Schorndorf

Gottlieb-Daimler-Realschule: Ohne Rassismus und mit Courage

OhneRassismus
Bei der Übergabe der Auszeichnung in der Grauhalde-Sporthalle waren dabei: Andreas Haiß von der Initiative „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“, Schulleiterin Beate Flemming-Nikoloff, Patin Elsbeth Rommel vom Barbara-Künkelin-Preisgericht und ASV-Ringer Jello Krahmer (von links). © Gaby Schneider

Es war nicht der eine dramatische Rassismusvorfall, der die Gottlieb-Daimler-Realschule dazu bewogen hat, sich dem bundesweiten Netzwerk „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ anzuschließen. Für Gemeinschaftskundelehrer Hakan Cakar, der das Projekt maßgeblich vorangetrieben hat, ist es eine Frage der Haltung: Er möchte sich als verantwortlicher Bürger für Demokratie einsetzen, seine Schülerinnen und Schüler für das Thema sensibilisieren – und sie aus ihrem Schubladendenken herausbringen. Mit Erfolg: Nachdem vor zwei Jahren Projekttage zum Thema „Alltagsrassismus und soziales Lernen“ stattfanden, bei denen mit der couragierten Barbara Künkelin und Freiheitskämpfer Johann Philipp Palm zwei herausragende Schorndorfer Mut-Bürger aus der Vergangenheit eine Rolle spielten, haben jetzt 90 Prozent der Schulgemeinschaft die Selbstverpflichtung gegen Rassismus und für Courage unterschrieben – und damit nicht nur die Schüler und Lehrer, sondern auch der Hausmeister, die Sekretärin und viele Eltern.

Schulleiterin Beate Flemming-Nikoloff: „Rassismus geht nicht in den Lockdown“

Was Schulleiterin Beate Flemming-Nikoloff und Konrektor Jens Lehmann dabei besonders freut: Die Übergabe der Auszeichnung, die in Vor-Corona-Zeiten mit allen 800 Schülerinnen und Schülern auf dem Sportplatz gefeiert worden wäre, konnte jetzt unter strengsten Hygienemaßnahmen zumindest im kleinen Kreis in der Grauhalde-Sporthalle stattfinden – als Ausnahmeveranstaltung im stark reglementierten Schulalltag in Pandemiezeiten. Doch Rassismus geht, wie es die Schulleiterin formuliert, „nicht in den Lockdown“.

Beate Flemming-Nikoloff, seit dem Schuljahr 2019/20 Rektorin, sieht die GDRS als 279. Schule ohne Rassismus und mit Courage in Baden-Württemberg in einer langen Tradition „einer sich politisch äußernden Schule“: Unvergessen die Ausstellungen, die der mittlerweile verstorbene Kunstlehrer Walter Krieg in der Realschule auf die Beine gestellt hat – immer mit aktuellem politischen Bezug zu Themen wie Wiedervereinigung, Flucht, Ehrenmord oder zu Kurt Tucholskys viel diskutiertem „Soldaten sind Mörder“-Zitat. Bemerkenswert die Studienfahrten der Schule nach Auschwitz.

ASV-Ringer Jello Krahmer begegnet Rassismus mit der „besten Variante“ seines Selbst

Bei der Veranstaltung in der Grauhalde-Sporthalle dabei war dann aber nicht nur eine achte Klasse, die eine Pantomime zum Thema einstudiert hatte. Eingeladen waren auch: als Patin Elsbeth Rommel, Vorsitzende des Barbara-Künkelin-Preisgerichts, Isabelle Kübler, kommissarische Fachbereichsleitung Schulen und Vereine, Andreas Haiß von der Initiative „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ und ASV-Ringer Jello Krahmer, der von Alltagsrassismus-Erfahrungen und Strategien berichten kann und sagte: „Ich versuche vor allem, erfolgreich zu sein und den Leuten zu beweisen, dass ich was kann.“ Er begegnet Rassismus als „beste Variante“ seiner selbst – und als gebildeter Mensch.

Gemeinschaftskundelehrer Cakar sieht insbesondere in Momenten, in denen sich die Schülerinnen und Schüler öffnen und emotional Betroffenheit zeigen, eine Chance, in der pädagogischen Arbeit an sie heranzukommen – ohne sie (was mit dem Beutelsbacher Konsens sowieso unzulässig ist) zu überwältigen. Der gemeinsame Nenner in der Diskussion um Meinungsfreiheit und Persönlichkeitsrechte, die auch nach der Schweigeminute für den in Frankreich von einem islamistischen Attentäter ermordeten Lehrer stellenweise aufkam, muss für Cakar immer die demokratisch-freiheitliche Grundordnung sein.

Es war nicht der eine dramatische Rassismusvorfall, der die Gottlieb-Daimler-Realschule dazu bewogen hat, sich dem bundesweiten Netzwerk „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“ anzuschließen. Für Gemeinschaftskundelehrer Hakan Cakar, der das Projekt maßgeblich vorangetrieben hat, ist es eine Frage der Haltung: Er möchte sich als verantwortlicher Bürger für Demokratie einsetzen, seine Schülerinnen und Schüler für das Thema sensibilisieren – und sie aus ihrem Schubladendenken

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