Schorndorf

Freibadbilanz: Gemeinde macht 240 000 Euro Verlust

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Remshaldener Freibad.pdf © VLP

Remshalden. Dass das Freibad ein Zuschussbetrieb ist, das ist nichts Neues. Bis zu 240 000 Euro Verlust verzeichnet die Gemeinde Remshalden für die Saison 2016. Jetzt stehen große Investitionen im Bad an und die Personalsituation wird zunehmend zum Problem. Doch dass sich die Gemeinde das Freibad weiter leisten will, daran lassen Verwaltung und Gemeinderäte keinen Zweifel.

Genau eine Bedingung gibt es, unter der eine Schließung des Freibads infrage kommen könnte – zumindest wenn es nach Remshaldener Schülern geht. FW/FDP-Gemeinderätin Sigrid Pressel berichtete von deren Meinung, die sie bei einem Gemeinderats-Projekt mit der Realschule mitbekommen hatte. Die Meinung der Schüler laut Pressel: „Wenn der Badesee zwischen Grunbach und Geradstetten kommt, dann können wir das Freibad zumachen.“ Da wohl eher im Juli die Rems zufriert, als dass tatsächlich zwischen Grunbach und Geradstetten ein Badesee angelegt wird, ist eine Schließung aus dieser Sicht sehr unwahrscheinlich. Eine Einstellung des Freibadbetriebs steht nicht zur Debatte – das war nun auch die klare Meinung der Gemeinderäte im Verwaltungsausschuss.

Drastischer Rückgang der Besucherzahlen

Dort stellte in dieser Woche der Remshaldener Kämmerer Holger Mayer die Bilanz des Bads für das Jahr 2016 vor. Bei den Besucherzahlen gab es von 2015 auf 2016 einen drastischen Rückgang von 26 Prozent. Aber bei genauerem Hinsehen ist dieser scheinbar erschreckende Einbruch gar nicht so dramatisch. 2015 war ein extremes Jahr mit einem „absoluten Rekordsommer“, wie der Kämmerer sagte. Es kamen fast 80 000 Badegäste ins Remshaldener Freibad, so viele wie noch nie zuvor. Das Rekordjahr ausgenommen, liegt der Besucherschnitt seit 2010 bei knapp 54 000. 2016 waren es 59 000 Badegäste, das heißt, es war eine überdurchschnittlich gute Saison.

Fast die Hälfte des Umsatzes mit Tageskarten

Die Besucher brachten 2016 durch die Eintrittsgelder einen Umsatz von rund 85 000 Euro in die Freibadkasse. Mit 48 Prozent hatten die Tageseintritte den größten Anteil daran. 36 Prozent kamen durch die normale Saisonkarte, sieben Prozent durch die Kombikarte, die auch zum Eintritt ins Winterbacher Freibad berechtigt. Die Zehnerkarten machen vier Prozent am Umsatz aus.

Aktuell läuft laut Kämmerer Holger Mayer der Vorverkauf der Dauer- und Kombikarten für die beginnende Saison schon ziemlich gut. Ob sie dann am Ende umsatztechnisch als gut zu bewerten ist, das kommt wie immer aufs Wetter an, da die Tageseintritte eben einen großen Anteil ausmachen.

Einnahmen decken die Kosten bei weitem nicht

Doch selbst ein Rekordsommer wie 2015 ändert nichts daran, dass die Kosten, die das Freibad der Gemeinde verursacht, durch die Einnahmen bei weitem nicht gedeckt sind. Der Deckungsgrad schwankt laut Holger Mayer zwischen 20 und 30 Prozent je nach Wetterlage über die Saison. Im Schnitt mache das Bad pro Jahr 250 000 Euro Verlust. Für 2016 ist die Endabrechnung noch nicht fertig, der Kämmerer geht aber von einem Minus zwischen 230 000 und 240 000 Euro aus.

Dazu kommt die Ankündigung von Holger Mayer, dass in den kommenden Jahren die Beckenfolie saniert werden muss. Ganz grob geschätzte Kosten: 80 000 bis 100 000 Euro. Der Kämmerer sprach von der „nächsten dunklen Wolke am Horizont“.

Das Freibad gehört zu Remshalden

Außerdem müsse die Gemeinde eine Lösung für die Personalfrage finden, kündigte Mayer an. Man müsse dringend die Abgänge kompensieren, die es gegeben habe. Doch Neueinstellungen seien schwierig. Momentan seien bundesweit 2500 Stellen für Schwimmmeister offen. In Titisee-Neustadt stehe sogar eine Schließung des Freibades wegen Personalmangel zur Debatte, so Mayer. So dramatisch sei es in Remshalden nicht. Doch nur über eine Kooperation mit den Stadtwerken Schorndorf, die Personal zur Verfügung stellen, könne man den Betrieb aufrechterhalten.

Trotz der „dunklen Wolken“ und der „grundlegenden Diskussionen“, die Holger Mayer für die nächsten Jahre ankündigte, bekannten sich die Räte im Verwaltungsausschuss und auch Bürgermeister Stefan Breiter deutlich zum Freibad: „Wir dürfen nicht auf die Idee kommen, das Bad zu schließen“, sagte Margret Single (SPD). Wobei sie betonte, dass entsprechende Stimmen durchaus schon da seien, ohne zu präzisieren, von wem diese Stimmen kommen. Sigrid Pressel sagte: „Das Freibad gehört zum Wohlfühlort Remshalden.“

Freibad hat diese Woche noch zu

Die Saisoneröffnung am 1. Mai war kein Vergnügen für die Teilnehmer des kleinen Triathlons, den die Rathausspitze gegen Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr im Remshaldener Freibad austrug: zwölf Grad kalt war das Wasser. Daran hat sich in den Tagen danach nicht viel geändert. Weil es kühl und wenig sonnig blieb, schaffte es die Solaranlage nicht, das Wasser auf Temperaturen zu bringen, bei denen die Mehrheit der Menschen gerne baden geht. Deswegen hat sich die Gemeinde wie bereits berichtet entschlossen, das Bad vorübergehend bis einschließlich kommenden Sonntag, 14. Mai, wieder zu schließen.

Dauerkarteninhaber können in der Zwischenzeit als Ersatz ins Oscar-Frech-Hallenbad nach Schorndorf gehen. Kombikartenbesitzer haben sogar noch eine zweite Möglichkeit: Das Winterbacher Freibad hat nämlich offen. Stand Donnerstagnachmittag hatte das Wasser dort eine Temperatur von 20,8 Grad. Winterbach heizt nämlich nicht rein mit Öko-Sonnenstrom, sondern hat zur Unterstützung eine Wärmepumpe.