Schorndorf

Gastro-Start in Biergärten und Cafés verläuft gedämpft

Coronabiergarten
Am Mittwochmittag ist im Stadtbiergarten noch nicht allzu viel los. Stadtbiergarten-Betriebsleiter Frank Zienicke ist aber froh, dass er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überhaupt wieder Arbeit haben. © Gaby Schneider

Normalerweise herrscht im Stadtbiergarten vor allem am Vatertag viel Rummel: viele Menschen, die bei Live-Musik feiern, trinken und quatschen. Doch seit Corona ist vieles anders. In diesem Jahr gibt es keine Musik, statt der bis zu 600 Gäste, die im Biergarten Platz haben, passen derzeit höchstens 250 in den Garten. Auch wenn jetzt kein Vatertag wie aus dem Buche stattfinden kann, ist Betriebsleiter Frank Zienicke vor allem froh, dass er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun überhaupt wieder Arbeit haben. Den anderen Gastronomen geht es ähnlich.

Gäste müssen ihre Daten angeben

Bevor die Gäste den Stadtbiergarten betreten dürfen, müssen sie sich in ein Formular eintragen. Telefonnummer, Tag, Uhrzeit und Name müssen abgegeben werden, so dass im Nachhinein eine mögliche Infektionskette nachvollzogen werden kann. Jeweils zwei kleine Tische beziehungsweise zwei große Biertische hat Zienicke zusammengeschoben. So können etwa auch Menschen aus zwei verschiedenen Haushalten ohne Bedenken gemeinsam Platz nehmen. Das Team musste auch deshalb umbauen, weil zwischen den Stühlen ein Mindestabstand von 1,5 Meter vorgesehen ist.

Doch das ist nicht das Einzige, was derzeit anders ist im Stadtbiergarten: Vor der großen Theke befindet sich ein Absperrband, die Kunden werden so geleitet, dass sie möglichst wenige Wege gehen und dadurch möglichst wenigen anderen Menschen begegnen. Wer den Biergarten betritt, etwas an der Theke bestellt oder aufs Klo geht, ist außerdem dazu aufgefordert, eine Maske zu tragen. Am Tisch dürfen die Gäste sie natürlich abnehmen. „Die Mehrheit hat großes Verständnis für die Regeln“, sagt Zienicke. Doch nicht nur die Gäste müssen Mundschutz tragen, auch Zienicke und seine Mitarbeiter schützen sich und andere mit schwarzen Masken aus Stoff. Auf ihnen sind jeweils die Vornamen eingestickt.


Die Schwierigkeit: Viel Personal, niedrige Einnahmen

Die vielen Regeln sind nicht mal eben umgesetzt. Zienicke braucht fast doppelt so viel Personal wie sonst, hat aber deutlich weniger Einnahmen. Der organisatorische Aufwand sei riesig. In der Küche und hinterm Tresen müssen die Mitarbeiter immer einen Mindestabstand von 1,5 Meter einhalten. Vor der Coronakrise konnte ein Mitarbeiter sowohl die Zapfanlage betätigen als auch kassieren. Jetzt sind die Arbeitsbereiche strikt voneinander getrennt. Für Kasse und Zapfhahn braucht Zienicke daher zwei Mitarbeiter. Doch immerhin seien bei ihm die Kalt- und Warmküche so groß, dass sich die Vorgaben überhaupt in der Praxis umsetzen lassen.

Trotz des großen Aufwands ist der 57-Jährige froh, dass es überhaupt weitergeht. Er hofft, dass am langen Wochenende viele Kunden kommen. Seit Montag hat Zienicke wieder offen, ein großer Ansturm blieb erst mal aus. Zienicke betont aber, wie froh viele der Stammgäste seien, dass der Biergarten wieder geöffnet hat. Klar, es ist schön, das kalte Bier wieder an gewohnter Stelle trinken zu können.

Nicht nur der Stadtbiergarten hat wieder geöffnet, auch der Biergarten Platzhirsch beim Sportpark bietet wieder Speisen und Getränke für seine Gäste und am Freitag, 22. Mai, startet auch das Team im Biergarten der Manufaktur wieder durch.

In den Cafés sitzen weniger Gäste als normalerweise

Neben den Biergärten sind auch die Cafés in der Innenstadt wieder geöffnet. Seit wenigen Tagen gehören die besetzten Stühle und Tische, etwa entlang der Johann-Philipp-Palm-Straße wieder zum Stadtbild. Auf dem Oberen Marktplatz beim Ama Deli treffen sich am Mittag wieder einige zum Kaffeetrinken. Doch der ganz große Kundenandrang blieb in den ersten Tagen aus, erzählt Chef Mathias Simon. Doch im Gegensatz zu Stuttgart, wo er auch das Restaurant Amadeus betreibt, seien die Menschen in Schorndorf offener, wieder Restaurants und Cafés zu besuchen, stellt er fest. Das Ama Deli ist seit Dienstag wieder geöffnet. Seine Hoffnung setzt Simon erst mal auf das verlängerte Wochenende und auf eine volle Terrasse. Simon berichtet in Sachen Umsatz allerdings Ähnliches wie Zienicke. Der reiche derzeit noch nicht aus, die hohen Personalkosten zu decken. Stolz ist Simon, dass er bislang keine Mitarbeiter entlassen musste, auch wenn ihm nichts anderes übrigblieb, als viele in Kurzarbeit zu schicken. Positiv überrascht sei er aber davon gewesen, wie unbürokratisch die Behörden die Gelder dafür genehmigt hätten.


Damit die Speisekarte nicht zum Infektionsrisiko wird, gibt es im Ama Deli eine Einwegkarte, in die die Kunden gleichzeitig ihre Daten eintragen. Simon versichert, die Daten nicht zu digitalisieren und nach vier Wochen zu entsorgen.

Nur die Stammkunden kommen ins Café de Ville

Lena Galagorri vom Café de Ville klingt weniger optimistisch wie die anderen Gastronomen. Den Mittagstisch, den sie normalerweise anbietet, hat sie erst mal gestrichen, finanziell habe sie mit den Speisen in den vergangenen Tagen Verluste gemacht. Tische musste die Betreiberin des Cafés nicht reduzieren, lediglich die Anzahl der Stühle habe sie verringert. Doch tatsächlich blieben diese oft unbesetzt. „Nur meine Stammkundschaft kommt“, erzählt sie. In das Café hinein setze sich derzeit kaum jemand, sagt sie. Dass sich die Lage kurzfristig ändert, glaubt Galagorri nicht. Sie setzt ihre Hoffnung auf die langfristigen Entwicklungen.

Normalerweise herrscht im Stadtbiergarten vor allem am Vatertag viel Rummel: viele Menschen, die bei Live-Musik feiern, trinken und quatschen. Doch seit Corona ist vieles anders. In diesem Jahr gibt es keine Musik, statt der bis zu 600 Gäste, die im Biergarten Platz haben, passen derzeit höchstens 250 in den Garten. Auch wenn jetzt kein Vatertag wie aus dem Buche stattfinden kann, ist Betriebsleiter Frank Zienicke vor allem froh, dass er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper