Schorndorf

Gedenken an die Massaker von Tulle und Oradour

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Beim Gedenkmarsch in Tulle: Der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer war dabei, als der französische Staatspräsident François Hollande mit Bürgermeister Bernhard Combes und Tausenden von Tuller Bürgern beim Gang durch die Stadt der Erhängungen vom 9. Juni 1944 gedachte. © Jamuna Siehler
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Gedenkmarsch durch die von Ruinen gesäumten Straßen von Oradour. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Leticia Sprunck
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler
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Gedenken an die Opfer von Oradour und Tulle. © Jamuna Siehler

Schorndorf/Tulle. 99 Männer hat die SS-Panzerdivision „Das Reich“ in einer Vergeltungsaktion gegen die Résistance am 9. Juni 1944 in Tulle ermordet, erhängt an Straßenlaternen und Balkonen. Einen Tag später fand das Massaker von Oradour statt. Was hierzulande vielen nicht bewusst ist, gehört in Frankreich zum nationalen Gedächtnis. Am Gedenkmarsch, bei dem Oberbürgermeister Matthias Klopfer mit einer Delegation aus Schorndorf dabei war, hat auch Staatspräsident François Hollande teilgenommen.

Zuschauer gibt es beim Gedenkmarsch in Tulle nicht: Wer am 9. Juni, nachmittags um halb fünf zum Place Smolensk in Schorndorfs französischer Partnerschaft kommt, marschiert mit. Hinter Fahnenträgern der Opfer- und Widerstandsverbände, hinter Schülergruppen – und hinter Staatspräsident François Hollande. Von 2001 bis 2008 war er Bürgermeister von Tulle. Doch die Tatsache, dass die SS-Panzerdivision „Das Reich“ am 9. Juni 1944 – nachdem Widerstandskämpfer die Stadt zwei Tage zuvor als eine der ersten in Frankreich unter ihre Kontrolle gebracht hatten – in einer schrecklichen Vergeltungsaktion 99 Männer erhängte, ist in Frankreich ein nationales Erinnerungsereignis. Und zum kollektiven Bewusstsein gehört auch, dass die deutschen Haupttäter nie zur Rechenschaft gezogen wurden und es von deutscher Seite auch keine offizielle Entschuldigung gab. Umso wichtiger ist es auch für Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer, sich am Gedenken zu beteiligen. 2014, zum 70. Jahrestag der Erhängungen, war er bereits beim Gedenkmarsch in Tulle. Jetzt hat er – gemeinsam mit Winfried Krug, dem Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Bordeaux – am Ende des zweistündigen Marsches einen Kranz niedergelegt an der Gedenkstätte des Massengrabs der Opfer an der Haut-Lieu de Cueille.

Am Abend zuvor hatte sich die Schorndorfer Delegation, zu der Stadtmuseumsleiterin Dr. Andrea Bergler, Heimatvereinsvorsitzender Dr. Holger Dietrich, Sonja Schnaberich-Lang, im Rathaus zuständig für die Städtepartnerschaften, und Klopfers persönliche Referentin Isabelle Kübler gehörten, mit Angehörigen der Opferfamilien getroffen. Gerade in dieser persönlichen Begegnung im Tuller Rathaus wurde noch einmal der Schrecken deutlich, den die SS-Panzerdivision „Das Reich“ vor 72 Jahren in der französischen Partnerstadt verbreitet hat. Und zwar nachhaltig.

Treffen mit Vertretern des Comité des Martyrs

Im Gespräch mit Michel Drelon, Alain Peuch und Robert Chivallier vom Comité des Martyrs offenbarte sich der Schmerz, den die Deutschen in die Familien gebracht haben: In ihrer Vergeltungsaktion hat die SS-Panzerdivision nicht nur 99 Männer zwischen 18 und 51 Jahren erhängt, von den 150 Zivilisten, die ins Konzentrationslager Dachau deportiert wurden, starben 101. Und diejenigen, die zurückkehrten, waren gezeichnet: Robert Chivallier etwa berichtete von seinem Vater, der bei seiner Rückkehr nach Tulle gerade noch 38 Kilogramm gewogen hatte. Dennoch ist den Vertretern der Märtyrer-Vereinigung eines wichtig: „Der größte Wunsch ist die Aussöhnung mit dem deutschen Volk.“ Und sie sehen nicht nur ihr eigenes Leid: „Die ersten Opfer in den KZs waren die Deutschen.“ Umso bemerkenswerter, dass Tulle bereits im Jahr 1969 – wenn auch gegen den Widerstand vieler Einwohner – eine Städtepartnerschaft mit Schorndorf eingegangen ist.

