Schorndorf

Gottlieb-Daimler-Realschule kämpft um ihren Schul-Teich

Sanierung GDR
Schulleiterin Beate Flemming-Nikoloff vor dem Teich. Der ist derzeit eine Baustelle. © ALEXANDRA PALMIZI

Mit seinen Pflanzen und Fischen hat der Schulteich unter der Treppe für die Gottlieb-Daimler-Realschule eine große Bedeutung. Verzichten will die Schule auf dieses Stück Wohlfühlatmosphäre keineswegs – und hat die Rettung des Teichs nun zum Projekt erkoren. Was war geschehen?

Im Zuge der Schul-Sanierung, bei der die Fassade saniert wird und die Schule barrierefrei werden soll, muss der Teich weichen, weil ein Aufzug eingebaut wird. Der Teich war bisher von den Hausmeistern gepflegt und von den Schülern geliebt worden. Auch wenn er nur noch in kleinerer Ausführung möglich wäre: ganz aufgeben wollte ihn die Schule nicht und hatte deshalb bei der Stadt beantragt, das Wasserbecken nach der Sanierung neu anzulegen. Jetzt war der Teich Thema im Technischen Ausschuss ebenso wie die Wünsche der Schule, das Lehrerzimmer umzugestalten, die maroden Türen zu erneuern und vier Klassenzimmer mit mobilen Trennwänden auszustatten, so dass für Prüfungen zwei große Räume entstehen. Auch wenn CDU-Chef Hermann Beutel die zusätzlichen Wünsche der Schule mitten in der Sanierung ärgerlich fand, hat ihnen der Ausschuss – bis auf eine Ausnahme – einstimmig grünes Licht gegeben: Auf wenig Verständnis stieß der Wunsch, den neuen Teich anzulegen.

Ein Wasserteich, sagt die Verwaltung, ist „nice to have“

20 000 Euro würde der Teich kosten, der aus Sicht der Stadtverwaltung ein schönes Gestaltungselement ist und für eine Wohlfühlatmosphäre sorgt. Wünschenswert wäre es also durchaus, den Teich wieder herzustellen. Allerdings seien Becken und Aquarientechnik veraltet und müssten komplett erneuert werden. „Ein Teich ist nice to have“, sagte Klaus Konz, Fachbereichsleiter Gebäudemanagement, im Technischen Ausschuss. „Aber wir halten die Maßnahme für verzichtbar.“ Das sahen die Räte ähnlich: Auch wenn Wasser beruhigend sei (Silke Olbrich, SPD) und ein gutes Raumklima schaffe (Kirsten Katz, Grüne) könne man auf die Maßnahme verzichten. Hermann Beutel (CDU) sprach sich dafür aus, mit der Schule eine Lösung zu suchen: Die Schüler sollten sich an der Pflege beteiligen. Klaus Konz plädierte, „wenn am Ende noch Luft ist“, statt einer offenen Wasserfläche für eine Wasserwand oder ein Aquarium unter der Treppe.

Für die Schule selbst ist der Teich eine Herzensangelegenheit. „Wir lieben unseren Teich, und wir wollen ihn behalten“, sagt Schulleiterin Beate Flemming-Nikoloff. Der Teich sei gut fürs Raumklima und beruhige die Schüler, die sich gern in der Nähe der Fische aufgehalten hätten. Mit Steinen und Pflanzen war der aus vier Becken bestehende Teich unter der Treppe schön angelegt gewesen und hatte dort auch eine Anzahl von Goldfischen beherbergt. Die Fische waren vor der Sanierung in den Teich im Max-Planck-Gymnasium umgezogen. Jetzt ist der Realschul-Teich trocken und leer. „Aber es werden dort wieder Goldfische schwimmen!“, zeigt sich die Schulleiterin zuversichtlich.

Dass der Teich nach dem Einbau des Aufzugs in verkleinerter Ausführung wieder angelegt wird, sei bereits ihrem Vorgänger zugesagt worden. Nach der Absage des Technischen Ausschusses hat die Gesamtlehrerkonferenz nicht lang gefackelt. Der Beschluss: Der Teich soll in eigener Regie angelegt werden. Die Rettung wurde zum Projekt erhoben, an dem sich die Lehrer und der Hausmeister beteiligen sollen. „Wir wollen den Fischteich retten und das kriegen wir hin“, sagt die Schulleiterin.

Neue Anforderungen machen neue Investitionen nötig

Hintergrund der späteren Anmeldung für die Wünsche ist laut Beate Flemming-Nikoloff übrigens nicht der Wechsel in der Schulleitung, wie es im Ausschuss geheißen hatte. Vielmehr wolle das Kollegium das bewahren, was gut ist und schon immer zur Gottlieb-Daimler-Realschule gehört habe, wie der Fischteich, und sich gleichzeitig dem Wandel des Bildungsplans, der Digitalisierung und neuen Anforderungen an die Lehrer und ihre Arbeitsmöglichkeiten an der Schule stellen. Diese Maßnahmen während der Sanierung, die jetzt das dritte Jahr dauert, umzusetzen, sei mehr als sinnvoll.

Das sah der Technische Ausschuss ähnlich. Zustimmung gab es dort für die mobilen Trennwände, für die Umgestaltung des Lehrerzimmers und für neue Türen, nachdem die Originaltüren Abnutzungserscheinungen aufweisen. Durch die Verlegung der Lehrerarbeitsplätze soll ein Raum für Meetings und Besprechungen geschaffen werden. „Unbedingt notwendig“, fand das Silke Olbrich (SPD). Alles in allem liegen die Kosten für die Zusatzmaßnahmen bei 170 000 Euro. Die Sanierung für die Schule war mit 12,4 Millionen Euro veranschlagt. Nach Angaben von Bürgermeister Thorsten Englert liegt die Stadt dabei voll im Plan.

Wann geht es zurück ins Hauptgebäude?

Im September 2018 war der Startschuss für die Sanierung gefallen: Mit Ferienbeginn war damals mit dem Rückbau der asbestbelasteten Fassade des Südbaus begonnen worden. Inzwischen befindet sich die Sanierung im zweiten Bauabschnitt. Der Verwaltungstrakt mit Rektorat und Lehrerzimmer ist interimsmäßig in den Musiksaal gezogen, die Lehrer sind übergangsweise in der Aula. Die Schüler, die normalerweise in den Klassenzimmern im Hauptgebäude sind, nutzen gerade als Ausweichquartier das „Bürgle“: die ehemalige Karl-Friedrich Reinhard-Schule, die „Bürgle“ heißt, seit sie vom Burg-Gymnasium als Ausweichquartier genutzt wurde. „Wir hoffen, dass wir im Sommer wieder in das Hauptgebäude ziehen können“, sagt die Schulleiterin.

Mit seinen Pflanzen und Fischen hat der Schulteich unter der Treppe für die Gottlieb-Daimler-Realschule eine große Bedeutung. Verzichten will die Schule auf dieses Stück Wohlfühlatmosphäre keineswegs – und hat die Rettung des Teichs nun zum Projekt erkoren. Was war geschehen?

Im Zuge der Schul-Sanierung, bei der die Fassade saniert wird und die Schule barrierefrei werden soll, muss der Teich weichen, weil ein Aufzug eingebaut wird. Der Teich war bisher von den Hausmeistern gepflegt

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