Schorndorf

Haftstrafe nach räuberischer Erpressung

Amtsgericht Schorndorf Symbol Symbolbild
Symbolbild. © ZVW / Gabriel Habermann

Schorndorf. 13 Vorstrafen, die Bewährung gebrochen und der Versuch der räuberischen Erpressung eines Taxifahrers mit einem Kampfhund als „Waffe“: Das war dann doch des Schlechten zu viel. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Doris Greiner verurteilte einen 45-Jährigen, der derzeit in Urbach wohnt, zu einer Haftstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Ohne Bewährung.

Genau das hatte die Anklage auch gefordert, und dem hatte Dr. Max Klinger, Verteidiger des Angeklagten, nicht widersprochen. Mit einer – ganz wichtigen – Ausnahme allerdings: Klinger wollte eine Verurteilung auf Bewährung erreichen. Die Direktorin des Amtsgerichts Schorndorf und ihre zwei Schöffen gingen darauf aber nicht hin.

Vielmehr meinte Greiner, der Antrag der Staatsanwaltschaft „fällt ausgesprochen moderat aus, man hätte auch höher gehen können“. Das freilich habe das Gericht dann doch nicht gewollt.

Der Angeklagte Theo V. (Name von der Redaktion geändert) ist alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Und nicht nur das. Der Mann ist polizeibekannt. Das ging aus der Aussage eines Polizisten, der in Schorndorf Dienst tut, hervor: „Stark alkoholisiert, das ist bei ihm ein Dauerzustand.“ Außerdem „habe ich mich gefragt, wie jemand wie er so einen Hund führen darf, er hatte ihn doch zu keinem Zeitpunkt unter Kontrolle.“

Der Hund, ein American Staffordshire Terrier, also ein Kampfhund, und der Alkohol spielen eine dominante Rolle in dem Fall, der V. jetzt vor die Schranken des Gerichts brachte. Und der Taxifahrer Rainer T. (Name von der Redaktion geändert). Bei ihm und seinen Kollegen ist Theo V. aufgrund diverser Vorkommnisse so etwas wie ein rotes Tuch: „Wir kennen ihn alle, haben alle schon Probleme mit ihm gehabt, manche Kollegen fahren ihn gar nicht mehr.“

Rainer T. allerdings hat den Angeklagten gefahren am 23. August 2014 gegen 0.30 Uhr. In Schlechtbach am Bahnhof ist er, deutlich alkoholisiert, samt Hund in sein Taxi eingestiegen und hat als Fahrziel Schorndorf angegeben. Während der Fahrt stellte sich heraus, dass der Angeklagte kein Geld dabei hatte. V. wollte zunächst in eine Kneipe in unmittelbarer Nähe des Schorndorfer Bahnhofs, weil er glaubte, den Geldbeutel dort liegengelassen zu haben. Für den Taxler, einem Berufsfeuerwehrmann, der nur aushilfsweise Fahrten macht und aufgrund seines Berufs brenzlige Situationen kennt, (noch) kein Problem. Er werde auch dorthin fahren, meinte er. V. freilich wollte jetzt von Bezahlen nichts mehr wissen („du kriegsch keine Kohle“, hat er laut T. gesagt) und drohte mit seinem Hund („nimm dich in Acht, der beißt“). Er gab dem Vierbeiner ein Kommando, und plötzlich tauchte der Kopf des Tieres, das bisher auf dem Rücksitz gelegen hatte, neben dem (Kopf) des Taxifahrers („spätestens da war mir klar, was das für ein Hund ist und dass der auch beißt“) auf. Der wiederum machte eine Vollbremsung mit dem Erfolg, dass die Hinterbeine des Hundes abrutschten und er in den Fußraum fiel.

