Schorndorf

Geschicklichkeitsspiele unter Wasser

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Erfordert ein hohes Maß an Körperkontrolle: Unterwasser-Jenga, hier der Reporter beim Selbstversuch im Schorndorfer Oskar-Frech-Bad. Regelwidrig stützt er sich mit der linken Hand auf dem Beckenboden ab – und outet sich damit als absoluter Laie. © Leonie Kuhn
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Philipp Hudelmaier, Deutscher Meister im Unterwasser-Jenga, bei seiner meisterlichen Partie im badischen Deglersee. © Stephan Strohmeier
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Der Deutsche Meister Philipp Hudelmaier (Mitte) mit seiner Trophäe. © Leonie Kuhn

Schorndorf. Das Prinzip klingt einfach: Wer beim Jenga als Erster den Turm zum Einsturz bringt, hat verloren. Doch was an Land vor allem Strategie und Konzentration erfordert, wird unter Wasser zur Herausforderung für den ganzen Körper. Bei einem Besuch im Oskar-Frech-Bad mit dem Tauchverein Bonito haben wir uns davon überzeugen können.

Video: Selbstversuch von ZVW-Reporter Mathias Ellwanger.

„Gleich schwer zu sein wie das Wasser, das ist die Kunst“, sagt Philipp Hudelmaier. Für den Deutschen Meister im Unterwasser-Jenga ist diese Herausforderung einer der größten Reize an dem Geschicklichkeitsspiel. Denn anders als an Land spielt unter Wasser der ganze Körper mit, wenn es darum geht, die schwarzen und weißen Steine des Turmes so aus einer der unteren Reihen auf seine Spitze zu setzen, dass er nicht umfällt. Denn „das Wasser beeinflusst viel mehr als Luft die Stabilität des Turmes“. Eine falsche Bewegung – und der Turm stürzt ein. Der Boden, das kommt als Erschwernis hinzu, darf dabei nicht berührt werden. Während Hudelmaier sich also dem hydrostatischen Gleichgewicht (so der Fachbegriff) annähert und austrimmt, muss er zugleich eine Strategie erarbeiten, wie er die Steine so setzt, dass sie nicht umfallen, wenn er einen Spielzug macht. Klingt plötzlich gar nicht mehr einfach, das Spiel.

Spaß steht im Mittelpunkt: Jenga-Spieler sind keine Konkurrenten

Im letzten Sommer ist das dem 30-Jährigen so gut gelungen, dass er alle anderen Mitspieler bei den German Open im badischen Deglersee hinter sich ließ. Seit zwei Jahren gibt es diesen Wettbewerb. Und der Spaß steht dabei im Mittelpunkt. Man sei drei Tage zusammen, zelte, tausche sich aus und habe eine gute Zeit. Der Konkurrenzgedanke, er ist nicht sehr stark ausgeprägt bei den Jenga-Spielern. Gemeinschaftsgefühl, Naturerlebnis und die Begeisterung für Technik sei es, was die Geschicklichkeitstaucher schnell miteinander verbinde.

ZVW-Reporter Mathias Ellwanger versucht es selbst

Anders als Hudelmaier, der seit 2014 unter Wasser Steintürme baut, ist der Reporter nicht nur Jenga-Laie, sondern auch im Gerätetauchen gänzlich unerfahren. Statt sich direkt in die Unterwasserwelten der Seen zu wagen, ist daher erst einmal ein Schnupper-Tauchtraining im Oskar-Frech-Bad angesagt. Bonito-Gerätewart Tobias Bott gibt dazu eine Schnelleinweisung. Als Inhaber des Trainer-C-Scheins darf der 30-Jährige Neulinge ans Tauchen heranführen. Über Nachwuchssorgen kann sich der Verein nicht beklagen. Mit mehr als 40 Jungen und Mädchen hat der Verein die größte Jugendgruppe im Württembergischen Landesverband. Ausgebildet werden sie durch die Ehrenamtlichen von Bonito.

