von ihnen arbeiten zu weit vom Einsatzgebiet entfernt, um rechtzeitig am Start zu sein, wenn der Mannschaftswagen losfährt.

Fünf Minuten darf die Anfahrt zum Feuerwehrgerätehaus brauchen. Wer länger braucht, verpasst den ersten Löschzug. Der hat dann nämlich nur noch weitere fünf Minuten Zeit, um am Einsatzort anzukommen. Besonders stark betroffen von einer großen Anzahl berufspendelnder Feuerwehrler sind die Stadtteile Buhlbronn, Haubersbronn, Miedelsbach, Oberberken und Schlichten. Klar - in den kleinen Teilorten selbst gibt’s kaum Arbeitsplätze.

Ehrenamt stärken

Deshalb hat die Sicherheitsberatungsfirma Luelf+ nach ihrer Untersuchung der Schorndorfer Strukturen dazu geraten, die Mitgliederwerbung und Öffentlichkeitsarbeit zu professionalisieren und Maßnahmen zu ergreifen, die dieses spezielle Ehrenamt in der öffentlichen Wahrnehmung attraktiver erscheinen lassen. Dies mit dem Ziel, auch tagsüber auf mehr Kameradinnen und Kameraden zurückgreifen zu können. Bei Kommandant Jürgen Bruckner rennen die Berater damit offene Türen ein, auch sein Ziel ist stets die Werbung von ehrenamtlichen Kräften, damit die Zahlen weiterhin gut aussehen. Gezielt wolle man künftig auch auf ortsansässige Firmen zugehen, um Mitarbeiter, die vor Ort arbeiten, für die eigenen Reihen rekrutieren zu können.

Immerhin gebe es manche spezielle Gefahrenlage in Schorndorf auch deshalb, weil es sich eben nicht um eine einfache Wohngemeinde handle. Verschiedene Firmen hantieren mit Chemikalien oder mit Akkus. Klinik und Pflegeheime bedürfen außerdem im Ernstfall einer besonderen Behandlung.

Aktuell läuft wieder Grundlagenlehrgang

Indes: Die aktuelle Personalsituation sieht gut aus. 21 Neue absolvieren derzeit den Grundlagenlehrgang. Zwei Drittel der neuen Kameradinnen und Kameraden rekrutieren sich aus der Jugendfeuerwehr, beim Rest handelt es sich sogar um Quereinsteiger, die noch im Alter von 40 ihren Traum wahr machen und zur Feuerwehr gehen.

Weiterhin schlugen die Berater vor, die Feuerwehren Miedelsbach und Haubersbronn könnten zusammengelegt werden, um vor allem tagsüber bei Einsätzen in diesem Gebiet auf mehr Kräfte vor Ort zurückgreifen zu können. Dieses Thema allerdings müsse man ganz vorsichtig behandeln, weiß Bruckner. Ohne eine Zustimmung der durchweg ehrenamtlichen Kameradinnen und Kameraden könne eine solche Zusammenlegung nicht umgesetzt werden. Trotzdem wurde die Verwaltung in der jüngsten Ausschusssitzung damit beauftragt, geeignete Grundstücke für eine perspektivische Zusammenlegung der Standorte Haubersbronn und Miedelsbach zu untersuchen.

Zahlreiche finanzielle Herausforderungen vorhanden

Ob aber angesichts der Kosten fürs derzeit im Bau befindliche Feuerwehrhaus für Ober- und Unterberken und der notwendigen Erweiterung des Gebäudes in der Kernstadt noch finanzielle Kapazitäten für einen gemeinsamen Neubau der Wehren der beiden Teilorte entlang der Wieslauf vorhanden seien, müsse man sehen, meint der Kommandant.

Als weiteren Auftrag an die Gemeinde wurde die Anschaffung einer mobilen Löschwasserkomponente (rund 450 000) herausgearbeitet, weil es im Stadtgebiet in Teilen keine ausreichende stationäre Löschwasserversorgung gibt.

Viele Alarmierungen 2019

232 Einsätze hatte die Schorndorfer Wehr im Jahr 2019, auf das sich die externe Untersuchung bezieht. 54 davon waren Fehlalarmierungen, 104-mal wurde technische Hilfeleistung gegeben, 74 Brände wurden gelöscht.

Das Feuerwehrhaus platzt aus allen Nähten, eng an eng stehen die Fahrzeuge, da muss rangiert werden, da stapeln sich die Ausrüstungen. Die Umkleidesituation ist alles andere als komfortabel, die Sanitäranlagen veraltet. Das weiß Kommandant Jürgen Bruckner schon längst, und das hat jetzt außerdem das Gutachten der Firma Luelf+ ergeben. Dies wurde für die Ausarbeitung eines neuen Feuerwehrbedarfsplanes in Auftrag gegeben, über den am Donnerstag im Gemeinderat entschieden wird.

1962

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper