Schorndorf

Grünen-Fraktionschef besucht Klinikum Schorndorf: Was sich das Personal wünscht

Andreas Schwarz
Von links: Landrat Richard Sigel, Andreas Schwarz (Vorsitzender der Grünen-Landtagsfraktion), Abgeordnete Petra Häffner und die Oberärztin der Notaufnahme, Dr. Angela Rothermel, im Gespräch vor dem Klinikum. © Benjamin Büttner

Die Rems-Murr-Kliniken haben die Pandemie mehr als nur ordentlich über die Bühne gebracht. Auch am Standort Schorndorf wurde die Modernisierung weiter vorangetrieben*. Unabhängig davon benötigt das Klinikum weiterhin viel Unterstützung der Politik. Am Dienstag war der Fraktionschef der Grünen im Landtag, Andreas Schwarz, zusammen mit der Abgeordneten Petra Häffner im Schorndorfer Klinikum zu Gast. Dabei bekamen sie vom Klinikpersonal einige Wünsche und Forderungen mit auf den Weg nach Stuttgart.

Landrat Richard Sigel, der Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken Marc Nickel sowie Dr. Angela Rothermel, Oberärztin der Notaufnahme, führten die beiden Gäste durch zwei Stationen. Andreas Schwarz betonte dabei, dass er sich vor Ort anschauen wolle, wohin die Gelder des kürzlich beschlossenen, 240 Millionen Euro schweren Sofortprogramms für Kliniken im Südwesten fließen.

Komfortstation ermöglicht Investitionen in andere Bereiche des Klinikums

Dr. Angela Rothermel führte die Besucher durch die Geriatrie-Station. Diese ist für ältere Patienten über 65 Jahren gedacht und müsse deshalb besonders ausgestattet sein. Zum Beispiel auf personeller Ebene: Denn das Team um den leitenden Arzt Mathias Hahn besteht unter anderem aus speziell geschulten Pflegerinnen und Pflegern.

Besonders angetan waren Petra Häffner und Andreas Schwarz von der Komfortstation für Privatpatienten, die eher einem Hotel als einem Krankenhaus ähnelt. Dort gibt es neben besonders gut ausgestatteten Einzelzimmern auch exquisites Essen für die Patientinnen und Patienten, die es sich leisten können.

Landrat Richard Sigel erklärt, dass durch diese Station ein Deckungsbeitrag erwirtschaftet werden kann. „Mit dem erwirtschafteten Geld können wir dann andere Investitionen tätigen.“ Trotzdem, betont er, gebe der Landkreis jedem Klinik-Standort im Jahr 15 Millionen Euro dazu. „Diese Querfinanzierung brauchen wir auch. Wir sind ja für alle da“, sagt Dr. Angela Rothermel. Bei der Besichtigung des neuen Herzkatheterlabors merkt Andreas Schwarz an, dass die Rems-Murr-Kliniken mit einem guten Konzept arbeiten würden. „Das Geld ist in die Patientenversorgung geflossen, das ist wichtig.“

Personalmangel bleibt ein Problem

Doch trotz all des Lobes trugen Richard Sigel und Dr. Angela Rothermel den Landespolitikern der Grünen stellvertretend für die Entscheider und Angestellten im Klinikum ihre Wünsche und Forderungen vor. Zum einen, und das ist keine neue Nachricht, herrscht laut der Ärztin Personalmangel. Und das, obwohl es in den Rems-Murr-Kliniken 180 Vollzeit-Pfleger mehr gibt als noch 2019. Trotzdem berichtet Dr. Rothermel von großer Erschöpfung beim Personal, was nach dem Kraftakt der Pandemie nicht verwundert.

Andreas Schwarz erklärt daraufhin, dass die Politik aus Corona lernen wolle und deshalb schon die Enquete-Kommission „Krisenfeste Gesellschaft“ gegründet wurde. „Es geht um die Frage, wie wir die Gesellschaft resilienter machen können. Das gewinnt durch den Ukraine-Krieg zusätzlich an Bedeutung.“ Dafür wollen die Landtagsfraktionen auch Ärztinnen und Ärzte in die Gespräche mit einbinden.

Richard Sigel äußerte zudem den Wunsch, den Rettungsschirm für Kliniken bis mindestens Ende des Jahres zu verlängern. Ohne diesen hätten die Rems-Murr-Kliniken bereits 2021 mit 32 Millionen Euro im Minus gesteckt.

Normalbetrieb ist aufwendiger geworden

Außerdem wünschen sich die Verantwortlichen im Klinikum eine weniger bürokratische Lösung des Pflegebudgets sowie einen Rechnungszuschlag. Letzterer solle im Optimalfall ab Juli die rapide steigenden Kosten für Waren und Dienstleistungen, die im laufenden Betrieb anfallen, ausgleichen. Angesichts des geplanten Neubaus, der aber noch vom Land abgesegnet werden muss, bringen auch die steigenden Baupreise den Landrat ins Grübeln. „Wir brauchen eine nachhaltige Nachkrisen-Finanzierung“, sagt er.

Allgemein werde der Betrieb durch steigende Preise immer teurer. Und am Personal wolle man auf keinen Fall sparen. Von dem braucht es nämlich eher mehr als weniger: „Der Normalbetrieb ist aufwendiger geworden“, berichtet Dr. Angela Rothermel und fügt an: „Wir haben von Dreier- auf Zweierzimmer umgestellt und behandeln immer noch Corona-Patienten.“

*In der ursprünglichen Fassung des Artikels hatten wir von einer coronabedingten Verschuldung der Klinik von 15,3 Millionen Euro gesprochen. Das stimmt so nicht. Die Kliniken haben nicht wegen Corona 15 Millionen Schulden, sondern der Landkreis muss pro Jahr aktuell rund 15 Millionen Euro an die Kliniken zuschießen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Die Rems-Murr-Kliniken haben die Pandemie mehr als nur ordentlich über die Bühne gebracht. Auch am Standort Schorndorf wurde die Modernisierung weiter vorangetrieben*. Unabhängig davon benötigt das Klinikum weiterhin viel Unterstützung der Politik. Am Dienstag war der Fraktionschef der Grünen im Landtag, Andreas Schwarz, zusammen mit der Abgeordneten Petra Häffner im Schorndorfer Klinikum zu Gast. Dabei bekamen sie vom Klinikpersonal einige Wünsche und Forderungen mit auf den Weg nach

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