Ein Selbstversuch im 3,50 Meter tiefen Oskar-Frech-Bad

Und nicht nur den Reporter zieht es in die klimatisierte Halle. Hier im Schwimmbad verbringen auch die mehr als 200 Taucherinnen und Taucher des Vereins viel Zeit. Ausflüge an Seen oder das Meer gehören zwar selbstverständlich zum Jahresprogramm. Doch die Grundlagen werden hier zwischen Sprungbrettern und Sportschwimmern erarbeitet. Neben dem Tauchen mit Geräten stehen die körperliche Fitness und Kondition beim Training im Mittelpunkt. Einmal im Monat geht es dann mit den Geräten in die Tiefe. „Dabei geht es um die Grundfertigkeiten“, sagt Bott. Die müssten immer wieder angeregt werden. Das sei wie mit dem Autofahren: „Verlernen kann man es nicht, aber man muss immer in Übung bleiben.“

Mit Tauchflaschen, Flossen und Tauchermaske ausgerüstet geht es für den Reporter schließlich in die Tiefe. Maximal 3,50 Meter erreicht er dabei in dem Schorndorfer Schwimmbad. Völlig ausreichend für den Anfang, bei dem er als blutiger Anfänger ohnehin erst einmal mit der Koordination von Atemregler, Tarierjacket und Flossenschlagtechnik beschäftigt – und zunächst leicht überfordert – ist.

Den Körper unter Kontrolle zu halten ist das Herausforderndste

Einmal an den höheren Wasserdruck in der Tiefe gewöhnt, geht es ans Steinelegen. Doch schon vor der ersten Berührung mit der Hand fällt der Turm um. Bei geübten Jenga-Spielern kann eine Partie schon mal eine halbe Stunde dauern. Doch weil der Reporter sich den Steinchen zu ungelenk genähert und dadurch eine ordentliche Wassermenge vor sich hergeschoben hat, ist die erste Runde schon nach einer halben Minute entschieden.

Zwar läuft es danach besser, aber nur, solange eine Hand am Beckenboden abgestützt ist – wie gesagt eine Regelwidrigkeit. Den Körper unter Kontrolle zu halten ist nicht nur für Anfänger eindeutig das Herausforderndste.

Das sieht auch Hudelmaier nach drei Jahren regelmäßiger Praxis so. Dass nahezu alle ablenkenden Geräusche in der Tiefe ausgeblendet sind, mag dabei helfen. Doch schon nach wenigen Zügen ist auch dieser Turm in sich zusammengefallen. Eine Kombination aus falscher Strategie und schlechter Körperkontrolle des Reporters.

Voraussetzung ist lediglich ein Gerätetauchschein

Doch kein Grund zu verzweifeln: Noch ist kein Unterwasser-Jenga-Meister vom Himmel gefallen. Und die Gemeinschaft der Geschicklichkeitssportler noch klein und offen für Interessierte. Sowohl bei den German Open als auch der Jenga-Liga kann im Grunde jeder mitmachen. Voraussetzung ist lediglich ein Gerätetauchschein.

Und der lässt sich demnächst sogar beim deutschen Unterwasser-Jenga-Meister persönlich machen. Hudelmaier absolviert nämlich gerade eine Ausbildung zum Tauchlehrer.

Makrelenfest

Am Donnerstag, 25. Mai, ist wieder traditionelles Makrelenfest des Tauchvereins Bonito.

Ab 11 Uhr gibt es im geschützten Innenhof des Tauchertreffs in der Grafenhalde 69 frisch gegrillte Makrelen, Backfisch, Steak und Paella. Dazu gibt es neben alkoholfreien Getränken kühles Bier vom Fass. Die Jugendgruppe bietet Kaffee, selbst gebackenen Kuchen und Crêpes an.

Für die musikalische Unterhaltung sorgen ab 16 Uhr Masi & Jogse.