Schorndorf

Gute Bilanz einer kurzen Weihnachtswelt

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Laut Werner Neher nicht so „knallkommerziell“ wie in anderen Städten: Die Schorndorfer Weihnachtswelt. © Schneider / ZVW

Schorndorf. Mit nur 19 Tagen war die diesjährige Weihnachtswelt die bislang kürzeste. Viel geboten war auf dem Oberen Marktplatz dennoch. Passendes Marktwetter gab es obendrein. Besonders erfreulich: Es blieb bis zuletzt friedlich. Auch dank des verstärkten Einsatzes von Sicherheitspersonal.

Vergangenes Jahr sei das noch ganz anders gewesen, berichtet Ulrich Fink, Geschäftsführer von Schorndorf Centro, im Gespräch. Da seien nicht nur zahlreiche Marktstände aufgebrochen worden. Unbekannte Randalierer hätten sich zudem an der Freiluftkrippe zu schaffen gemacht. Mit Stangen seien die Figuren geköpft worden. Vergleichbares ist in diesem Jahr nicht passiert. Es blieb durchweg friedlich. Weil die runderneuerte Krippe vollständig abgeschlossen wurde. Und weil Sicherheitspersonal der Firma Bunk die ganze Nacht über die Stände kontrolliert hat. Auch die verstärkte Polizeipräsenz während der Marktzeiten dürfte ihren Teil dazu beigetragen haben. Richtig sei es außerdem gewesen, dass auf weitere Sicherheitsmaßnahmen, etwa zur Anschlagsabwehr, verzichtet wurde. „Wir haben keinen Grund gesehen, Betonbarrieren zu errichten“, sagt Fink. „Und keiner hat sich hier unsicher gefühlt.“

„Die Weihnachtswelt war kurz, aber knackig“, sagt Ulrich Fink

Friedlich mag es in den letzten 19 Tagen durchaus zugegangen sein, ruhig war es deshalb aber keineswegs. Die meiste Zeit sei der Markt rappelvoll gewesen. Fink ist glücklich mit dem Ablauf der Veranstaltung. Das Wetter sei „weihnachtsmarktideal“ gewesen. Das Musikprogramm ausgewogen – und die Angebote für Kinder noch nie so vielfältig wie in diesem Jahr: mit Kinderführungen, Bastelaktionen oder Märchengeschichten, erzählt vom ehemaligen Dekan Waldemar Junt.

Und nicht zuletzt hätten die Besucher erstmalig Eisstöcke schießen können. „Wir sind zufrieden“, sagt Fink, räumt aber ein, dass an dem Konzept noch etwas gefeilt werden müsse. Zu Beginn habe man nur eine Stunde buchen können, das sei definitiv zu lang gewesen. Viertel- oder halbstündige Takte seien sinnvoller. Auch wenn es am Ende durchaus mehr Besucher verdient hätte, eine positive Auswirkung habe die Bahn allemal gehabt, vor allem gegen Abend: „Es hat mehr Frequenz auf den Oberen Marktplatz gebracht.“ Finks Fazit deshalb fällt insgesamt positiv aus: „Die Weihnachtswelt war kurz, aber knackig.“

Mühe hat sich gelohnt

Eine leicht verhaltene Bilanz zieht hingegen Sissi Wudtke von Maultäsch. Das Wetter habe ja eigentlich gepasst, doch bei ihr am Stand sei es ruhiger zugegangen als in den letzten Jahren. Auch habe sie dort weniger Schorndorfer als üblich gesehen. „Vielleicht sind die Leute einfach etwas weihnachtsmarkt-müde“, so ihre Vermutung. Wudtke, die jeden Tag auf dem Marktplatz stand, freut sich jetzt auf die Zeit danach. Schließlich sei Maultäsch ja nicht nur auf dem Markt gestanden, sondern habe zeitgleich produzieren müssen. „Das zehrt schon“. Unterm Strich sei sie aber doch zufrieden. Die Mühe habe sich wieder einmal gelohnt.

