Schorndorf

Geschäftsführer Seufer verlässt Stadtwerke

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Forscherfabrik
Andreas Seufer. © Joachim Mogck
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Hans Pöschko.

Schorndorf.
Andreas Seufer verlässt auf eigenen Wunsch und mit sofortiger Wirkung die Stadtwerke Schorndorf. Das gab die Stadt am Donnerstag bekannt.

"Er bat um die Beendigung seines Anstellungsvertrages, da er sich einer neuen beruflichen Herausforderung stellen möchte. Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Schorndorf GmbH hat diesem Wunsch in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am gestrigen Mittwochabend einstimmig entsprochen", heißt es in einer Pressemitteilung. Die Geschäfte der Stadtwerke Schorndorf würden bis auf Weiteres die Prokuristen Louis van Rooyen und Miriam Wojtzek führen.

Der Aufsichtsrat verständigte sich laut Pressemitteilung zudem darauf, zukünftig zwei Geschäftsführer - sowohl einen technischen, als auch einen kaufmännischen - für die Stadtwerke Schorndorf GmbH zu verpflichten und wird jetzt ein Personalberatungsunternehmen für das Verfahren beauftragen.


Scheitern eines Machtmenschen

Ein Kommentar von Redakteur Hans Pöschko

Die Stadt vermeldet’s, als sei’s das Normalste der Welt: „Andreas Seufer, Geschäftsführer der Stadtwerke Schorndorf GmbH, verlässt auf eigenen Wunsch das Unternehmen mit sofortiger Wirkung.“ Angeblich, weil er sich einer neuen beruflichen Herausforderung stellen will. Dass es sich um einen alles andere als normalen Vorgang handelt, zeigt allein die Tatsache, dass sich über die gestern versandte Pressemitteilung hinaus sowohl der Oberbürgermeister als auch die Aufsichtsräte (und damit auch die Fraktionsvorsitzenden Beutel/CDU, Berger/SPD und Nickel/FDP/FW) absolute Verschwiegenheitspflicht auferlegt haben. Seufer ist weg: Das ist ein Politikum, das ist ein kommunalpolitischer Paukenschlag. Nein, mehr noch: ein Donnerschlag, der nicht nur die Stadtwerke, sondern auch die Stadtverwaltung bis in die Grundfesten hinein erschüttert.

Klopfer, Englert, Seufer – das war nach außen hin und durchaus auch nach eigener Einschätzung das Dreigestirn, das die Stadt gezogen und ihre unternehmerische Ausrichtung geprägt hat. Wobei sich über die Reihenfolge der handelnden Personen durchaus hat streiten lassen. Es gab nicht wenige in der Stadt, die schon lange der Meinung waren, dass sich die Machtverhältnisse verschoben haben und dass nicht mehr der Oberbürgermeister und sein Finanzbürgermeister diejenigen sind, die das Heft des Handelns in der Hand halten, sondern dass der Stadtwerke-Chef derjenige ist, der bei wichtigen strategischen Entscheidungen die Fäden zieht. Das mag so stimmen oder nicht. Tatsache aber ist, dass Andreas Seufer im Laufe der Jahre immer mehr an Macht zugewachsen ist und dass er mit dieser Macht immer weniger gut umgehen konnte. Denn auch wenn der Umstand, dass sich die Stadt außer von Seufer auch von seiner Finanzprokuristin Nazan Ucar getrennt hat, anderes vermuten lassen könnte: Andreas Seufer ist wohl nicht an irgendwelchen finanziellen Unregelmäßigkeiten oder daran gescheitert, dass er das Unternehmen in finanzielle Schieflage gebracht hätte, sondern vor allem daran, dass er gemeinsam mit Ucar ein Herrschaftsregiment implantiert hat, bei dem viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf der Strecke geblieben sind. Letztlich ist der selbst erklärte Christenmensch Seufer an sich selber und daran gescheitert, dass er humanitäre Maßstäbe, die privat für ihn gegolten haben mögen, in seinem beruflichen Umfeld zunehmend aus den Augen verloren hat. Dass er dabei auch noch Berufliches und Privates miteinander vermischt hat, indem er Familienangehörige beschäftigt hat, mag formal nicht zu beanstanden sein, ist aber ebenfalls etwas, was zu Gerüchten, Spekulationen und Kritik geführt hat.

Das alles ist tragisch, denn Andreas Seufer war seit 2007 über viele Jahre hinweg ein echter Glücksfall für die Stadt(werke). Und vieles, angefangen von der weit über Schorndorf hinaus attraktiven Bäderlandschaft, wird mit seinem Namen verbunden bleiben. Und wenn er als Sponsor und Wohltäter wie zuletzt bei der Gartenschau gebraucht wurde, war er da. Und gleichzeitig hat es auch im Gemeinderat – erinnert sei nur an den schwierigen Start der Zentralen Dienste – immer wieder kritische Stimmen gegeben, die eine andere Unternehmenskultur und einen sensibleren Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern angemahnt haben. Letztendlich war es wohl ein mit viel Insiderwissen gespickter anonymer Brief, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, aber dem Vernehmen nach hatte innerhalb der Stadtverwaltung auch zuvor schon ein Denkprozess begonnen, der darauf abzielte, die Macht an der Spitze der Stadtwerke zu teilen und wieder auf zwei Geschäftsführer zu verteilen. Etwas, was mit Andreas Seufer wohl nicht zu machen gewesen wäre.

Wie immer in solchen Fällen muss auch hier nach der Rolle des Aufsichtsrats und des zweifellos auch menschlich zutiefst enttäuschten Aufsichtsratsvorsitzenden Matthias Klopfer gefragt werden. Wobei sich die Frage losgelöst von Personen stellen lässt: Wie viel Vertrauensvorschuss und unternehmerische Freiheit braucht so ein Stadtwerke-Geschäftsführer, damit er so erfolgreich – gerade auch wirtschaftlich erfolgreich – arbeiten kann? Und wie viel Kontrolle braucht es gleichzeitig, damit diese Macht und diese Entscheidungsspielräume, die man so jemandem einräumt, nicht missbraucht werden und innerhalb des Unternehmens zu einer Kultur des „Hire and Fire“ und damit der Angst, im schlimmsten Fall sogar des Mobbings führen. Es ist zunächst einmal nichts Schlechtes, wenn sich ein Geschäftsführer mit seinem Unternehmen identifiziert – im Gegenteil. Schlecht ist nur, wenn er vergisst, dass das Unternehmen, das er führt, gar nicht sein eigenes ist, und er schaltet und waltet, wie es ihm gerade gefällt.

Andreas Seufer ist – und so schnell kann’s gehen – in Schorndorf Geschichte, nachdem der Stadtwerke-Aufsichtsrat am Mittwochabend der Beendigung seines Anstellungsvertrages zugestimmt hat. Die Geschäfte der Stadtwerke führen so lange, bis ein Interims-Geschäftsführer gefunden beziehungsweise bestellt ist, die beiden verbliebenen Prokuristen Louis van Rooyen und Miriam Wojtzek. Und gleichzeitig beginnt mit Hilfe eines Personalberatungsunternehmens die Suche nach zwei neuen Geschäftsführern – einem für den technischen und einem für den kaufmännischen Bereich, so wie’s auch früher war, ehe Andreas Seufer die Alleinherrschaft übernommen hat. Und die Verwaltungsspitze, der es an Herausforderungen und Baustellen gewiss nicht mangelt, wird nicht umhinkommen, die ganze Geschäftspolitik der Stadtwerke noch einmal auf den Prüfstand zu stellen und – wie etwa beim Glasfaserausbau – zu schauen, ob nicht doch an der einen oder anderen Stellschraube nachjustiert werden muss. Die Stadtverwaltung und der Aufsichtsrat werden also über die Freistellung von Andreas Seufer hinaus stark gefordert sein, aber – so ist zu hoffen – wenigstens die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können aufatmen.