Schorndorf

Gemeinde will Ostlandkreuz erhalten

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Bernd-Günter Barwitzki, Kreisvorsitzender des Bundes der Vertriebenen am Ostlandkreuz: „Wir müssen um den Frieden kämpfen.“ © Buettner / ZVW
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Immer wieder finden Gedenkfeiern am Ostlandkreuz statt, wie hier am „Tag der Heimat“ 2008, dem 50. Jahrestag der Aufstellung des Mahnmals. © Habermann / ZVW

Winterbach. Das Ostlandkreuz auf dem Hungerberg ist ein Mahnmal gegen das Vergessen. Der Bund der Vertriebenen hat es 1958 aufgestellt, um die Erinnerung an das Leid wachzuhalten, das der Krieg gebracht hat. Weil der BdV sich nicht mehr imstande sieht, für Pflege und Erhalt des Kreuzes zu sorgen, schenkt er es nun mitsamt Grundstück der Gemeinde Winterbach, die sich ohnehin schon länger darum kümmert.

Video: Die Gemeinde Winterbach übernimmt das Ostlandkreuz vom Bund der Vertriebenen.

Vom Tal aus ist das Ostlandkreuz gut zu sehen, wobei es, wenn Bäume und Büsche belaubt sind, teilweise etwas verdeckt ist. Wer dorthin will, muss auf verschlungenen Wegen, die durch Obstbaum-Grundstücke führen, auf den Hungerberg nördlich der B 29 zwischen Winterbach und Schorndorf steigen.

Als das Kreuz dort 1958 aufgestellt wurde, gab es noch keine Bundesstraße, deren Lärm bis hoch zum Bergkamm dröhnt. Das Kreuz war außerdem noch nicht so von hohen Bäumen eingeschlossen wie heute. Man schaute von dort „weit ins Land“, wie es in einem alten Bericht heißt, so wie man es heute vor allem noch in Richtung Schorndorf tun kann.

Kreuz beinhaltet Symbole

Die Inschrift auf dem Gedenkstein am Kreuz lautet: „Den Opfern von Krieg und Vertreibung zu Ehren, der Heimat im Osten zum Gedenken, der neuen Heimat zum Dank, für Frieden, Recht und ein in Freiheit geeintes Europa zur Mahnung.“ Das Kreuz, so erklärt Bernd-Günter Barwitzki, der Kreisvorsitzende des BdV, beinhaltet als Symbol sowohl Tod und Leid als auch Erlösung und Auferstehung.

Nach dem Krieg: Neues Leben und eine Zukunft 

Auch die Vertriebenen erlebten im und nach dem Krieg Tod und Leid, fanden dann aber ein neues Leben und eine Zukunft. „Der BdV sagte: Wir sind vertrieben worden, aber wollen keine Rache, sondern unsere Zukunft in einem friedlichen Europa leben“, sagt Barwitzki.

Winterbach und Weiler unterstützten das Vorhaben

In den 50er Jahren suchte der Bund der Vertriebenen nach einem Grundstück, um im Rems-Murr-Kreis ein Ostlandkreuz aufzustellen, wie sie in Deutschland überall errichtet wurden. Ein sudetendeutscher Landsmann aus Weiler bekam mit, dass auf dem Hungerberg ein Wiesengrundstück zum Verkauf stand. Die Gemeinden Winterbach und Weiler, damals noch selbstständig, unterstützten und förderten das Vorhaben.

Finanzierung zum Teil aus Spenden 

Außerdem trug eine Spendensammlung zur Finanzierung bei, bei der sich viele Unternehmen aus dem Kreis beteiligten. Rund 7300 D-Mark kostete der Bau des zwölf Meter hohen Kreuzes aus Stahlbeton und Sandsteinplatten. Im September 1958 wurde es am „Tag der Heimat“ eingeweiht. „Ein herrlicher Spätsommertag lag über dem Remstal, ein nicht enden wollender Zug von Teilnehmern pilgerte zum Hungerberg“, berichtet ein Chronist.

Ostlandkreuz zieht Ausflügler und Spaziergänger an 

Auch heute noch sind das Ostlandkreuz und die Lichtung, auf der es steht, ein Anziehungspunkt, sei es jetzt am Morgen des Ostersonntags (siehe „Osternachtsfeier“), bei Festen und Gedenktagen der Vertriebenen-Landsmannschaften oder bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag, genauso auch unter dem Jahr für Ausflügler und Spaziergänger, liegt es doch an der Wanderroute des Remstal-Höhenwegs.

Grundstück jetzt der Gemeinde schenken

Schon seit den 1970er Jahren kümmert sich die Gemeinde Winterbach um die Pflege des Grundstücks rund um das Kreuz. „Personelle Gründe“ waren es schon damals, sagt Bernd-Günter Barwitzki, die dem BdV Schwierigkeiten bereiteten, sich weiter um das Ostlandkreuz zu kümmern. Der Schritt, das Grundstück jetzt der Gemeinde zu schenken, sei da nur folgerichtig, meint der Kreisvorsitzende. „Der BdV dagegen ist schon jetzt aufgrund der Altersstruktur nicht mehr in der Lage, verantwortungsvoll für so ein Denkmal zu sorgen, “, sagt er.

„Das Kreuz ist ein Teil von Winterbach“

Die Gemeinde Winterbach hat das Geschenk ohne Zögern angenommen, darüber gab es auch im Gemeinderat gar keine Diskussion. „Das Kreuz ist ein Teil von Winterbach“, sagte etwa SPD-Rat Wilfried Steiner. Auch für Helmut Nachtrieb (BWV) war klar: „Das ist eine Selbstverständlichkeit, das ist der Dienst an unserer Geschichte, den wir leisten sollten.“ Bernd-Günter Barwitzki freut sich über so viel Geschichtsbewusstsein. Für die Haltung der Gemeinde sei man sehr dankbar.

Durch Übernahme bleibt das Mahnmal

Durch diese Bereitschaft, die Verantwortung für das Ostlandkreuz zu übernehmen, sieht Barwitzki gewährleistet, dass das wichtige Mahnmal bleibt. Die Erinnerung daran, was durch den Krieg über Europa kam, sei wichtig, „um zukünftig jeden Krieg zu verhindern“. „Wir glauben immer, der Frieden in Europa sei gottgegeben und ewig“, meint Bernd-Günter Barwitzki und mahnt: „Wir müssen darum kämpfen.“ Deswegen sei es sehr schade, meint Barwitzki, der selbst erst nach dem Krieg geboren ist, dass die Vertriebenen es nicht geschafft hätten, dass ihre Kinder und Kindeskinder das Andenken an das Schicksal ihrer Eltern und Großeltern weiter pflegen.

Deswegen habe man das Ostlandkreuz als wichtiges Mahnmal in die Obhut der „öffentlichen Hand“ geben wollen: „Damit das Kreuz auch in 100 Jahren hoffentlich noch steht und die Geschichte nicht vergessen wird.“

Osternachtsfeier

Am Ostersonntag, 16. April, findet am Ostlandkreuz die Osternachtsfeier der evangelischen Pauluskirchen-Gemeinde aus Schorndorf mit Pfarrer Thomas Oesterle statt. Beginn ist um 5.30 Uhr.