Gute Atmosphäre auf dem Schorndorfer Weihnachtsmarkt

Rundum zufrieden blickt Werner Neher vom Wein- und Teelädle auf die Weihnachtswelt zurück. „Super“ sei’s gewesen, aber auch „super anstrengend“. Zumal der Ladenbetrieb parallel weitergelaufen sei – und vor Weihnachten wie überall im Einzelhandel besonders viel Arbeit anfalle. Die gute Atmosphäre auf dem Schorndorfer Weihnachtsmarkt sei für ihn aber Lohn genug. Lob gab es von Neher vor allem für die gute Mischung der Stände. „Das ist nicht so knallkommerziell wie in anderen Städten“. Das Bild werde vielmehr geprägt von Ortsansässigen und Händlern aus den Partnerstädten – und das sei auch gut so.

Schon seit 25 Jahren Fleisch- und Wurstwaren aus Kahla

Doreen Lippmann-Grund aus dem thüringischen Kahla kommt mit ihren Fleisch- und Wurstwaren schon seit 25 Jahren in die Daimlerstadt, hat in diesem Winter quasi Silberhochzeit, wie sie sagt. Und immer noch stehe sie hier gerne, auch wenn es durchaus anstrengend sei und logistisch ohnehin ein Kraftakt. Alle zwei Tage bringe ein Kühlwagen frische Waren aus Kahla. Dafür komme die Kundschaft von weit her, teils vom Bodensee oder aus dem Schwarzwald. Mehr Laufkundschaft habe es in diesem Jahr gegeben, überhaupt seien mehr Leute in der Stadt gewesen, meint Lippmann-Grund. Zeit für eine verdiente Pause hat die Thüringerin übrigens nicht. Am Donnerstag früh muss sie bereits um sechs Uhr in ihrem Kahlaer Laden stehen.

Eiscafé Santa Lucia dieses Jahr zum ersten Mal dabei

Einen wesentlich kürzeren Weg hat da Georg Vlassidis vom Schorndorf Eiscafé Santa Lucia, das heuer zum ersten Mal bei der Weihnachtswelt dabei war und den Markt um Kaffee und italienisches Gebäck bereicherte. Für das erste Jahr sei es gut gewesen, sagt Inhaber Vlassidis. Auch wenn das Café erst noch seinen Platz finden müsse. Seine Beobachtung: Viele Besucher würden ganz gezielt „Zuflucht“ bei einem bestimmten Stand suchen. Man müsse sehen, wie sich das in den nächsten Jahren entwickle. Vorerst betrachtet er die Präsenz als eine nette Form der Kundenbindung.

Lustige Leute sorgen für durchweg gute Stimmung

Ohnehin nur wegen der Atmosphäre kommt Francois Theillaumas aus Tulle nach Schorndorf, mittlerweile im achten Jahr. Der Delikatessen-Großhändler genießt es, einmal im Jahr nicht an den Umsatz denken zu müssen. Als Einzelkämpfer wird er dabei unterstützt von Mitgliedern des Partnerschaftsvereins – ein Zeichen deutsch-französischer Freundschaft. Besonders viel sei in diesem Jahr los gewesen, sagt er. Aber nur Positives: Jede Menge lustige Leute gebe es hier, die Stimmung sei durchweg gut. Die Weihnachtswelt mache ihm „unheimlich viel Spaß“. Nächstes Jahr komme er deshalb sicher wieder.


Tierschutz

Deutschlandweit hat die Tierschutzorganisation Peta gegen lebende Krippen auf Weihnachtsmärkten protestiert. Die Kritik in Kürze: Besucher würden die Tiere mit Fastfood füttern, der Stressfaktor für die Tiere sei zu groß, die Unterstände zu ungenügend. Grundsätzlich sollten Tiere nicht der Unterhaltung dienen und gehörten deshalb nicht auf Weihnachtsmärkte.

Auch in Schorndorf hat es eine Anzeige gegeben wegen der Schafskrippe auf dem Oberen Marktplatz. Wer sie gestellt hat, das weiß Ulrich Fink nicht. Verstehen kann er es aber auch nicht. Schließlich würden die Schafe gut versorgt und jeden Abend vom Weihnachtsmarkt in den heimischen Stall verbracht.

Das Veterinäramt sah ebenfalls keinen Handlungsbedarf. Die Anzeige wurde deshalb abgelehnt.

Benefizstand

Die Weihnachtswelt ist am Mittwochabend zu Ende gegangen, doch ein Stand bleibt am Donnerstag noch stehen. Auch in diesem Jahr schenkt die Stadt dort Glühwein und Punsch aus. Die Einnahmen kommen der Schorndorfer Tafel zugute.