Der Partnerschaft und der Erinnerung an die Massaker fühlt sich auch OB Klopfer verpflichtet: Bereits zum zweiten Mal war er gemeinsam mit dem französischen Staatspräsidenten Hollande beim Gedenkmarsch in Tulle dabei. Und der 9. Juni ist in jedem Jahr geprägt von Erinnerungsritualen: einer Zeremonie in der Fabrik Borg Warner, einer Zeremonie an der Stèle Élevée an der Rue du 9. Juni 1944, einer Zeremonie an der Stèle des Martyrs an der Rue Louisa-Paulin und am Ende des Gedenkmarsches an der Haut-Lieu de Cueille. Dort – wie am nächsten Tag in Oradour – legte Klopfer einen Kranz nieder. Und es soll nicht das letzte Mal gewesen sein: Immer wieder, sagte er am Ende des zweitägigen Aufenthalts, will er künftig mit Schorndorfern zu den Feierlichkeiten nach Tulle reisen. Außerdem möchte er, vielleicht zum 50-jährigen Bestehen der Partnerschaft im Jahr 2019, die Vertreter des Comité des Martyrs zur Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag nach Schorndorf einladen. Als Zeitzeugen könnten sie, wie sie es auch in Tulle tun, in Schorndorfer Schulen von den schrecklichen Ereignissen berichten.

In Tulle und der gesamten Corrèze ist das Massaker jedenfalls schon lange fester Bestandteil des Bildungsplanes. Und so beginnt der 9. Juni morgens um halb zehn auch mit einer Zeremonie im Collège Clemenceau, wo Blumen und Erinnerungslichter niedergelegt werden. Schulleiter Thierry Chazarin und dem Kollegium ist es bei der Erinnerung aber wichtig, den Schülerinnen und Schülern zu vermitteln, „dass nicht alle Deutschen bei der SS waren“. Die Wunden freilich sind tief: Als er einst selbst mit seinem Deutschstudium begann, „hat meine Großmutter geweint“.


Schorndorf/Oradour. 642 Menschenleben hat die SS-Division am 10. Juni 1944 in Oradour ausgelöscht. Vom Grauen dieses Massakers hat Robert Hébras, als letzter Überlebender im Frühjahr in Schorndorf berichtet. In Oradour sind die Ruinen die stummen Zeugen – und der Marsch ist ein wichtiges Erinnerungsritual.

Vor zwei Jahren, zum 70. Jahrestag der Erhängungen, war Oberbürgermeister Matthias Klopfer in Tulle. Dass er damals auch Philippe Lacroix, den Bürgermeister von Oradour-sur-Glane, kennenlernte, blieb nicht folgenlos: Im November 2014 hat Dr. Florence Hervé aus ihrem Bildband „Oradour – Geschichte eines Massakers“ in Schorndorf gelesen, die Schwarz-Weiß-Fotos waren in einer Ausstellung im Rahmen der Veranstaltungsreihe zur NS-Zeit zu sehen. In diesem März kam mit Robert Hébras der letzte Überlebende des Massakers nach Schorndorf, um die deutsche Barbarei ins Bewusstsein zu bringen. Jetzt folgte Klopfer der bereits vor zwei Jahren ausgesprochenen Einladung zu den offiziellen Feierlichkeiten nach Oradour – und ließ sich mit Dr. Andrea Bergler und Dr. Holger Dietrich gleich von zwei Historikern begleiten.

Am zentralen Mahnmal auf dem Friedhof von Oradour legte Klopfer einen von insgesamt 55 Kränzen nieder. Davor hatte die Schorndorfer Delegation das Centre de la Mémoire besucht und am Gedenkmarsch durch Oradour teilgenommen. Zunächst durch den 1947 neu aufgebauten Ort und dann durch die von Ruinen gesäumten Straßen des Märtyrerdorfs.

Wo heute bedrückende Stille herrscht, geschah vor 72 Jahren das Ungeheuerliche: Das SS-Regiment „Der Führer“ drang in das Dorf ein und trieb die ahnungslose Bevölkerung auf dem Marktplatz zusammen. Die Männer wurden auf Scheunen und Garagen verteilt, Frauen und Kinder in die Kirche gesperrt. Überlebt haben das Massaker nur eine Frau und fünf Männer: Robert Hébras, der damals 19 Jahre alt war, ist einer von ihnen. Und seitdem er 1983 das erste Mal als Zeuge in einem Berliner Gericht vom Albtraum des Massakers berichtet hat, erinnert der 91-Jährige immer wieder an das Grauen, führt durch die Ruinen von Oradour und setzt sich aktiv für die deutsch-französische Freundschaft ein.

Oradour: Souviens-toi – erinnere dich

Im März 1945 besuchte General Charles de Gaulle die Ruinen von Oradour, ein Jahr später verabschiedete die französische Regierung ein Gesetz, das zur Aufrechterhaltung der Dorfruinen als historisches Monument und zum Wiederaufbau eines neuen Oradour verpflichtete. Die Märtyrerfamilien errichteten ein Märtyrergrab.

1999 wurde mit dem Centre de la Mémoire eine Gedenkstätte in Oradour eingeweiht. Dort engagieren sich auch junge Menschen aus Deutschland – wie vor einigen Jahren Robin Völker aus Schorndorf oder wie die 19-jährige Lisa Angermund, Freiwillige der Aktion Sühnezeichen, die die Schorndorfer Delegation am Gedenktag durch die Gedenkstätte und durch Oradour geführt hat.

Auch für Stadtmuseumsleiterin Dr. Andrea Bergler und Heimatvereinsvorsitzenden Dr. Holger Dietrich waren die Gedenkfeierlichkeiten etwas Besonderes – nicht zuletzt, weil man in Deutschland „sehr wenig über Tulle und Oradour weiß“.