Schorndorf

Gibt es am Montag (08.03.) eine Öffnung der Geschäfte oder nicht? Große Verunsicherung beim Einzelhandel in Schorndorf

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Vor dem Schuhhaus Kurz in Schorndorf. © Gabriel Habermann

Nach den ersten Meldungen über die Beschlüsse der Bund-Länder-Runde sieht alles danach aus, dass der Einzelhandel wieder öffnen darf. Doch bislang fehlt die entscheidende Verordnung der Landesregierung. Einige Schorndorfer Händler kritisieren die fehlende Sicherheit. Was steht zur Debatte?

„Was gilt denn nun eigentlich?“, ist eine Frage, die in der Corona-Krise immer wieder fällt. Regelmäßig ändern sich die Regeln, Lockdown hier, schrittweise Lockerung da. Es fällt vielen schwer, noch den Überblick zu behalten. Den Schorndorfer Händlern geht es da nicht anders. Eine ganz klare Ansage, wie es am Montag weitergehen wird, haben sie am Donnerstagmittag noch nicht.

Es ist kompliziert

Bund und Länder haben sich in der Nacht auf einen komplizierten Kompromiss verständigt. Bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von unter 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern soll eine Lockerung für den Handel möglich sein. Einzelne Menschen sollen wieder die Läden betreten können. Bei einem Wert zwischen 50 und 100 ist von der Politik außerdem angedacht, dass Termine in den Geschäften vereinbart werden können. Im Rems-Murr-Kreis liegt der Wert (Stand 4. März) derzeit bei 43. In Baden-Württemberg liegt er momentan aber über 50. Welcher gilt nun? Ganz klar ist das noch nicht, die entsprechende Landesverordnung (Stand 4. März, 17 Uhr) liegt noch nicht vor.

Sigrid Reik vom Schuhhaus Kurz freut sich zwar über die vorerst guten Nachrichten für ihr Geschäft, doch sie fühlt sich momentan höchst verunsichert. „Wir können nicht planen“, sagt sie genervt. Schon seit einigen Wochen wisse man manchmal nicht genau, was man noch darf und was nicht mehr. Sie muss sich derzeit mit der Frage beschäftigen, wie viel Ware sie für den Sommer bestellt und wie sie ihr Personal einsetzt. „Der Fachhandel braucht eine langfristige Perspektive“, sagt sie. Eine Lösung abhängig von Inzidenzwert findet sie falsch, schließlich könnte dieser sich tagtäglich ändern.

Sigrid Reik verkauft Schuhe, die besonders für Einlagen geeignet sind. Außerdem bietet sie viele Kinderschuhe an. Die Auswahl bei ihr ist groß. Die Kurz-Chefin spricht von über 10 000 verschiedenen Paaren. Die Schuhe, die sie hier verkauft, seien nichts für den Online-Handel oder einen Abholservice, erklärt sie. Wenn ein Schuh gut sitzen soll, dann müsse er anprobiert werden. „Das kann man nicht digital machen“, sagt sie. Sigrid Reik und ihr Team stünden beratend zur Seite. „Es geht nicht nur um Mode, sondern um Gesundheit“, sagt die Geschäftsführerin. Wer einen falschen Schuh trage, der könne Folgeschäden riskieren. Auch deshalb kommt Reik zu dem Schluss: „Der Schuhladen ist systemrelevant.“

Verunsichert von den Informationen ist auch Günter Salomon vom Uhrengeschäft Greiner. „Es ist keine Linie drin, keiner weiß noch, was richtig und was falsch ist“, sagt er. Er durfte in den vergangenen Wochen zumindest die Werkstatt im Haus weiterhin betreiben, also etwa die Batterien in Uhren wechseln. Er versucht es offenbar mit Gelassenheit: „Aufregen hat keinen Sinn.“ Er findet es vor allem traurig, wie wenig in der Innenstadt los ist.

Andrea Andresen vom Schorndorfer Haushaltswarengeschäft stellt sich derzeit vor allem die Frage, wie sich die Ankündigungen praktisch umsetzen lassen. Auch ihr fehlt die Planbarkeit. „Ich hänge in der Luft“, sagt sie über ihre Lage. Sie habe sich noch kein abschließendes Bild machen können, aber habe derzeit den Eindruck, es sei nur ein „scheinbares Entgegenkommen“ der Politik. Selbst wenn sie nun öffnen darf, die Inzidenz könnte schon nach wenigen Tagen wieder zu hoch sein. In der Praxis seien die Regeln schwer umsetzbar. Die Personalplanung sei in diesen Zeiten enorm schwierig. „Ich muss den Mitarbeiterinnen schließlich sagen, ob ich sie am Montag brauche oder nicht“, sagt Andrea Andresen. Sie irritiert derzeit, dass im Supermarkt gedrängelt werde, während sie noch nicht einmal ein oder zwei Personen auf ihre große Fläche lassen darf.

Wie geht das Kaufhaus Bantel mit der Situation um?

In eine ähnliche Richtung geht auch die Kritik von Claudia Maurer-Bantel vom Kaufhaus Bantel. Sie sei zwar einerseits froh, dass es bald wieder vorangehen wird, doch sie ärgere sich vor allem über die Ungleichbehandlung. Während im Supermarkt beispielsweise Spielwaren verkauft werden dürfen, müssen die Sachen bei ihr unberührt in den Regalen liegen.

Die Bantel-Chefin ist derzeit noch nicht allzu optimistisch. Sie plant für Montag noch nicht mit einem unkontrollierten Eingang. Sie bereitet sich auf eine Terminvergabe, auch „Click and Meet“ genannt, vor. Sie hätte sich eine zeitnahere Information seitens der Landesregierung gewünscht. „All das kostet sehr viel Zeit und Energie und verunsichert“, sagt sie.

Nach den ersten Meldungen über die Beschlüsse der Bund-Länder-Runde sieht alles danach aus, dass der Einzelhandel wieder öffnen darf. Doch bislang fehlt die entscheidende Verordnung der Landesregierung. Einige Schorndorfer Händler kritisieren die fehlende Sicherheit. Was steht zur Debatte?

„Was gilt denn nun eigentlich?“, ist eine Frage, die in der Corona-Krise immer wieder fällt. Regelmäßig ändern sich die Regeln, Lockdown hier, schrittweise Lockerung da. Es fällt vielen schwer, noch

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