Schorndorf

"Fidget Spinner": Ein Spielzeug zum Durchdrehen

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Der Fidget Spinner in Bewegung. © Laura Edenberger
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So sieht er aus, der Spinner, wenn er ruht. © Laura Edenberger
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Ablenkung oder Konzentrationshilfe? Der Fidget Spinner polarisiert. © Schneider /ZVW

Schorndorf. Vor diesem Trend gibt es kein Entkommen: Der „Fidget Spinner“ überschwemmt Schulen und Kindergärten auf der ganzen Welt. Viele Kinder und Jugendliche sind begeistert von dem Handkreisel. Doch nicht alle können die Begeisterung nachvollziehen. Wir haben Schorndorfer gefragt, was sie von dem Spielzeug halten.

Video: Die Schorndorfer Redakteure testen den Fidget Spinner. 

Konzentriert hält Leo seinen grünen Fidget Spinner zwischen Daumen und Zeigefinger. Mit der anderen Hand bringt er ihn dazu, sich zu drehen. Der Sechsjährige zeigt, wie er den rotierenden Handkreisel auf einem Finger balancieren kann. „Das kann ich auch auf der Nase und meinem großen Zeh“, sagt er. Leo ist von dem Spielzeug begeistert. Ihm gefällt, dass man damit Kunststücke machen kann. Und er besitzt gleich mehrere Modelle in verschiedenen Farben, sogar eines, das leuchtet. Das sehe im Dunkeln besonders toll aus.

Fidget Spinner sind hinter Glasscheiben ausgestellt

„Die leuchtenden Spinner mit LED-Lichtern verkaufen sich besonders gut“, sagt Jessica DiGiorgio. Sie arbeitet in der Spielzeugabteilung im Kaufhaus Bantel. Dort sind die Fidget Spinner hinter Glasscheiben ausgestellt. Die Spielzeuge werden mit Versprechungen wie „Rekordauslaufzeit“ und „Anti-Stress“ beworben. In den letzten paar Wochen seien sie schon mehrmals ausverkauft gewesen, doch mittlerweile nehme die Nachfrage schon wieder etwas ab, berichtet DiGiorgio. Besonders gut kämen die Fidget Spinner bei Neun- bis 14-Jährigen an. Sie selbst hat auch einen: „Ich finde sie witzig, weil man verschiedene Tricks damit machen kann.“

"Sie waren schon dreimal ausverkauft"

Auch im Spielwarenladen Wiedmann dreht sich im Moment alles um die Kreisel. Ein Mädchen verlässt gerade den Laden mit einem schwarzen Modell. Die Nachfrage ist groß. „Sie waren schon dreimal ausverkauft“, sagt die Angestellte Julia Ostertag. Das Grundmodell besteht aus drei „Flügeln“ und einem Kugellager in der Mitte. Mittlerweile gibt es auch sechsarmige Fidget Spinner. Viele Jungs sammeln die verschiedenen Modelle, die sich in Form, Größe, Farbe und Material unterscheiden. „Gold kommt cool rüber“, sagt Ostertag. Außerdem sei Metall beliebter als Kunststoff, da diese Modelle belastbarer seien. Dafür sind sie auch teurer. Ein Fidget Spinner kostet im Spielwarenladen Wiedmann je nach Material zwischen fünf und 20 Euro.

Bisher war die Begeisterung für Trendspielzeug nicht so groß

Ostertag erinnert sich an vergangene Trends: „Bei Mädchen waren ‚Loom-Bänder‘ mal sehr beliebt.“ Das sind kleine bunte Gummibänder, aus denen man unter anderem Schmuck häkeln kann. Auch die Nachfrage nach Spielzeugartikeln zum Kinofilm „Die Schneekönigin“ war lange Zeit sehr hoch. So eine große Begeisterung wie für die Fidget Spinner hat sie bis jetzt aber noch nicht erlebt. Ihr Urteil zu dem Spielzeug: „Erst fand ich es bescheuert, aber wenn man es selbst ausprobiert, macht es Spaß.“ Und der Trend dreht sich noch weiter: Gerade neu angekommen sind die „Fidget Cubes“. Die Würfel haben kleine Knöpfe, Zahnräder und Schalter, an denen man herumspielen kann. Zwei Jungs betrachten die Würfel, die gerade im Kommen sind, ganz genau. Sie sind davon aber nicht sehr beeindruckt und gehen wieder.

Das Spielzeug kann auch nerven und vom Unterricht ablenken

Der 13-jährige Robert ist von den Fidget Spinnern sogar genervt. „Sie lenken andere in der Umgebung ab“, sagt er. Das störe seine Konzentration im Unterricht. An seiner Schule seien die Spielzeuge nämlich nicht verboten. Laut Hersteller soll der Fidget Spinner dabei helfen, Kinder zu beruhigen. Angeblich soll er bei ADHS und sogar bei Autismus von therapeutischem Nutzen sein. Wissenschaftlich bewiesen ist das allerdings bislang nicht. Robert jedenfalls findet, dass es seine Klassenkameraden eher unruhiger mache, wenn sie den anderen ihre Kunststücke zeigten.

Eine „Riesen-Ablenkung“: Im Unterricht sind die Spinner verboten

„Im Unterricht sind sie eine Riesen-Ablenkung“, sagt auch Dieter Leins, Schulleiter der Gemeinschaftsschule Rainbrunnen Schorndorf. Deshalb sind sie zur Unterrichtszeit verboten. In den Pausen darf mit ihnen aber gespielt werden. Wie Handys werden die Fidget Spinner bei Verstoß gegen die Regeln abgenommen. Da sich die Schüler an die Regeln halten, sei das keine große Problematik. Die Fidget Spinner seien nicht nur in Deutschland verbreitet. „Auch in Frankreich sieht man sie an jeder Straßenecke.“ Der erfahrene Rektor hat schon viele Trends miterlebt, unter anderem Pokémon-Karten und Panini-Bilder zur Fußballweltmeisterschaft. Bei diesen Spielen geht es um das Sammeln und Tauschen von Karten. An seiner Schule bedeuten neue Trends keine große Aufregung. „Solche Dinge kommen und gehen immer wieder“, sagt Leins.

Eine 13-Jährige fragt sich, weshalb Leute das Spielzeug nutzen, wenn sie es gar nicht brauchen

„Ich finde Fidget Spinner total blöd“, meint Miriam. Eigentlich seien sie für kranke Leute erfunden worden, deshalb findet es die 13-Jährige „unnötig, wenn gesunde Leute sie benutzen, wenn sie sie gar nicht brauchen“. Einige ihrer Freunde besitzen einen Spinner. In ihrer Klasse sind es vor allem Jungs, die dem Trend folgen. Ihr persönlich gefällt der Handkreisel zwar nicht, aber er gilt „allgemein als cool“.

Über soziale Netzwerke verbreitete sich das neue Trendspielzeug weltweit

Zum ersten Mal hat Miriam das Spielzeug im Internet gesehen. Ursprünglich kommt es aus den USA. Über soziale Netzwerke wie YouTube oder Instagram verbreitete es sich weltweit. Der Trend schwappte Mitte Mai schlagartig nach Deutschland über. Kurz nachdem Miriam die Fidget Spinner im Internet gesehen hat, tauchten die ersten Modelle in ihrer Klasse auf.

Sie findet nicht, dass sie gegen Stress helfen. „Mich regen sie eher auf, als dass sie mich beruhigen.“