Schorndorf

Geocaching für ein Sternenkind: Wie Christiane und Raphael Fauth den Tod ihrer Tochter verarbeiten

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Christiane und Raphael Fauth haben für ihr Sternenkind Hilda Felia einen Geocaching-Weg entwickelt. © Ralph Steinemann Pressefoto

Wie groß der Schmerz bei Christiane und Raphael Fauth war, als ihre Tochter Hilda Felia am 26. Juni 2020 still geboren wurde, lässt sich nur erahnen. Nachgelassen hat er in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht. Die Trauer über ihren Tod, sagen der Miedelsbacher Pfarrer und seine Frau, „wird immer ein Teil unseres Lebens sein“. Doch es tröstet sie, dass sie ihr Sternenkind nicht im kleinen Kreis verabschiedet haben, sondern ihren Schmerz mit einem Abschiedsfest nach draußen und in die Kirchengemeinde hineintragen konnten. Den Tod nicht tabuisieren, sondern der Trauer Ausdruck geben, das ist die Idee auch hinter einem Geocaching-Weg, den sie rund um Miedelsbach als Erinnerung für alle Sternenkinder entwickelt und zu Hilda Felias erstem Geburtstag freigegeben haben.

Geocaching-Weg als Brücke für andere Betroffene

Begegnung und Austausch empfinden sie als tröstlich. Die Traurigkeit nimmt nicht ab, sagen die beiden, wenn sich andere Menschen aus falsch verstandener Rücksichtnahme zurückziehen: „Das Einzige, was ich von ihr habe“, sagt Christiane Fauth, „ist, dass ich über sie erzählen kann.“ Und Raphael Fauth hat es auch im beruflichen Kontext schon gutgetan, wenn er von Gemeindemitgliedern auf Hilda Felia angesprochen wird. Mit dem Geocaching-Weg wollen die beiden andere Menschen auch gar nicht traurig machen, sondern Cacher, die mit Handy und App auf Spurensuche gehen, in ihre Sternenkind-Geschichte hineinnehmen und eine Ermutigungsbrücke zu anderen Betroffenen schlagen.

Sieben Stationen umfasst der dreieinhalb Kilometer lange Weg rund um Miedelsbach. Und an jeder Station ist eine schwarz beklebte Plastikdose unter Steinen oder im Gebüsch versteckt. Unter dem Deckel finden Cacher dann einen kurzen Erklärtext, auch ein Ultraschallbild von Hilda, ihren Fußabdruck, eine kleine Aufgabe und ein Logbuch zum Eintragen. Mit Straßenkreide können dann Sternenkind-Namen auf den Asphalt geschrieben, mit Anleitung kann aus einem Stück Papier ein Schmetterling gefaltet werden. Und Seifenblasen sollen ein wenig Leichtigkeit in die Schwere bringen.

Dass in den Dosen immer wieder Schmetterlinge auftauchen, ist für Christiane und Raphael Fauth eine lebendige Erinnerung an ihr Sternenkind: Am Tag, bevor Hilda Felia verstorben ist, haben sie die Geocache-Dosen, die sie im Corona-Lockdown für eine Oster-Schatzsuche der evangelischen Kirchengemeinde versteckt haben, eingesammelt – und auf dem Weg viele Schmetterlinge gesehen. „Die Geschichte des Schmetterlings“, sagt Raphael Fauth, „ist mit unserer Geschichte verwoben.“ Deren Fragilität steht für sie für die Zerbrechlichkeit des Lebens, und der Moment der Verwandlung im Kokon für die Hoffnung, „dass wir Hilda Felia wiedersehen“.

Schmetterlinge und Engel am Grab auf dem Friedhof

Christiane und Raphael Fauth hatten durchaus Bedenken, dass sie andere mit ihrer Offenheit überfordern. Doch die Reaktionen, die sie bisher – in gut 60 Logbucheinträgen – von Geocachern bekommen haben, waren alle „sehr einfühlsam, verständnisvoll und sehr bewegend“. Ihre vier Kinder, den 13-jährigen Josua, die elfjährige Paula, die neunjährige Tabea und die vierjährige Lydia, haben sie von Anfang an mit in die Erinnerungsarbeit eingebunden – und waren dafür in der Bodenlosigkeit der ersten Zeit auch sehr dankbar. Der 26. jedes Monats ist für die Familie Hilda-Tag. Die bunte Steine-Raupe, die damals entstanden ist, liegt am Grab auf dem Friedhof – so wie viele bunte Bügelperlenbilder und Engel, die Bekannte und Freunde zum Miedelsbacher Friedhof gebracht haben. Und die Familie bringt selbst aus jedem Urlaub etwas für ihr Sternenkind mit.

Der Geocaching-Weg, mit dem sie ihre Geschichte in die Öffentlichkeit tragen wollen, ist für Christiane und Raphael Fauth aber nicht nur Ausdruck ihres Schmerzes, sondern soll Ermutigung sein, „die Sternenkinder nicht zu vergessen, sondern ihren Namen auszusprechen und an sie zu erinnern“.

Wie groß der Schmerz bei Christiane und Raphael Fauth war, als ihre Tochter Hilda Felia am 26. Juni 2020 still geboren wurde, lässt sich nur erahnen. Nachgelassen hat er in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht. Die Trauer über ihren Tod, sagen der Miedelsbacher Pfarrer und seine Frau, „wird immer ein Teil unseres Lebens sein“. Doch es tröstet sie, dass sie ihr Sternenkind nicht im kleinen Kreis verabschiedet haben, sondern ihren Schmerz mit einem Abschiedsfest nach draußen und in die

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