Schorndorf

Gartenschau 2019: sechs markante Investionsfelder

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Die beiden Gartenschau-Planer Prof. Jörg Stötzer (links) und Axel Lohrer. © Alexandra Palmizi / ZVW
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Grafik Investitionen Gartenschau 2019 Schorndorf_1
Gartenschau.pdf © VLP

Schorndorf. 1,3 Millionen Euro für die Umgestaltung des Schlossparks, 1,2 Millionen für die attraktivere Gestaltung des Stadtparks, rund eine Million für Maßnahmen auf dem Grafenberg, rund eine Million für die sensible Aufwertung der Bereiche Alter Friedhof und Feuersee, und knapp eine Million Euro – nach Abzug von zu erwartenden Zuschüssen in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro – für die Remsrenaturierung im Bereich „Baurenwasen“: Das sind die großen und markanten Investitionsmaßnahmen der Stadt für die Remstal-Gartenschau im Jahr 2019.

Dazu kommen weitere Maßnahmen wie die immerhin auch noch mit knapp 700 000 Euro veranschlagte Neugestaltung des VHS-Vorplatzes und eine Reihe kleinerer Maßnahmen wie etwa die Gemeinschaftsgartenanlage (Krautgarten) im südlich des Sportparks und jenseits der Rems gelegenen Gebiet „Kuhwasen“ oder die Stadtentwicklungsmaßnahme Tuller Platz – als Verbindungsglied zwischen Schlosspark und Altem Friedhof –, die von der Verwaltung eigentlich erst für die Zeit nach der Gartenschau eingeplant war, die jetzt aber auf Drängen vor allem der CDU-Fraktion doch schon 2018 realisiert werden soll. Diese Maßnahme ist mit rund 300 000 Euro veranschlagt.

Reihenfolge umgekehrt: erst die Palm-, dann die Archivstraße

Auch in einem anderen Punkt musste die Verwaltung ihren Vorschlag korrigieren. Es soll nämlich, wenn’s nach dem Gemeinderat geht, der sich in diesem Punkt weitgehend einig war, als weitere Stadtentwicklungsmaßnahme nicht zuerst die Archivstraße und später dann, ab dem Jahr 2020, die Johann-Philipp-Palm-Straße von der Einmündung Archivstraße in Richtung Einmündung Schulstraße ausgebaut werden, sondern umgekehrt. Über die Gestaltung der Archivstraße müsse im Zusammenhang mit dem Bau der Stadtbücherei später ohnehin noch einmal nachgedacht werden – ganz davon abgesehen, dass erst einmal das Bauvorhaben Schatz abgeschlossen sein müsste –, begründete CDU-Stadtrat Manfred Bantel den Wunsch seiner Fraktion, die Umgestaltung der Johann-Philipp-Palm-Straße vorzuziehen. Zumal die, so die Ergänzung von Grünen-Stadtrat Werner Neher, im Hinblick auf die Gartenschau und da wiederum vor allem für Fußgänger und Radfahrer ein viel wichtigere Erschließungs- und Führungsfunktion habe als die Archivstraße.

Er sei „ganz erstaunt über die Begeisterung für die Archivstraße“, sagte Planer Alex Lohrer vom Münchner Büro lohrer.hochrhein, der jetzt den Auftrag hat, die Planung für die Palm-Straße bis nach den Sommerferien zu konkretisieren und mit Zahlen zu hinterlegen. Dann will der Gemeinderat in der September-Runde endgültig entscheiden, wobei FDP/FW-Stadtrat Gerhard Nickel vorab schon mal Wert darauf legte, dass die Kurzzeitparkplätze entlang der Palm-Straße nicht wegfallen dürfen – zumindest nicht auf Dauer. Beim Stadtpark muss Lohrer seine bisherigen Überlegungen insoweit korrigieren, als sich der Gemeinderat auf Antrag der Grünen und der SPD-Fraktion mehrheitlich dafür ausgesprochen hat, die vorhandene Zwischenbrücke zu erhalten. Der Planer hätte sie gerne entfernt.

