Schorndorf

Frauen fühlen sich am Bahnhof unsicher

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Kein Wohlfühlort für Frauen: der Schorndorfer Bahnhofsvorplatz nach dem Vorrundenspiel Deutschland-Schweden im Juni 2018. © Schneider / ZVW
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CDU-Rätinnen Silvia Wolz und Iris Greiner (Bildmitte) beim Stadtrundgang für Frauen. © Ralph Steinemann Pressefoto

Schorndorf. Der Bahnhofsvorplatz und die Unterführung in Richtung Vorstadt – für Frauen sind das bei Dunkelheit keine Wohlfühlorte. Im Gegenteil: Beim Stadtrundgang, zu dem der CDU-Stadtverband eingeladen hatte, forderten sie mehr Polizeipräsenz und Licht, ein Frauentelefon, ja sogar Videoüberwachung. Für Letzteres fehlt der Stadt indes die Rechtsgrundlage. Überhaupt, ist Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich überzeugt: Frauen leben in Schorndorf „in einer sicheren Stadt“.

Das unbehagliche Gefühl kennen alle: nachts allein von der S-Bahn raus auf den Bahnhofsvorplatz und womöglich noch über die dunkle Unterführung in Richtung Nordstadt. Und mag die Polizeistatistik auch noch so wenig Anlass zur Sorge bieten: „Wir fühlen uns unwohl“, stellte CDU-Stadträtin Iris Greiner stellvertretend für viele Schorndorfer Frauen fest. Beim Stadtrundgang, zu dem sie mit ihren Fraktions- und Parteikolleginnen im Rahmen der Veranstaltungsreihe „100 Jahre Frauenwahlrecht“ geladen hatten, waren sich die Teilnehmerinnen einig: Hier gibt es Handlungsbedarf.

Bahnhof "kein Drogenumschlagplatz"

Mehr Licht vor dem Bahnhof und in der Unterführung, Frauenparkplätze in Bahnhofsnähe, mehr Sauberkeit auch in den Toiletten. Für Iris Greiner, die selbst einige Zeit an dieser Ecke gewohnt hat und weiß, wie unsicher sich Frauen nachts allein fühlen können, ist außerdem „eine ausgiebige Überwachungstechnik“ wichtig. Doch dafür fehlt, selbst wenn er den Bahnhofsvorplatz als Schorndorfer Bermuda-Dreieck bezeichnet, für Ersten Bürgermeister Edgar Hemmerich die Rechtsgrundlage: Für eine Videoüberwachung müsse ein Kriminalitätsschwerpunkt definiert werden – „und den hat man hier nicht“. Dass es vor dem Bahnhof immer wieder zu Körperverletzungen kommt und auch mit Drogen gehandelt wird, will Hemmerich gar nicht bestreiten – schließlich können, wie eine Teilnehmerin glaubhaft versicherte, schon 14-Jährige zu Hause erzählen, welche Drogen es tagsüber am Bahnhof zu kaufen gibt. Für Hemmerich ist trotzdem wichtig, zu betonen: „Das ist kein Drogenumschlagplatz und keine offene Rauschgiftszene.“ Und die Polizeistatistik interpretiert er so: Frauen können sich rund um den Bahnhof genauso sicher fühlen wie anderswo.

Statt Schreckschusspistolen: Mit Selbstbewusstsein bewaffnen

In jedem Fall empfiehlt er, dass Frauen, die sich im Bahnhofsumfeld belästigt fühlen, dies auch immer bei der Polizei melden – selbst wenn sich Anruferinnen dort, wie einige Teilnehmerinnen beim Stadtrundgang beklagen, oft nicht ernstgenommen fühlen oder meist auch nur in der Warteschleife landen: Alles andere macht für Hemmerich „keinen Sinn“.

Mehr weibliche Ansprechpartnerinnen beim fürs kommende Jahr geplanten städtischen Sicherheitsdienst oder ein niederschwelliges Frauentelefon, das wird die Stadt aus seiner Sicht nicht leisten können – stattdessen rät er Frauen, sich des Nachts auf dem Heimweg mit anderen zusammenzutun und sich mit selbstbewusstem Auftreten, keinesfalls aber mit Tränengas oder Schreckschusspistolen zu bewaffnen. Für CDU-Rätin Greiner indes wäre gerade eine Frauen-Hotline eine Sache, für die sich ihre Partei verwenden könnte. Ebenfalls wichtig aus ihrer Sicht: Am Bahnhofsvorplatz sollten nicht nur mehr Polizeibeamte, sondern auch Sozialarbeiter präsent sein.

Autofreier Platz auch nach der Gartenschau

Doch Frauen bewegt in Schorndorf noch mehr: Beim Treffpunkt am Daimler-Denkmal am Unteren Marktplatz hat zunächst CDU-Stadträtin Silvia Wolz einen Ausblick auf das Gartenschaujahr geboten. Wo jetzt noch Autofahrer auf der Suche nach einem Parkplatz kreisen, wird sich im kommenden Jahr ein Tor zur Gartenschau befinden – mit Pavillons und Sitzgelegenheiten. Ob der Untere Marktplatz danach wieder Park- oder doch vielleicht Aufenthaltsplatz wird, darüber muss, wie Edgar Hemmerich erläuterte, noch diskutiert werden. Auch innerhalb der Fraktion: Könnte Silvia Wolz sich durchaus einen autofreien Platz vorstellen, will sich Iris Greiner für die innenstadtnahen Parkplätze verkämpfen. Von Kunden, die in ihren Blumenladen an der Konstanzer-Hof-Gasse kommen, weiß sie: Gerade von der älteren Generation werden die Parkplätze in den frühen Morgenstunden gerne für Einkäufe auf dem Wochenmarkt genutzt. Dass Einzelhändler schon bei der Einführung der Fußgängerzone das Ende der Innenstadt prophezeit haben und nichts passiert ist, lässt sie nicht gelten – schließlich ist für sie die gute Parkplatzsituation auch Grund dafür, dass der Bereich zwischen Bantel, H&M und Arnold-Areal im Vergleich zu anderen Innenstadtecken „funktioniert“.

Einen ganz anderen Vorschlag hat Kirsten Katz: Als Teilnehmerin des CDU-Stadtrundgangs plädierte sie für eine bessere Taktung bei Bussen und Bahnen – und will so das Auto überflüssig machen. Dieses Argument bemühte sie auch ein zweites Mal, als es jenseits der Unterführung in Zusammenhang mit den großen Wohnbauprojekten im Mühlenviertel (dem Breuninger- und dem Pfleiderer-Areal) um fehlende Parkplätze ging. Schließlich schreibt, wie Agnes Zieger als stellvertretende CDU-Stadtverbands-Vorsitzende erklärte, die Landesbauordnung für jede neue Wohnung nur einen Parkplatz vor. Wo die restlichen Autos parken sollen, das ist eine Frage, die die Anwohner schon heute beschäftigt.

Die Unterführung soll „heller und ansprechender werden“

Positiver Nebeneffekt der Bebauung des Breuninger-Areals ist für Silvia Wolz auch die geplante Öffnung der Unterführung in Richtung Vorstadt: „Sie soll heller und ansprechender werden.“ Das freilich ist nur am Ein- und Ausgang möglich. Der Rest der Unterführung, erläuterte Wolz, „gehört der Bahn“. Und vor den Jahren 2021/22 wird sich auf dem Breuninger-Areal sowieso nichts tun. Es gab sogar einen Rückschlag: Der Vollsortimenter, berichten die CDU-Frauen, ist abgesprungen, ein Ersatz noch nicht gefunden.