Geholfen hat das nur bedingt. Denn das Spiel ging von vorne los, eine zweite Vollbremsung folgte. Mit dem gleichen Ergebnis: Hund fällt in den Fußraum. Zwischendurch wollte der Angeklagte dann noch auf irgendein Baumgrundstück bei Haubersbronn. Dazu kam’s aber nicht mehr. Rainer T. fuhr schnurstracks nach Schorndorf zur Polizei, die er vorher per Funk wohl schon informiert hatte. „Wohl“ deshalb, weil der Taxifahrer nicht mehr genau wusste, ob er sie tatsächlich von unterwegs angerufen hat.

Das freilich spielte in der Verhandlung auch keine Rolle. Vielmehr ging’s vor allem darum, wie betrunken der Angeklagte tatsächlich war. Zehn bis 15 Bier habe er den ganzen Tag über getrunken, gab Theo V. an. Er räumte den Betrug (es ging um etwa 25 Euro, die er für die Taxifahrt bezahlen sollte) ein, bestritt aber, dem Hund Kommandos gegeben zu haben. Das Schöffengericht freilich hatte keinen Anlass, an den Aussagen des Taxifahrers zu zweifeln. Er hatte den Zustand des Angeklagten so beschrieben: V. habe zwar eine deutliche Alkoholfahne gehabt, aber nicht gelallt und auch keine Ausfallerscheinungen gezeigt.

Diese Aussage dürfte die Einschätzung von Verteidiger Dr. Klinger belegen, wonach V. schon seit vielen Jahren an Alkohol gewöhnt sei, er sei „schwerer Alkoholiker“, habe inzwischen aber Kontakt zur Suchtberatung aufgenommen, ein Reha-Antrag sei gestellt. Entscheidend sei jetzt, dass sich sein Mandant „in Therapie begibt“.

Der Vertreter der Anklage wertete T.’s Aussage zum Verhalten des Angeklagten so: V. sei zwar stark an-, aber nicht volltrunken gewesen, eine verminderte Schuldfähigkeit scheide also aus. Strafverschärfend seien seine vielen Vorstrafen und auch die Tatsache, dass V. kein Geständnis abgelegt habe, spreche nicht für ihn. Solange er Alkohol trinke, könne eine positive Sozialprognose nicht gestellt werden.

Richterin Doris Greiner, Direktorin des Amtsgerichts Schorndorf, und ihre beiden Schöffen sahen das genauso.

Der Lebenslauf des Angeklagten

Theo V. wurde am 14. Januar 1971 im Saarland geboren, war zwischen seinem siebten und 15. Lebensjahr im Internat. 1984 zog seine Familie nach Schorndorf. Er hat keinen Hauptschulabschluss und auch keinen Beruf, gearbeitet hat er auf dem Bau. Seit einiger Zeit lebt er von Hartz IV.

Im Mai 1986 hat V. geheiratet. Aus der Ehe, die wohl 2010 (so genau wusste der Mann es nicht mehr) geschieden wurde, gingen zwei Söhne hervor, die heute 21 und 18 Jahre alt sind. Bereits in jungen Jahren musste sich V. einer Entziehungskur unterziehen. Der Erfolg war mäßig. „Drei Monate hat es gehalten“, so V. vor Gericht.

Das Vorstrafenregister ist lang und umfasst unter anderem versuchte Steuerhinterziehung, mehrere Betrugsfälle, einen vorsätzlichen Vollrausch in zwei Fällen, Bedrohung und Beleidigung, Körperverletzung.

Derzeit, so zumindest Theo V.’s Aussage im Gerichtssaal, „trinke ich nicht jeden Tag, aber wenn ich trinke, dann trinke ich so viel, dass es zu viel ist“. Er habe dann das Gefühl, „etwas nachholen zu müssen“. Außerdem nehme er Antidepressiva.

In seinem Schlusswort sagte Theo V., er habe damit angefangen, etwas zu ändern, „ich muss was ändern“. Ganz schlecht sei’s um ihn gestanden, als das mit der Taxifahrt passiert sei. Unter anderem deshalb, weil zu dieser Zeit sein Sohn im Gefängnis gewesen sei.