Grafenberg-Kapelle: Ja, aber kein Architektenwettbewerb

Beim Grafenberg, den Gartenschau-Planer Prof. Jörg Stötzer durch diverse Nutzfelder, durch ein nach Südwesten ausgerichtetes Aussichtsdeck und durch eine nach Süden hin orientierte auskragende Aussichtsplattform erlebbarer machen will, wurde, untermauert durch den Hinweis auf ein „stimmiges Gesamtkonzept“, an dem nicht pauschal gekürzt werden sollte, der Antrag der CDU-Fraktion abgelehnt, die angenommenen Kosten von rund einer Million Euro um ein Drittel zu kürzen. Im Detail ging es dann um die Frage, ob es auf dem Grafenberg, der künftig einen direkteren Zugang bekommen soll, außer der „Weißen Station“ ein weitere Bauwerk in Form einer Kapelle geben soll. Bislang war geplant, auf dem Grafenberg als bürgerschaftliches Projekt eine einfache Holzkapelle zu errichten, die insgesamt nicht mehr als 150 000 Euro kosten sollte. Mindestens die Hälfte davon sollte über Sponsoring finanziert werden.

„Das hebt sich auf“, argumentierte Werner Neher gegen den Bau von zwei aus seiner Sicht miteinander konkurrierenden Gebäuden auf dem Grafenberg, während Oberbürgermeister Matthias Klopfer sich vorstellen konnte, dass zwei Gebäude auch bereichernd wirken können. Der Gemeinderat zog sich so aus der Affäre, dass er das Projekt „Kapelle am Grafenberg“ mehrheitlich grundsätzlich befürwortete, gleichzeitig aber den von der Verwaltung vorgeschlagenen und mit 50 000 Euro veranschlagten Architektenwettbewerb ablehnte. „So ein Plan fällt nicht vom Himmel“, ärgerte sich Matthias Klopfer zunächst über diese Entscheidung und erklärte die Idee mit der Kapelle für „erledigt“. Um gleich danach wieder in einen kämpferischen Jetzt-erst-recht-Modus zu verfallen und sich wild entschlossen zu zeigen, etwas ganz Besonderes zu machen – und für die Finanzierung des Wettbewerbs einen potenten Sponsor zu suchen.


Die Maßnahmen im Einzelnen

Um es vorweg zu nehmen: Es gibt außer der Seilbrücke über die Rems auch noch einige andere Maßnahmen, die im Vorfeld der Gartenschau nicht nicht realisiert werden. Dazu gehört die geplante Umgestaltung des Ochsenbergs im Bereich des Zugangs zum Schloss, der derzeit vor allem schmuckloser Parkplatz ist. Sie soll ebenso erst von 2020 an in Angriff genommen werden wie die viel diskutierte Umgestaltung des Unteren Marktplatzes – von manchen auch Unterer Parkplatz genannt –, die erst im Zusammenhang mit den Planungen für einen neuen Zentralen Omnibusbahnhof konkretisiert werden soll. Was ebenfalls nicht vor 2020 passieren wird. Für die beiden Maßnahmen Ochsenberg und Unterer Marktplatz standen bislang Kostenschätzungen in der Größenordnung von einer halben Million beziehungsweise von 1,4 Millionen Euro im Raum. Aus Kostengründen nicht weiter verfolgt werden auch die Planungen für den Bau einer sogenannten „Stuttgarter Holzbrücke“ über die Rems im Bereich Wiesenstraße/Sportpark Rems.

Schlosspark

Der Schlosspark wird im Hinblick auf die Gartenschau so umgestaltet, dass er für große und größere Veranstaltungen genutzt werden kann, aber auch für sich genommen künftig markanter – sowohl was die Promenade als auch die Berücksichtigung der historischen Stadtmauerrelikte angeht – in Erscheidnung tritt. Im Zentrum der Wegeachsen soll ein neuer Platz mit bodenbündigen Fontänen entstehen. Wichtiger Bestandteil ist ein neu gestalteter Themenspielplatz, mit dem ebenfalls ein Bezug zur Festungsanlage hergestellt werden soll. Ihren Antrag, diesen Spielplatz nach dem langjährigen Stadtrat und Vorsitzenden des Kinderspielplatzvereins, Frieder Stöckle zu benennen, hat die SPD-Fraktion auf Anraten der Verwaltung wieder zurückgezogen. Im engen Zusammenhang mit dem Schlosspark gesehen werden muss die räumliche Neustrukturierung und optische Aufwertung des dem Land gehörenden Finanzamtshofs. An dieser Maßnahme will sich die Stadt mit 200 000 Euro beteiligen.

Stadtpark

Beim Stadtpark geht es Gartenschau-Planer Alex Lohrer darum, den Teich erkennbar in die Parkmitte zu rücken und die Wasserfläche wieder erlebbar zu machen – unter anderem durch abgeflachte Ufer und Rasenflächen, die zum Liegen und Verweilen einladen. Auch der Spielplatz am Strand soll aufgewertet werden. Nördlich des Sees soll ein Garten angelegt werden, eine eingezäunte Fläche mit Gemüse- und Kräuterbeeten und einer offenen Küche. Insgesamt soll rund um den See ein Bewegungs- und Erlebnisraum für alle Generationen entstehen. Der Vorplatz der Volkshochschule soll ebenfalls gestalterisch aufgewertet und zu einer multifunktionalen Fläche umgemodelt werden – ob mit oder ohne Bewirtungsbereich ist noch offen.

Feuersee

Auch beim Feuersee geht es aus Sicht von Lohrers Planerkollege Prof. Jörg Stötzer darum, den See erlebbarer und zugänglich zu machen. Was vor allem durch einen an den See gelegten Pfad und ein etwas in die Seefläche hineinragendes Holzdeck geschehen soll. Für den Gemeinderat war wichtig, dass im nordöstlichen Bereich des Feuersee-Geländes eine kurze Verbindung zum und vom Gehweg Feuerseestraße geschaffen wird – als Teil der Verbindung zwischen Schillerplatz und Aichenbachstraße.

Alter Friedhof

Beim Alten Friedhof beschränken sich die planerischen Eingriffe im Wesentlichen auf die Anlegung kleiner Pfade abseits der Hauptwege, auf das Aufstellen von Informationstafeln und auf das Anbringen von Schwingtoren, mit denen die schnelle Durchgängigkeit vor allem auch für Radfahrer etwa gebremst werden soll. Schließlich soll der Alte Friedhof in erster Linie ein Ort der Ruhe und nicht eine Abkürzung für Menschen sein, die es besonders eilig haben.

Rems

Mit der geplanten Remsrenaturierung im „Baurenwasen“ (entlang der Schlachthausstraße zwischen Benz- und Bauknecht-Strraße) soll, wie Prof. Stötzer im Gemeinderat sagte, der Natur wieder ein Stück Rems zurückgegeben und ein Fehler der Vergangenheit korrigiert werden. Schatten- und Sonnenseite sollen unterschiedlich gestaltet, der Fluss selber soll durch kleinere begehbare Inseln aufgewertet werden. Auch zwei Holzdecks sind vorgesehen. „Das könnte eine tolle Attraktiion werden“, meinte Jörg Stötzer.

Im weiteren Sinne ebenfalls Bestandteil der Gartenschauplanungen ist der Bau eines neuen Parkhauses an der Heinkelstraße mit insgesamt rund 400 Stellplätzen, von denen auch ein Teil P+R-Plätze sein sollen. Eine konkreten Planung soll laut Finanzbürgermeister Thorsten englert im Herbst vorgelegt werden.